Zürich zu teuer: Die Agglo wird zum Ghetto
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Zürich zu teuerDie Agglo wird zum Ghetto

Die teuren Mieten in Zürich lassen immer häufiger Sozialhilfebezüger abwandern. Leidtragende sind die Agglomerationsgemeinden im Limmat- und Glatttal. Sie verzeichnen vermehrt Sozialhilfebezüger aus der Stadt Zürich.

von
A. Hirschberg
In der Agglo in Spreitenbach AG finden Sozialhilfebezüger noch Wohnraum innerhalb der Mietzinslimiten.

In der Agglo in Spreitenbach AG finden Sozialhilfebezüger noch Wohnraum innerhalb der Mietzinslimiten.

Rund 3000 Franken monatlich bezahlt man laut Comparis im Schnitt für die Miete einer 4,5-Zimmer-Wohnung in Zürich. Viel zu teuer für all jene, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Gemäss Richtlinien darf die Miete für einen 5-Personen-Haushalt maximal 2000 Franken betragen. Darum finden die Armen und Bedürftigen in der Stadt Zürich immer weniger Unterschlupf. Zuzüger aus dem Sozialhilfesegment gibt es in Zürich kaum mehr.

Vielmehr ist es umgekehrt: Immer mehr sind gezwungen, in günstigere Gemeinden abzuwandern. So sank denn auch die Sozialhilfequote der Stadt Zürich trotz höheren Arbeitslosenzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich. Als Auffangbecken für die Armen fungieren vor allem das Limmat- und das Glatttal. Schlieren, Dietikon, Opfikon und Spreitenbach haben schon lange die höchsten Sozialhilfequoten - und sie steigen weiter an.

Mietzinse erfüllen die Normen der Sozialämter

«Wir haben einen Zulauf aus Zürich», sagt denn auch Claude Chatelain, Sekretär der Sozialbehörde Schlieren. Sozialhilfebezüger würden aufgefordert, innert einer Frist günstigere Wohnungen zu suchen. «Dass sie dabei ihre Suche auf die umliegenden Gemeinden ausdehnen, ist logisch», so Chatelain.

«Diejenigen, die bei uns eine Wohnung finden, haben in der Regel eine ellenlange Suche hinter sich», sagt auch Roland Hurter, Leiter Intake des Sozialamts Dietikon. Vermehrt kämen diese Sozialhilfebezüger aus Zürich. «Bei uns findet man noch Wohnungen mit Mietzinsen, die die Normen der Sozialämter erfüllen», so Hurter.

«Die Stadt wird zu teuer für die Armen»

Auch Opfikon verspürt den Druck aus dem aufgewerteten Zürich. «Die Stadt wird zu teuer für die Armen», sagt Edgar Rutishauser, Leiter der Sozialabteilung Opfikon. Immer mehr Sozialhilfebezüger blieben darum in der Agglomeration hängen. Glücklich ist man darüber in keiner der betroffenen Gemeinden.

Sie fordern darum, dass ein Umdenken stattfindet. «Alle Gemeinden sollten genügend günstige Wohnungen für Sozialfälle anbieten», sagt Roland Hurter aus Dietikon. Infrage stellt Claude Chatelain aus Schlieren die Ansätze der Sozialbehörden. «Dass im teuren Zürich und im deutlich günstigeren Schlieren praktisch dieselben Höchstmietzinse für Sozialhilfebezüger gelten, ist ein Problem», sagt er.

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