Afghanen in der Schweiz - «Die aktuelle Situation ist sehr schmerzhaft für uns alle»
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Afghanen in der Schweiz«Die aktuelle Situation ist sehr schmerzhaft für uns alle»

Die Taliban sind in Kabul in den Präsidentenpalast eingedrungen und verhandeln über die Machtübernahme. In der afghanischen Community in der Schweiz sorgt man sich um Angehörige und die Zukunft des Landes.

von
Noah Knüsel
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«Natürlich habe ich Angst», sagt Schweiz-Afghane Yasir Sarwari. «Noch bis vor zwei Tagen war ich in Kabul», sagt der 22-Jährige. Dort habe er seine Familie besucht.

«Natürlich habe ich Angst», sagt Schweiz-Afghane Yasir Sarwari. «Noch bis vor zwei Tagen war ich in Kabul», sagt der 22-Jährige. Dort habe er seine Familie besucht.

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«In der Stadt herrschte Panik», sagt Sarwari. Viele versuchten, irgendwie noch wegzukommen.

«In der Stadt herrschte Panik», sagt Sarwari. Viele versuchten, irgendwie noch wegzukommen.

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Es sei sehr schwierig für ein Land, sich von Jahrzehnten voller Gewalt und Krieg zu erholen, sagt Sarwari: «Die aktuelle Situation ist sehr schmerzhaft für uns alle.»

Es sei sehr schwierig für ein Land, sich von Jahrzehnten voller Gewalt und Krieg zu erholen, sagt Sarwari: «Die aktuelle Situation ist sehr schmerzhaft für uns alle.»

AFP

Darum gehts:

  • Bei Afghanen in der Schweiz herrscht Bestürzung.

  • Yasir Sarwari war bis vor zwei Tagen in Kabul: «In der Stadt herrscht Panik.»

  • «Niemand weiss, was als Nächstes passiert», sagt Abdul Wasseh Habib.

Nachdem sie innerhalb weniger Tage weite Teile Afghanistans eingenommen haben, haben die Taliban Kabul erreicht. Die Regierung sicherte eine «friedliche Machtübergabe» zu. Für Nahost-Experte Erich Gysling ist klar: «Die Taliban werden die Scharia ausrufen.»

Auch bei Afghanen in der Schweiz ist die Stimmung angespannt: «Natürlich habe ich Angst», sagt etwa Yasir Sarwari. «Noch bis vor zwei Tagen war ich in Kabul», sagt der 22-Jährige. Dort habe er seine Familie besucht.

Viele bleiben zurück

«In der Stadt herrschte Panik», sagt Sarwari. Viele versuchten, irgendwie noch wegzukommen. Doch nicht alle hätten das Privileg, wie er in die Schweiz zurück zu können: «Meine Familie hat keine andere Wahl, als dort zu bleiben.»

Es sei sehr schwierig für ein Land, sich von Jahrzehnten voller Gewalt und Krieg zu erholen, sagt Sarwari: «Die aktuelle Situation ist sehr schmerzhaft für uns alle.»

Unsichere Zukunft

Auch im Umfeld von Abdul Wasseh Habib herrscht Bestürzung. Der 47-Jährige ist der Gründer eines afghanischen Vereins in der Schweiz: «Wir waren sehr traurig, als wir sahen, wie schnell die Taliban die grossen Städte eroberten.»

Er habe Angst, sagt Habib. Auch um seine Familie, die in Kabul festsitzt: «Die Geschichte wiederholt sich: Die Reichen können das Land verlassen, die Armen müssen bleiben.»

Für Habib und Sarwari ist klar, dass Afghanistan in eine unsichere Zukunft steuert. Die Taliban gäben sich im Moment gemässigt, sagt Habib: «Aber niemand weiss, was als Nächstes passieren wird.»

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