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Reaktionen zur Lauberhorn-Absage«Die Absage lässt das Herz jedes Ski-Fans bluten»

Sie sind abgesagt, die legendären Lauberhorn-Rennen. Doch bis zum definitiven Entscheid war es ein grosses Hin und Her. Wir erzählen die ganze Story nochmals und schauen, was die Beteiligten meinen.

von
Nils Hänggi

Die Corona-Zahlen sind zu hoch, die Lauberhorn-Rennen finden nicht statt.

Video: 20 Minuten

Darum gehts

  • Die Lauberhorn-Rennen sind abgesagt.

  • Grund dafür sind die erhöhten Corona-Zahlen in Wengen.

  • Wir zeigen das Hin und Her bis zum definitiven Entscheid auf.

  • Und erzählen, was die Beteiligten zum Entscheid meinen.

Die legendären Lauberhorn-Rennen finden nicht statt. Grund dafür sind die erhöhten Corona-Zahlen. Der Entscheid sorgt für grosse Enttäuschung – bei allen: bei den Ski-Fans, den Beteiligten, den Behörden. Doch dazu später mehr. Fakt ist: Es war ein grosses Hin und Her, bis am Montagnachmittag die definitive Absage kommuniziert wurde. Ein Hin und Her, das schwer zu durchschauen ist.

Wir zeigen aus diesem Grund den Ablauf der Ereignisse und sprechen darüber, was der Entscheid für finanzielle Konsequenzen hat und was die Meinung der Beteiligten ist.

Der Schock am Samstag

Die Entscheidung schockiert viele Fans am frühen Samstagabend, kommt sie doch völlig überraschend. So melden verschiedene Medien, dass in Wengen viele Covid-19-Fälle zu verzeichnen seien. Ausserdem seien über Weihnachten englische Touristen in dem Ort gewesen, es bestehe also die Gefahr, dass das mutierte Coronavirus in der Schweiz auftreten könne. Aus diesem Grund stünden die Rennen in Wengen auf der Kippe. Die Folge: Die Ski-Fans in der Schweiz und weltweit halten den Atem an. Können die legendären Lauberhorn-Rennen tatsächlich nicht stattfinden? Kann das sein? 1996 gab es zum letzten Mal keine Rennen am Lauberhorn. Grund: Schneemangel.

Das Aufatmen am Sonntag

Gut geschlafen, das haben wohl die wenigsten Ski-Fans. Zu viel steht einfach auf dem Spiel. Viele denken am Frühstückstisch wohl an den glorreichen Schweizer Sieg 2020, als Beat Feuz in Wengen die Piste hinunter raste und gewann. Viele fragen sich, ob das dieses Jahr wirklich nicht der Fall sein kann? Nun – am Sonntagmittag atmen die meisten Ski-Fans auf. Der Kanton Bern gibt grünes Licht, die Rennen dürfen laut den Kantonsbehörden stattfinden. Alles gut? Nicht ganz.

Der internationale Skiverband, der auch noch zustimmen muss, schweigt. Erst am Nachmittag vermeldet auch er: Ja, die Lauberhorn-Rennen finden statt. Mit verschärften Sicherheitsmassnahmen zwar (Schliessung des Skigebiets für Privatpersonen, Betreten des Gebiets nur möglich für Personen, die zum Weltcuptross gehören – und negativ auf Corona getestet worden sind), aber dennoch. Die Möglichkeit, dass Feuz in Wengen gewinnt, die besteht. Die Ski-Fans freuen sich, OK-Präsident Urs Näpflin meint: «Wir durchliefen ein enormes Wechselbad der Gefühle und waren zutiefst besorgt.»

Der erneute Schock am Montag

Am Mittag vermelden die ersten Medien, dass die Lauberhorn-Rennen doch abgesagt werden. Sie schreiben, dass ein Teil der Teams bei der Anreise gestoppt worden seien. Auch einige Ski-Fahrer vermelden auf Instagram und Twitter, dass die Klassiker in Wengen nicht stattfinden. Nun also doch nicht? Die Medienberichte sorgen wohl für Magenknurren bei so manch einem Ski-Fan. Immerhin: Der Schweizer Skiverband will nichts von einer Absage wissen, schreibt auf Twitter nur: «Ein Entscheid wird getroffen und kommuniziert.»

Später folgt sie dann aber, die Absage, der Schock. Dieses Mal definitiv. Standen am Sonntag die Lichter für die Lauberhorn-Rennen auf grün, folgt nun die Kehrtwende. Die Gründe: Erhöhte Corona-Fallzahlen in Wengen und eine gefährliche Dynamik, die die britische Mutation des Coronavirus auslöste. Die Berner Gesundheitsdirektion schiebt den geplanten Rennen im Berner Oberland einen Riegel vor.

Beat Feuz wird dieses Jahr in Wengen nicht gewinnen. Der Grund ist einfach: Die Rennen finden nicht statt. 

Beat Feuz wird dieses Jahr in Wengen nicht gewinnen. Der Grund ist einfach: Die Rennen finden nicht statt.

