Aktualisiert 05.08.2018 16:00

Rekordtemperaturen

Die Aare ist derzeit wärmer als das Mittelmeer

Die Aare in Bern wird wärmer und wärmer. Am Wochenende wurde der Rekordwert von 23,7 Grad gemessen. Der Fluss könnte sich noch weiter aufheizen.

von
Benjamin Hostettler
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Die Aare in Bern ist so so warm wie noch nie seit Messbeginn:

Die Aare in Bern ist so so warm wie noch nie seit Messbeginn:

Keystone/Anthony Anex
Gestern und heute stieg die Temperatur der Aare auf 23,7 Grad, was der höchste Wert seit Messbeginn 1970 darstellt.

Gestern und heute stieg die Temperatur der Aare auf 23,7 Grad, was der höchste Wert seit Messbeginn 1970 darstellt.

Keystone/Anthony Anex
«Sogar eine Wassertemperatur von 25 Grad ist möglich», erklärt der Wetterdienst MeteoNews gegenüber 20 Minuten.

«Sogar eine Wassertemperatur von 25 Grad ist möglich», erklärt der Wetterdienst MeteoNews gegenüber 20 Minuten.

Keystone/Anthony Anex

23,7 Grad: Die Temperatur der Aare in Bern hat eine weitere Rekordmarke erreicht. Noch nie seit Messbeginn in der Station Schönau im Jahr 1970 war sie so warm wie jetzt. Der Fluss ist nun sogar wärmer als mancher Bereich im Mittelmeer. Im spanischen Marbella zeigte die Wassertemperatur am Sonntag etwa 22 Grad an.

Aufgrund der Wetteraussichten ist es sogar möglich, dass sich die Aare noch weiter erhitzen wird. Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt der Schweizer Wetterdienst MeteoNews, dass 25 Grad durchaus realistisch seien. Jedoch seien ab Montag Gewitter in den Bergen vorausgesagt. «Es ist momentan schwierig abzuschätzen, wie sich diese möglichen Gewitter auf die Aare auswirken werden.»

«Riesenstress für Fische»

Eine tiefere Wassertemperatur wäre ein Segen für die Unterwasserwelt, denn die Rekordtemperaturen machen den Fischern grosse Sorgen. Ronald Sonderegger, Präsident des Angelfischervereins Bern: «Durch die Hitze geht den Fischen zunehmend der Sauerstoff aus. Gewisse Fischarten wie die Äsche leiden besonders darunter, weil sie extrem hitzempfindlich sind.» In der Schweiz würden viele Fischarten leben, welche sich an kühle Gewässer gewohnt hätten, so Sonderegger. Durch Notabfischungen versuche man, den Fischen zu helfen.

Voranschreitender Klimawandel

«Fische sind ein wichtiger Indikator für das Ökosystem», sagt dazu der Hydrologe Rolf Weingartner. Die jetzige Situation sei sehr ernst zu nehmen. «Mit abnehmender Wassermenge erwärmen sich die Gewässer noch viel stärker.»

Durch die Temperaturerwärmung kann auch nicht so viel Strom produziert. Das AKW Mühleberg hat wegen der Hitze bereits Ende Juli die Leistung um 10% gedrosselt. «In vergletscherten Gebieten haben wir aber zurzeit noch genügend Wasser, weil die Gletscher abschmelzen», so der Experte. Das werde sich in Zukunft mit voranschreitendem Klimawandel aber ändern.

Massnahmen gegen Fischesterben in bernischen Gewässern

Der Angelverein Bern wollte in Zusammenarbeit mit der Stadt Bern im bernischen Egelsee eine Notfallübung durchführen. Laut Sonderegger, Präsident des Vereins, habe man als Pächter dieses Sees die Stadt frühzeitig informiert. «Die Stadt hat jedoch nicht reagiert und zeigte sich wenig interessiert». In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr pumpte man schliesslich Frischwasser in den mit 28 Grad völlig überhitzten See.

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