«Bilanz»-Ranking: Die 300 Reichsten besitzen 595 Milliarden
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«Bilanz»-RankingDie 300 Reichsten besitzen 595 Milliarden

595 Milliarden Franken besitzen die 300 reichsten Schweizer: ein Rekordwert. Das ist so viel, wie die 95 Prozent der Normalverdiener zusammen besitzen.

von
K. Wolfensberger

Die Reichsten in der Schweiz sind reicher geworden und sitzen auf einem Vermögen, das so gross ist wie noch nie zuvor. Das zeigt das Ranking der 300 finanzstärksten Schweizer in der neusten Gold-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». Insgesamt beläuft sich ihr Vermögen auf 595 Milliarden Franken. Das sind 6 Milliarden mehr als 2014. Von 2013 bis 2014 hatte der Anstieg noch 25 Milliarden betragen. Im Durchschnitt besitzt jeder der 300 reichsten 1,983 Milliarden Franken.

Dass der Zuwachs im Verlgeich zum Vorjahr vergleichsweise bescheiden ausfällt, liegt an der schwächelnden Weltkonjunktur und den abstürzenden Rohstoffpreisen. Würde das Vermögen der 300 Reichsten auf die Bevölkerung der ganzen Schweiz verteilt, so bekäme übrigens jeder Einwohner des Landes 71'685 Franken. «Ausserdem entsprechen die 595 Milliarden dem Wert, den 95 Prozent der Normalverdiener zusammen als steuerbares Vermögen besitzen», berechnet Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, für 20 Minuten.

Unter den Reichen selbst gibt es auch grosse Unterschiede. So besitzt die Top Ten der Rangliste zusammen 180 Milliarden Franken – 30 Prozent des Gesamtvermögens der Top 300. An der Spitze der Hitliste steht die Ikea-Familie Kamprad. Seit inzwischen vierzehn Jahren gehört ihr der erste Platz. 2015 hat sie ihr Vermögen um 2 Milliarden vermehrt und besitzt nun etwa 44 bis 45 Milliarden. Dass die Kamprads trotz des Wegzugs von Vater Ingvar nach Schweden noch im Ranking aufgeführt werden, liegt daran, dass seine drei Söhne Peter, Jonas und Mathias den Schweizer Pass besitzen.

Jorge Lemann verdrängt die Oeris

Eine Veränderung gibt es dafür auf Rang zwei. Brasilien-Schweizer Jorge Lemann verdrängt dort mit einem neuen Vermögen von 28 bis 29 Milliarden die Roche-Besitzerfamilien Hoffmann und Oeri. Deren Vermögen sank um eine Milliarde und beträgt nun etwa 25 bis 26 Milliarden.

Im Gegensatz dazu konnte Lemann sein Vermögen um etwa drei Milliarden steigern. Grund: Er dirigierte mehrere grosse Fusionen und Übernahmen. So verschweisste er gemeinsam mit seinem Freund Warren Buffet im Sommer die Kraft Foods Group mit der Firma H. J. Heinz zum fünftgrössten Nahrungsmittelkonzern der Welt. Auch die Fusion der Bierkonzerne AB InBev. und SABMiller geschah unter seiner Führung, was ihn in den Augen der «Bilanz» zum grössten Aufsteiger macht.

Der grösste Verlierer im Ranking ist Glencore-Boss Ivan Glasenberg. Innert gerade mal zwölf Monaten verlor er 3,25 Milliarden Franken. Grund ist der seit vier Jahren andauernde Kurssturz der Glencore-Aktien, im Zuge dessen sich sein Vermögen von ursprünglich 8,2 auf heute noch 2 bis 2,5 Milliarden Franken reduziert hat.

Coelho, Calatrava und Gucci

Auch zwölf neue Personen oder Familien haben es 2015 ins Ranking geschafft und weisen ein Mindestvermögen von 100 Millionen Franken auf. So viel ist nötig, um in die Rangliste aufgenommen zu werden. Darunter sind berühmte Namen wie der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava, der brasilianische Bestsellerautor Paulo Coelho, Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff oder Alessandra und Allegra Gucci, die Töchter von Maurizio Gucci, Erbe des gleichnamigen Modeimperiums.

Im Schnitt 405'000 Franken

Betrachtet man den Reichtum in der Schweiz über die ganze Bevölkerung hinweg, so beträgt das Reinvermögen der privaten Haushalte laut Zahlen von 2014 3335 Milliarden Franken. Pro Kopf entspricht dies einem Reinvermögen von 405'000 Franken. Das Medianvermögen liegt bei rund 100'000 Franken. Dies bedeutet, dass die Hälfte der Bevölkerung über mehr als diese Vermögen verfügt, die andere Hälfte über weniger.

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