Aktualisiert 20.08.2013 09:09

Ludogorez RasgradDie Adler aus dem «verrückten Wald»

Basels CL-Playoff-Gegner Ludogorez Rasgrad kennt in Europa niemand. Der bulgarische Meister brennt darauf, das mit einer Sensation gegen die Bebbi zu ändern.

von
Eva Tedesco

Ludogorez Rasgrad ist die Überraschungsmannschaft in der laufenden Champions League. Der Klub spielt erst seit 2011 in der höchsten bulgarischen Liga – und hat bereits vier Titel geholt. Am Mittwoch stehen die Adler aus der Region Ludogorie (Deutsch: verrückter Wald) vor dem ersten von zwei historischen Partien der Vereinsgeschichte. Vor dieser Saison trug der bulgarische Meister erst ein Europacup-Duell aus, das man unglücklich gegen Dinamo Zagreb verlor: durch ein Gegentor in der Nachspielzeit im Rückspiel.

In der aktuellen Quali hat Rasgrad Slovan Bratislava und Partisan Belgrad eliminiert und will nun den FCB ausschalten. Es geht um den grössten Erfolg in der Klubgeschichte, den erstmaligen Einzug in die CL-Gruppenphase – als erst zweites bulgarisches Team nach Levski Sofia in der Saison 2006/07. Deshalb geht Trainer Stoycho Stoev auf tutti und verordnete seinen Spielern bis Mittwoch einen Maulkorb. «Wir wollen unbedingt in die Gruppenphase der Champions League und werden alles daran setzen, das zu schaffen», liess sich Trainer Stoev am Wochenende zitieren.

Lauf in der Meisterschaft

Stoev hat mit seiner Mannschaft vier Meisterschaftsspiele in Serie gewonnen und führt die Tabelle der «A»-Grupa nach fünf Runden an. Hauptaugenmerk legt der Cheftrainer auf die Defensive, was das 8:1-Torverhältnis bestens dokumentiert. Am Wochenende siegte Rasgrad 1:0 in Plovdiv, wobei FCB-Trainer Murat Yakin, der beim Gegner persönlich spionierte, feststellen musste, dass Stoev in Hinblick auf den Mittwoch diverse Stammspieler schonte. Für die Übernahme der Tabellenspitze reichte aber auch die zweite Garnitur.

Bis vor zwei Jahren hat selbst in Bulgarien keiner Notiz von Ludogorez genommen. Der Verein aus der nordöstlichen Stadt Rasgrad in der Donautiefebene dümpelte in der zweiten Liga herum. Die Chance aus der Versenkung zu steigen, hat der Klub dem Brüderpaar Kiril und Georgi Domustschiev zu verdanken, die den Klub 2010/11 gekauft und viel Geld eingeschossen haben. Wie Sponsor Novartis beim FCB mischen die Brüder in der Pharma-Industrie (Huvepharma AG) mit. Das Unternehmen wird auf rund 250 Millionen Euro taxiert. Die Brüder haben sich in den vergangenen Jahren an einer Reihe von Privatisierungen (unter anderem Seerederei) beteiligt.

Teuerstes Kader Bulgariens

Kiril Domustschiev ist der starke Mann beim zweifachen Meister. Neben einem neuen Trainingszentrum investiert er vor allem in eine schlagkräftige Mannschaft. Die letzten Transfers tätigte er letzten Freitag und holte den holländischen U20-Internationalen Virgil Misidjan und den Captain der bulgarischen U21-Nati Georgi Terziev. Mit einem Marktwert von rund 15 Millionen Euro (FCB: 72 Millionen) verfügt Rasgrad über das teuerste Kader in Bulgariens «A»-Grupa, gefolgt von Levski (10 Mio.) und CSKA Sofia (8 Mio.).

Basel spielt in der CL-Quali gegen Rasgrad

Domustschievs 16 Ausländer – vor allem Brasilianer und Holländer – verdienen in Rasgrad mehr als bei durchschnittlichen Vereinen in ihren Ländern. Mitchel Burgzorg aus der Ajax-Schule zum Beispiel, der auch eine Offerte von Tilburg vorliegen hatte, könne in Rasgrad von den Prämien leben und den Lohn auf die hohe Kante legen. Das sagt er selbst.

Basel spielt in der CL-Quali gegen Rasgrad

FCB ist Favorit

Die Niveau in der höchsten bulgarischen Liga ist im Vergleich zur Super League schwächer. Auf dem Papier ist der FCB Favorit. Aber Achtung: Rasgrad hat einen Lauf und in der Meisterschaft seit der Startniederlage vier Partien in Folge gewonnen. Die einmalige Chance Klubgeschichte zu schreiben, macht Rasgrad zusätzlich gefährlich.

Das Hinspiel findet allerdings in Sofia statt, weil die Arena Ludogorez nicht der Uefa-Norm entspricht. Das ist für Rasgrad ein kleiner Nachteil, da viele Fans sich die Reise in die rund 360 Kilometer entfernte Hauptstadt nicht antun werden. Weniger gefährlich macht es das kämpferische Heimteam deshalb nicht.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.