Sharing Economy: Die 300'000-Franken-Uhr gibts jetzt zum Mieten
Aktualisiert

Sharing EconomyDie 300'000-Franken-Uhr gibts jetzt zum Mieten

Ein Zürcher Start-up bietet teure Zeitmesser zum Tragen für eine gewisse Zeit an. Wer eine Uhr verliert, sollte dennoch genug Geld haben.

von
Dominic Benz
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Das Zürcher Start-up will die Sharing Economy auf Luxusuhren ausweiten. Im Bild die Gründer (v. l.) Claudius Knecht, Julian Vogelsang, Lucas Knecht und Robin Vogelsang

Das Zürcher Start-up will die Sharing Economy auf Luxusuhren ausweiten. Im Bild die Gründer (v. l.) Claudius Knecht, Julian Vogelsang, Lucas Knecht und Robin Vogelsang

Dials
Auf der Website stehen Kunden derzeit rund 60 Uhren zum Mieten zur Auswahl.

Auf der Website stehen Kunden derzeit rund 60 Uhren zum Mieten zur Auswahl.

Dials
Die Uhren kommen aus Privatbesitz. Vom Vermieten profitieren die Besitzer. Sie erhalten 40 Prozent Rendite auf jedes Mietangebot.

Die Uhren kommen aus Privatbesitz. Vom Vermieten profitieren die Besitzer. Sie erhalten 40 Prozent Rendite auf jedes Mietangebot.

Dials

Egal ob bei Autos, Wohnungen oder E-Trottinetten – die Sharing Economy boomt. Die Idee vom «teilen statt besitzen» will das Start-up Dials nun auch auf Luxusuhren ausweiten. Auf der Website der Jungfirma können Interessierte ab sofort für eine gewisse Zeit eine teure Uhr mieten.

«Unsere Zielgruppe sind unter anderem Uhrenfans, die entweder die Abwechslung schätzen, eine Uhr für einen speziellen Anlass suchen oder die im Moment nicht in eine Luxusuhr investieren wollen oder können», sagt Robin Vogelsang zu 20 Minuten. Er ist einer der vier Mitgründer des erst im letzten Mai gegründeten Start-ups. Zu mieten sind Uhren von Rolex, Audemars Piguet, Omega oder Patek Philippe.

«Das ist ein ungenütztes Potenzial»

Umgekehrt sollen auch die Besitzer der Uhren profitieren. Sie können die Zeitmesser auf der Plattform vermieten. So stammen alle Uhren aus Privatbesitz. Laut Vogelsang würden viele ihre Uhren nicht ständig tragen, sondern in einer Schublade verstauen. «Das ist ein ungenütztes Potenzial. Mit unserer Plattform können die Vermieter nun auf ihre Uhr eine Rendite erwirtschaften», sagt der Mitgründer.

Wirtschaftspsychologe Jörn Basel von der Kalaidos Fachhochschule äussert sich skeptisch: «Bei Produkten wie Luxusuhren resultiert die Freude in der Regel erst, wenn man diese besitzt.» Auch habe das Mieten einer Uhr nur einen geringen realen zusätzlichen Nutzen ausser als Statussymbol. Dieser sei etwa beim Leihen eines Luxusautos gegeben. «Der Nutzen besteht hier im Fahrkomfort oder in den bequemeren Sitzen», erklärt Basel. Er glaubt, dass die Plattform letztlich nur in einem Nischenmarkt tätig sein wird.

Uhrenindustrie hält sich bedeckt

Auch Jakub Samochowiec, Konsumpsychologe am Gottlieb Duttweiler Institut, erwartet keine riesige Nachfrage. Er betont aber, dass wenn man bloss bei einer bestimmten Gelegenheit andere Menschen beeindrucken wolle, man keine solch teure Uhr kaufen müsse. «Und auch für ein paar Instagram-Fotos braucht man die Uhr nur kurz.» In diesen Fällen würde das Mieten einer Luxusuhr daher durchaus Sinn machen, so der Experte.

Kaum Freude an der Plattform dürfte die Uhrenindustrie haben. Sie hält sich aber bedeckt. «Wir nehmen davon Kenntnis», sagt Jean-Daniel Pasche, Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH.

Zum Start der Plattform von Dials sind rund 60 Uhren im Angebot. Gemäss Vogelsang habe man derzeit sieben Vermieter an Bord. Gemietet werden können die Uhren für drei Wochen, drei Monate oder ein halbes Jahr. «Der Preis für die Miete berechnen wir aufgrund der Nachfrage und des Marktpreises der Uhren», so der Jungunternehmer.

10'000 Franken für eine Patek Philippe

Je länger eine Uhr gemietet wird, desto günstiger die Miete. Momentan liegt das günstigste Angebot bei 250 Franken für drei Wochen, das teuerste bei 10'000 Franken für den gleichen Zeitraum. Bei Letzterem handelt es sich um einen Chronografen von Patek Philippe im Wert von rund 300'000 Franken. Die Vermieter der Uhren erhalten eine Rendite von 40 Prozent jeweils auf den Mietpreis.

Zudem sind die Zeitmesser vollständig versichert. Dennoch: «Mit leichten Gebrauchsspuren muss man rechnen», sagt Vogelsang. Man sorge jedoch für einen perfekten Unterhalt der Uhren. Teuer kann es aber für die Mieter werden. Geht die Uhr kaputt, müssen sie einen Selbstbehalt von mindestens 200 Franken oder 10 Prozent der Schadenssumme bezahlen. Bei Diebstahl ist ein Fünftel des Werts fällig. Wer die Uhr verliert, zahlt den vollen Wert. Vogelsang bleibt dennoch zuversichtlich. «Unser Ziel für das erste Geschäftsjahr sind 100 bis 150 Kunden, die regelmässig Uhren mieten.»

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