Folgen der Abstimmung: «Die Abgangswelle wäre gross»
Aktualisiert

Folgen der Abstimmung«Die Abgangswelle wäre gross»

Erste Firmen planen bereits den Wegzug aus der Schweiz. Nach dem Ja zur SVP-Initiative habe die Schweiz einen Standortnachteil, so Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse.

von
S. Spaeth
Rudolf Minsch hofft auf eine gemässigte Lösung.

Rudolf Minsch hofft auf eine gemässigte Lösung.

Herr Minsch, erste Firmen planen den Wegzug aus der Schweiz. Überrascht Sie das?

Nein. Nach dem Ja war zu erwarten, dass sich einige Firmen diese Frage stellen. Konzerne mit hoher Wertschöpfung sind beunruhigt, ob sie noch genügend qualifizierte Arbeitskräfte finden. Nun kommt es auf das Ausmass der Wegzüge an.

Wie gross wird die Welle sein?

Um das zu beurteilen, ist es noch zu früh. Wenn die Situation mit der EU eskaliert, wäre die Abgangswelle wohl gross. Noch besteht aber die Hoffnung auf eine pragmatische Lösung. Die Schweiz muss jetzt gescheite Vorschläge ausarbeiten und nicht vorschnell reagieren.

Wie gross ist nun der Nachteil der Schweiz im Standortwettbewerb?

Die Schweiz hat einen Tolggen im Reinheft. Zum Glück entscheiden Unternehmen aber immer aufgrund von mehreren Faktoren, und da hat die Schweiz einiges Positives zu bieten. Zudem werden Standort- und Investitionsentscheide in der Regel nicht sehr rasch gefällt. Es ist aber nicht wegzureden, dass Unsicherheiten schlecht sind für das Investitionsklima.

Die Konkurrenzstandorte machen die Schweiz schlecht wegen ihrer Volksrechte.

Das gehört zu den üblichen Kämpfen um die Ansiedlung von attraktiven Firmen. Die Entscheidung von letzter Woche bietet sich an, um die Schweiz schlechtzureden. Klar ist: Die direkte Demokratie ist Teil unseres Landes. Und das ist gut so.

Ist Economiesuisse daran, verunsicherte Konzerne zu beruhigen?

Wir stehen mit verschiedenen Firmen in Kontakt. Zudem haben wir die Branchenverbände informiert, sie sollten Ruhe bewahren und mit ihren Mitgliedern das Gespräch suchen.

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