Muslime erstaunt: Die älteste Basler Moschee muss weg

Aktualisiert

Muslime erstauntDie älteste Basler Moschee muss weg

Nach 43 Jahren muss die «Mescid Moschee» das Kasernen-Areal verlassen. Ein neuer Standort ist noch nicht bekannt.

von
pjz
Die Muslime während dem Gebet in der Mescid Moschee auf dem Kasernen Areal.

Die Muslime während dem Gebet in der Mescid Moschee auf dem Kasernen Areal.

Die bekannte Moschee im Dachstock der Kaserne steht vor der Schliessung. Der Kanton will die Räumlichkeiten im Sommer 2015 sanieren und zu einem Lagerraum umfunktionieren. Aufgrund von feuerpolizeilichen Gründen sei es ausgeschlossen, den Raum wie bisher zu nutzen, sagt Thomas Kessler, Leiter der Stadtentwicklung gegenüber der «Tages Woche».

Als weiteren Grund für das angekündigte Ende der Moschee nennt Kessler die Pläne der Denkmalpflege. Im Rahmen der Sanierung sollen die Dachfenster entfernt und der Dachstock wieder in seinen historischen Zustand zurückversetzt werden – danach fehlt dem Raum das Tageslicht, wodurch er nur noch eingeschränkt nutzbar sein wird.

Der Dachstock sei eigentlich nicht für grössere Versammlungen geeignet und die Fluchtwege ebenfalls zu eng. An den Freitagsgebeten versammeln sich bis zu 300 Personen im Gebetsraum.

Passt Moschee nicht ins Kultur-Konzept?

Die Moschee-Kommission Basel, welche die Kasernen-Moschee betreibt, ist über den Entscheid alles andere als erfreut. Vorstandsmitglied Orhan Sahin hat von der drohenden Schliessung Anfang Jahr während einem Treffen mit Thomas Kessler erfahren. Viele Fragen seien unbeantwortet geblieben und man habe bis heute keine eine schriftliche Kündigung erhalten. «Ich war damals sehr überrascht und verunsichert», sagt Sahin. Sein Vater war einer der Gründer der «Mescid Moschee», was so viel heisst wie «die kleine Moschee».

Sahin vermutet, die Moschee habe einfach keinen Platz mehr im neuen Kultur-Konzept der Kaserne. Ein Vorwurf gegen den sich Thomas Kessler wehrt. «Das Gegenteil ist richtig. Wir haben einen anderen Standort auf dem Areal gesucht, aber nichts gefunden.»

Zentral und erschwinglich

Ein neuer Standort für den wichtigen Treffpunkt der mehrheitlich türkischstämmigen Muslimen der Region ist noch nicht in Aussicht. Die Stadt habe dem Verein eine ehemalige Garage am Claragraben zur Nutzung angeboten. Diese sei jedoch aufgrund des Mietpreises von über 20'000 Franken pro Monat unerschwinglich. «Das können wir unmöglich zahlen», sagt Sahin. Der Dachstock kostete die Moschee-Kommission knapp einen Zehntel davon.

Die Moschee wird auch während den grossen Messen wie beispielsweise der Baselworld von vielen Gästen während den Gebetszeiten besucht. Der Wert der Moschee werde vom Kanton hoch eingeschätzt, sagt Kessler – der Kanton sei «sehr interessiert» die Institution im Quartier zu behalten.

In der Zwischenzeit haben verschiedene Kirchen der Moschee ihre Hilfe bei der Suche zugesichert. Orhan Sahin hofft, dass auch vom Kanton weitere Unterstützung kommt, um einen zentralen und zahlbaren Ersatz für die «Kleine Moschee» zu finden.

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