Foto: AFP

Die Reaktionen auf den Entscheid

Bernhard Aregger, Swiss-Ski-CEO

Gegenüber dem SRF meint er: «Der Entscheid schmerzt enorm – umso mehr, weil das Organisationskomitee hervorragende Vorbereitungsarbeiten geleistet hat. Die Absage eines der prestigeträchtigsten Rennwochenenden im Weltcup-Kalender, lässt das Herz jedes Ski-Fans bluten. Gleichwohl ist es unsere Aufgabe, die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten. Die Gesundheit steht auch bei solch schwierigen Entscheiden im Vordergrund.»

Urs Näpflin, OK-Präsident Lauberhorn-Rennen

«Wegen der verschärften Situation wurde uns die Bewilligung zur Durchführung der Rennen entzogen. Die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten stand im Vordergrund. Für uns ist das eine absolute Katastrophe. Wir haben ein Jahr lang auf den Event hingearbeitet. Nun war alles bereit, wir hatten eine Hammer-Piste. Jetzt heisst es: zurückbauen, abbauen, Ende der Übung», so der OK-Präsident gegenüber dem SRF.

Angesprochen auf die finanziellen Konsequenzen sagt er gegenüber der «NZZ»: «Wir haben eine Schadensversicherung, eine All-Risk-Versicherung, dort ist Pandemie nicht ausgeschlossen. Und wir haben das Stabilisierungspaket des Bundes, das die Pandemiesituation berücksichtigt und eine Absage infolge Pandemie ebenfalls integriert. Stand heute gehen wir davon aus, dass wir den finanziellen Schaden in Grenzen halten können.»

Markus Waldner, FIS-Renndirektor

«Wir sind natürlich alle sehr traurig, der Kurs war bereits gesetzt. In zweiter Linie geht es auch um die WM. Sie ist das Highlight des Jahres und der Weg zu ihr muss absolut sicher sein», so Waldner gegenüber dem SRF. Und: «In erster Linie geht es aber darum, dass die Gefahr von Infektionen zu hoch war. Die Teams wurden früh genug unterwegs gestoppt.»

Kanton Bern, Pressestelle

«Sorge bereitet dem Kanton die Dynamik, in welcher das Virus verbreitet wird. Die Gesundheitsdirektion geht aufgrund dieser Tatsache davon aus, dass vor allem die Virus-Mutation aus Grossbritannien zu diesem Effekt führt. Die Gesundheits- und die Wirtschaftsdirektion haben in Absprache mit dem OK, Swiss-Ski und den Verantwortlichen des Ski-Weltcups beschlossen, die Bewilligung für die Lauberhorn-Rennen zurückzuziehen. Dies auch, weil es nach genauer Evaluation der gestern angekündigten Sondermassnahmen nicht möglich sein wird, alle Vorkehrungen zu treffen, damit die Athleten und die Begleitmannschaften ausreichend in separaten Zonen geschützt werden können.»

Und weiter: «In Wengen hat sich das Virus seit Mitte Dezember sehr schnell verbreitet. In nur vier Wochen wurden über 60 Fälle innerhalb der Wengener Bevölkerung gemeldet, nachdem es vorher fast keine Fälle gab.»

Beat Feuz, Titelverteidiger

Gegenüber dem «Tagesanzeiger» bedauert er den Entscheid. Er, der daheim in Innsbruck geblieben war, meint, dass er es schade finde, dass sein Lieblingsrennen nicht stattfinde. «Aber unter den gegebenen Umständen muss und kann ich das akzeptieren.»

OK-Präsident Urs Näpflin sagt: «Wir haben eine Schadensversicherung, eine All-Risk-Versicherung, dort ist Pandemie nicht ausgeschlossen.»

OK-Präsident Urs Näpflin sagt: «Wir haben eine Schadensversicherung, eine All-Risk-Versicherung, dort ist Pandemie nicht ausgeschlossen.»

Foto: AFP

Und jetzt?

Ganz ohne Ski müssen die Fans kommendes Wochenende nicht auskommen. So wurden die ausgefallenen Rennen bereits neu angesetzt. Wie nämlich der FIS-Renndirektor Markus Waldner mitteilt, finden in Kitzbühel neu zwei Ski-Wochenenden statt. Am 16. und 17. Januar werden am Hahnenkamm zwei Slaloms gefahren, eine Woche später kommt es zum Speed-Wochenende mit zwei Abfahrten am Freitag und Samstag sowie einem Super-G am Sonntag.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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94 Kommentare
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Grnervt

12.01.2021, 15:48

Was für ein Theater. Warum sollen Profisportler und ihr ganzer Pulk alles dürfen, während Hunderttausende arbeiten dürfen aber in ihrer wenigen Freizeit ihr Sportart nicht betreiben. Nicht jeder fährt Ski. Ein einzelner Hundesportler darf nicht mal den umzäunten Hundeplatz benützen, während andernorts die Züge und Busse, Büros und Werkstätten voller Leute sind.

Beizli

12.01.2021, 10:59

Ist nicht wahr, mein Herz blutet nicht wegen dem abgesagten Skirennen, nein es blutet wegen der blöden Vorgabe die Beizen zu schliessen. Gut sind im Bundeshaus auch keine Verpflegungsmöglichkeiten und unsere lieben Politiker müssen Kalt- oder nichts essen.

maja naef

12.01.2021, 08:39

ich habe noch nie ein Lauberhorn Rennen live gesehen. Warum überträgt man es nicht einfach über das Fernsehen. Es braucht keine live Zuschauer.