26.10.2019 16:34

Generationen-Zoff

«Die Alten sollten die Bühne verlassen»

Er ist Start-up-Unternehmer und nun auch Buchautor: Der Österreicher Samuel Koch (25) ist überzeugt, dass die Zeit der «Alten» längst abgelaufen ist.

von
Remo Schraner
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Der Österreicher Samuel Koch (25) ist Start-up-Unternehmer und nun auch Buchautor.

Der Österreicher Samuel Koch (25) ist Start-up-Unternehmer und nun auch Buchautor.

zVg/edition a
Koch sagt: «Lehrer, die keine Ahnung haben, unterrichten digitale Tools, während die Schüler in diesem Bereich die eigentlichen Experten wären.»

Koch sagt: «Lehrer, die keine Ahnung haben, unterrichten digitale Tools, während die Schüler in diesem Bereich die eigentlichen Experten wären.»

Keystone/Martin Ruetschi
Und Trump-Befürworter seien «Rülpser», «Rednecks» und der Brexit sei von den «alten Säcken» verschuldet, wettert Samuel Koch weiter.

Und Trump-Befürworter seien «Rülpser», «Rednecks» und der Brexit sei von den «alten Säcken» verschuldet, wettert Samuel Koch weiter.

epa/Cristobal Herrera

Herr Koch, hassen Sie Ihre Eltern?

Ganz und gar nicht, ich liebe meine Eltern.

Warum liest sich Ihr Buch dann wie eine Hetzrede gegen die ältere Generation?

Unsere momentane Gesellschaft ist nicht fähig, Zukunft zu machen. Sie verschönert einfach die Vergangenheit. Bei der älteren Generation ist die Vorstellung der digitalen Zukunft sehr negativ behaftet. Darum meine Forderung: Die Alten sollen sich zurückziehen und den fähigen, jungen Leuten mit ihrem Rat und ihren Erfahrungen beistehen.

Warum dann trotzdem dieser Erklärungsversuch mit Ihrem Buch?

Das Buch ist der erste Schritt, um die junge Welt einigermassen verständlich zu machen. Der nächste Schritt ist, dass die Alten die Bühne verlassen. Ist ja logisch. Denn der Graben zwischen Jung und Alt ist unüberwindbar.

Generationenkonflikte gab es schon immer.

Ja, aber durch die Digitalisierung und die daraus entstandene Beschleunigung hat sich der Konflikt verstärkt. Lehrer, die keine Ahnung haben, unterrichten digitale Tools, während die Schüler in diesem Bereich die eigentlichen Experten wären. Oder wenn man in die Personalabteilungen schaut: Das Verständnis für die neue Welt fehlt. Die ältere Generation meint, wir seien nicht mehr leistungsfähig – dabei wollen wir einfach anders arbeiten.

Wie wollen die Jungen denn arbeiten?

Man arbeitet ein Jahr lang für einen Konzern, dann möchte man zwei Monate auf Hawaii die Seele baumeln lassen und surfen lernen, dann arbeitet man für ein halbes Jahr in einem Start-up und anschliessend absolviert man eine Weiterbildung. Danach wird der Prozess wiederholt.

Die Alten sollen ihre Posten den Jungen überlassen. Wäre es nicht sinnvoller, wenn die junge Generation neue Posten schaffen würde?

Der Schlüssel für die Bühne, um neue Posten zu schaffen, liegt immer noch bei der alten Generation. Gerade im politischen System: Wir Jungen könne mit den Machterhaltungsstrukturen nichts anfangen. Unsere Generation ist es gewohnt, alles zu bewerten. Seien es Produkte im Onlineshopping oder die Bilder von Freunden. Dadurch hat sich in unserem Mindset die direkte Demokratie verinnerlicht. Wir wollen mitbestimmen und mitgestalten.

Auch Junge können doch in die Politik.

Ja, aber die Leute im Hintergrund sind nur auf Machterhaltung aus.

Gehen Sie überhaupt noch wählen?

Natürlich. Sich nur zu verweigern, ist ja auch keine Lösung.

Die Digitalisierung ermöglicht auch Wahlmanipulation. Sind Sie trotzdem dafür?

Wenn wir jede Technologie verdammen würden, nur weil sie noch nicht erwachsen ist, dann würden wir noch heute mit Kutschen fahren.

Im Buch schreiben Sie, dass für eine globale direkte Demokratie Aufstände nötig sind. Ist das ein Aufruf?

Ich bin in keinster Weise ein radikaler Typ, ich bin diplomatisch. Mein Aufstand ist unternehmerischer Natur: Ich baue mir meinen eigenen Bildungscampus, der radikal anders ist.

Sie sind nicht radikal? Im Buch drohen Sie, dass bald «Rauch über den Strassen aufsteigen wird», wenn die älteren Generationen die Jungen nicht ernst nehmen.

Ja, das ist eine klare Ansage.

Ist das lösungsorientiert?

Ganz und gar nicht! Damit will ich nur sagen: Wenn man nicht bald begreift, in welchem Wandel wir leben, dann wird es zu solchen Reaktionen kommen.

Sie schwächen Ihre Aussagen ab. Eine weitere Drohung von Ihnen ist, dass die ältere Generation wegsperrt wird, wenn sie sich nicht ändert.

Mit diesem krassen Beispiel will ich aufzeigen, dass wir Jungen die Technologie wertschliessend einsetzen würden – dafür müssen die Alten uns aber die Bühne frei machen.

Ist es nicht anmassend, zu behaupten, Sie würden für die ganze Jugend sprechen?

Es ist nicht anmassend, es ist eine gesunde Beobachtung.

Trump-Befürworter seien «Rülpser» und der Brexit sei von den «alten Säcken» verschuldet. Es gibt doch auch junge Trump- und Brexit-Anhänger.

Da widerspreche ich Ihnen. Schaut man die Umfragen an, sind die meisten jungen Briten gegen den Brexit. Die Jungen sind für das Europäische, für die Globalisierung. Und auch für mich ist der Brexit ein Desaster. Er tut keinem gut.

Werden Sie in die Politik einsteigen?

Mittelfristig bleibe ich Unternehmer. Wer weiss, was danach passiert.

Was sind die Schwächen der jungen Generation?

Fehlende Geduld, Mangel an Selbstbewusstsein und mangelnde Arbeitsethik.

Was beschäftigt die Jungen?

Bildung, Digitalisierung und Klimaschutz. Wobei uns die Klima-Krisenstimmung nicht weiterbringt. Wir brauchen konstruktive Lösungen und nicht verhärtete Fronten.

Für was sind Sie der alten Generation dankbar?

Für sehr vieles. Dank meinen Eltern habe ich Geduld gelernt und dass man andere wertschätzt. Und auch für die bestehenden Netzwerke bin ich dankbar. So komme ich mit meinen Ideen an die richtigen Leute.

Zum Schluss: Ab wann ist man eigentlich alt?

Ab 40.

«Die Welt, die ihr nicht mehr versteht – Inside digitale Revolution» ist ab sofort im Handel erhältlich.

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