US-Vize in Südkorea: «Die Ära der Geduld mit Nordkorea ist vorbei»
Aktualisiert

US-Vize in Südkorea«Die Ära der Geduld mit Nordkorea ist vorbei»

US-Vizepräsident Mike Pence besuchte die entmilitarisierte Zone zwischen Süd- und Nordkorea. Dort hat er eine klare Botschaft für Kim Jong-un.

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chk

Besuch auf koreanischer Halbinsel: US-Vizepräsident Mike Pence warnt davor, die Entschlossenheit der USA zu unterschätzen. Video: Tamedia/AFP

Einen Tag nach dem neuen nordkoreanischen Raketentest hat US-Vizepräsident Mike Pence am Montag der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea einen Besuch abgestattet. Nordkorea hatte am Sonntag trotz scharfer Warnungen eine Rakete abgeschossen.

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«Provokation»: Bereits am Sonntag hatte US-Vizepräsident Mike Pence Nordkoreas Raketentest verurteilt. (17. April 2017)

«Provokation»: Bereits am Sonntag hatte US-Vizepräsident Mike Pence Nordkoreas Raketentest verurteilt. (17. April 2017)

Keystone/EPA/YONHAP
Auf einem Wachturm in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea: US-Vizepräsident Mike Pence. (17. April 2017)

Auf einem Wachturm in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea: US-Vizepräsident Mike Pence. (17. April 2017)

Keystone/Lee Jin-man
Mike Pence wird von seiner Frau Karen und seinen zwei Töchtern begleitet. (17. April 2017)

Mike Pence wird von seiner Frau Karen und seinen zwei Töchtern begleitet. (17. April 2017)

Keystone/Lee Jin-man

Pence flog mit einem Hubschrauber in das US-geführte UNO-Lager Bonifas in Paju, wenige hundert Meter südlich der entmilitarisierten Zone, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Von dort aus sollte er das das sogenannte Waffenstillstandsdorf Panmunjom besuchen.

Mike Pence hat davor gewarnt, die Entschlossenheit der USA zu unterschätzen. Die Verbindungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südkorea seien «gussgekapselt», sagte Pence am Montag in Camp Bonifas. Die «Ära der strategischen Geduld» gegenüber Nordkorea sei beendet.

Rakete explodierte nach Start

Ungeachtet scharfer Warnungen aus den USA hatte Nordkorea am Sonntag eine Rakete abgeschossen, die nach Angaben der USA und Südkoreas jedoch unmittelbar nach dem Start explodierte. Der Test erfolgte nach einer grossen Militärparade in Pyongyang anlässlich des 105. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il-sung.

Im Konflikt mit Nordkorea wolle Washington «mit friedlichen Mitteln, über Verhandlungen» Sicherheit erreichen, es lägen aber «alle Optionen auf dem Tisch», sagte Pence am Montag in dem Dorf Panmunjom an der entmilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea. Die US-Regierung stehe «Schulter an Schulter» mit dem südkoreanischen Volk, die Beziehung beider Länder sei «eisern und unveränderlich». Nordkorea dürfe «nicht die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten unterschätzen, unseren Verbündeten beizustehen». Die USA haben in Südkorea 28'500 Soldaten stationiert.

Pence: «Provokation»

Bereits am Sonntag hatte Pence den Raketentest als «Provokation» bezeichnet. Nach Angaben des US-Pazifik-Kommandos und des südkoreanischen Verteidigungsministeriums wurde die Rakete am frühen Sonntagmorgen in der Nähe der Hafenstadt Sinpo an der Ostküste Nordkoreas abgefeuert. Das Pentagon erklärte, die Rakete sei «fast sofort explodiert». Ein aussenpolitischer Berater der US-Regierung sagte, bei dem Geschoss habe es sich wahrscheinlich um eine Mittelstreckenrakete gehandelt.

Die südkoreanische Regierung verurteilte den Test. Nur einen Tag nach der Militärparade in Pyongyang, bei der das nordkoreanische Militär auch mehrere Raketen zur Schau gestellt hatte, habe Nordkorea damit erneut «die ganze Welt bedroht».

Die deutsche Regierung verurteilte den Raketentest als Verstoss gegen das Völkerrecht. Grossbritannien äusserte sich «besorgt». Aussenminister Boris Johnson forderte Nordkorea auf, sein Atomwaffenprogramm zu beenden.

USA zu Alleingang bereit

Der Konflikt um das umstrittene nordkoreanische Atomprogramm hatte sich zuletzt verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte, die USA seien notfalls zu einem Alleingang bereit, wenn China nicht den Druck auf seine Verbündeten in Pyongyang erhöhe. Vergangene Woche schickte die US-Armee einen Flugzeugträger und mehrere Kriegsschiffe zur Koreanischen Halbinsel.

Trumps Nationaler Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster sagte unterdessen, Washington arbeite wegen der Gefahr durch Nordkorea eng mit Peking zusammen. «Es gibt international Übereinstimmung, auch mit den Chinesen und der chinesischen Führung, dass diese Situation nicht weiter andauern darf», sagte er dem Sender ABC. Die USA seien sich mit Südkorea und Japan, aber auch mit China einig, dass «das Problem nun an einem kritischen Punkt angelangt» sei. Es sei «an der Zeit, dass wir alle erdenklichen Massnahmen ergreifen – vor einer militärischen Option –, um das Problem friedlich zu lösen», sagte McMaster.

Nordkorea unterhält trotz umfassender Sanktionen seit Jahren ein Atomwaffenprogramm. Seit 2006 hat das Land insgesamt fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Zugleich arbeitet die Führung in Pyongyang an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten.

Japan ermahnt Nordkorea

Japan hat Nordkorea aufgerufen, sein Atomprogramm aufzugeben und weitere Provokationen zu unterlassen. Zudem solle Nordkorea UNO-Resolutionen befolgen, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe am Montag im Parlament.

Japan stehe an der Seite der USA und Südkoreas. Mit Russlands Präsident Wladimir Putin wolle er sich bei einem Gipfeltreffen noch diesen Monat austauschen, sagte Abe. China wolle er aufrufen, eine grössere Rolle in dem Konflikt einzunehmen. (chk/sda/ap/afp)

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