Tragisches Schicksal: Die «Affenfrau» soll heimkehren
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Tragisches SchicksalDie «Affenfrau» soll heimkehren

Eine mexikanische Künstlerin will den Leichnam von Julia Pastrana von Norwegen nach Mexiko überführen. Die «hässlichste Frau der Welt» soll endlich in Frieden ruhen.

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Zu Lebzeiten war Julia Pastrana entweder als «Affenfrau» oder «die hässlichste Frau der Welt» bekannt. Wissenschaftler sahen in ihr das «Missing Link», das fehlende Bindeglied zwischen Affen und Menschen, von dem Charles Darwin in seinen Forschungsberichten schrieb. Jetzt, 151 Jahre nach ihrem Tod, will die mexikanische Künstlerin Laura Anderson Barbata die sterblichen Überreste der indigenen Ureinwohnerin von Norwegen in ihre Heimat zurück holen.

Julia Pastrana hatte ein tragisches Leben: Das an Hypertrichose leidende Kind wurde um 1840 zusammen mit seiner Mutter in einer Höhle in der Gegend von Sinaloa, Mexiko, gefunden. Der kantige Kiefer, ihre ungewöhnlich grossen Ohren, die prominente Nase und die dicken schwarzen Haare, die ihren Körper und ihr Gesicht bedeckten, sorgten für grosses Interesse. Das Kind wurde der Mutter abgekauft und als Attraktion einem Zirkus vermittelt.

Von Mexiko in die weite Welt

Im Jahr 1857 kam Pastrana nach London, nachdem sie erfolgreiche Tourneen durch die USA und Kanada abgeschlossen hatte. Laut Berichten aus dieser Zeit hatte die nur 1,37 Meter grosse Frau eine hohe Stimme, konnte sich in drei Sprachen schriftlich und mündlich verständigen und tanzte sehr graziös.

Nachdem sie drei Jahre mit einem Zirkus durch Europa gereist war, lernte sie in New York ihren zukünftigen Ehemann Theodore Lent kennen. Lent sah in Pastrana eher ein profitables Geschäft denn eine Ehefrau. 1854 heirateten die beiden und Lent verkaufte von da an nicht nur die Tickets für die Zirkus-Show, sondern auch exklusive Eintrittskarten, damit Interessierte seine Frau auch bei ihm zuhause besuchen konnten.

Geburt der «Affenfrau» live erleben

Sechs Jahre nach der Heirat wurde Julia Pastrana schwanger. Auch diesmal liess sich Lent das Geschäft nicht entgehen und verkaufte Tickets für die Geburt seines Kindes. Als der Zirkus am Abend des 20. März 1860 in Moskau gastierte, brachte die «Affenfrau» ein ebenfalls von Hypertrichose betroffenes Kind zur Welt, das 35 Stunden nach der Geburt starb. Julia Pastrana starb nur zwei Tage später ebenfalls.

Die Leichen der verstorbenen Ehefrau und des Sohnes liess Lent in der Moskauer Universität einbalsamieren und in Kostüme stecken. Bis 1943 wurden die beiden in einer Wanderschau von zwei riesigen Papageien präsentiert. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die mumifizierten Leichen von den deutschen Besetzern beschlagnahmt. Nach dem Krieg stellte man sie erneut zur Schau. Bis im Jahr 1973 tourten die Leichen von Pastrana und ihrem Kind durch Europa, bis die norwegische Regierung eingriff und die öffentliche Präsentation verbot. Norwegen gab damals an, die Leichen für wissenschaftliche Zwecke zu konfiszieren.

Pastrana soll in Frieden ruhen

Vor sechs Jahren erfuhr die Kunstschaffende Anderson Barbata, die zurzeit in Oslo lebt, von der Geschichte und versuchte die Leichen nach Mexiko zurückzuführen. «Die Mumien wurden weder untersucht noch begraben», sagt sie gegenüber der Zeitung «Reforma». Anderson Barbata fand heraus, dass Pastrana in Mexiko katholisch getauft worden war.

Sollte sie dies mit einer Urkunde beweisen können, wäre es einfacher die beiden Mumien aus «moralischen Gründen» in die Heimat zu überführen, um sie christlich begraben zu lassen.

Die Behörden in Oslo tun sich mit den Bewilligungen allerdings schwer: Anderson Barbata wird ihnen zuerst beweisen müssen, dass sie nicht wie Theodore Lent ist.

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