Alkoholexzesse: Die Älteren saufen noch mehr als die Jungen

Aktualisiert

AlkoholexzesseDie Älteren saufen noch mehr als die Jungen

Nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene trinken immer öfter bis zum Umfallen und werden mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert. Im Berner Inselspital haben sich solche Notfälle von 2000 bis 2007 fast verdreifacht.

Feiern bis zum Abwinken und Frusttrinken im stillen Kämmerlein: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer müssen wegen einer Alkoholvergiftung behandelt werden. Das zeigt eine Studie des Berner Inselspitals, dessen Notfallstation 2000 noch 134 Fälle registrierte; 2007 waren es bereits 373.

2000 hatten noch 1,4 Prozent der in die medizinische Notfallstation der «Insel» eingelieferten Patienten und Patientinnen eine Alkholvergiftung. 2007 waren es bereits 3,3 Prozent aller Fälle sogenannte Komatrinker. Ein Sprecher des Inselspitals bestätigte von den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» am Samstag zitierte Zahlen der Studie.

Im Mittel hatten diese Personen 2,25 Promille Alkohol intus. Der höchste je gemessene Wert betrug 4,4 Promille, wie Monika Habkern, Ko-Leiterin der medizinischen Notfallstation und Studienleiterin, im Interview mit den beiden Zeitungen sagte.

Vor allem 30-40-jährige Männer

Derart hohe Blutalkoholwerte werden nicht bei jugendlichen Trinkern gemessen. «Typischerweise sind es 30- bis 40-jährige alkoholkranke Männer, die am fraglichen Abend noch massiver über die Stränge schlagen als sonst», sagte Habkern. Häufig hätten diese Patienten die Arbeit verloren und seien verwahrlost.

Die Zahl der in die Notfallstation eingewiesenen Exzessivtrinker stieg laut der Studie bei den 16- bis 25-Jährigen von 29 im Jahr 2000 auf 74 im Jahr 2007.

«Wiederholungstäter» für steigende Zahlen verantwortlich

Laut den Autoren sind die Jugendlichen nicht für den Anstieg der Fallzahlen verantwortlich. Die übers Ganze wachsende Zahl der Patienten, die ein zweites Mal mit einer Alkoholvergiftung im Notfall landen, weise darauf hin, dass vor allem 25- bis 55-Jährige die stark steigenden Fallzahlen verursachten, heisst es.

Bei den über 25-Jährigen ist die Zahl der Zweiteinweisungen im Vergleich zu den Fallzahlen höher als bei Jugendlichen und auch bei den über 55- jährigen Alkoholpatienten. (sda)

Alkoholvergiftung nicht von Promillezahl abhängig

Die Diagnose Alkoholvergiftung wird in der Notfallstation anhand klinischer Zeichen gestellt - Betroffene können nicht mehr gehen, sind mitunter aggressiv oder bewusstlos. Weiter stützen sich die Ärztinnen und Ärzte auf Angaben zum konsumierten Alkohol und der Messung des Alkoholspiegels, wie Habkern sagte. Die Symptome seien nicht streng abhängig von der Promillezahl. «Es gibt Patienten, die mit 2 Promille noch sehr wenig klinische Symptome zeigen. Hingegen wird eine junge Frau, die nicht alkoholgewohnt ist, bereits mit 2 Promille bewusstlos.»

Tendenz: Alkohol mit Drogen mischen

Monika Habkern, Ko-Leiterin der medizinischen Notfallstation im Berner Inselspital sieht zudem «klare Anzeichen» dafür, dass der Alkohol zuweilen mit Partydrogen gemischt wird. Zum Beispiel K.O.-Tropfen wie GHB könnten klinisch aber nur schwer nachgewiesen werden.

Deine Meinung