Kritik an Behörden - «Die Altersheime hat man vergessen»
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Kritik an Behörden«Die Altersheime hat man vergessen»

In der Pandemie sollten die Alters- und Pflegeheime eigentlich besonders geschützt werden. Nun zeigt eine grosse Umfrage das Gegenteil.

Führungskräfte fühlen sich im Stich gelassen: Bewohnerinnen und Bewohner in einem Altersheim. (Archivbild)

Führungskräfte fühlen sich im Stich gelassen: Bewohnerinnen und Bewohner in einem Altersheim. (Archivbild)

AFP/Christophe Archambault

Darum gehts

  • Wie eine Umfrage zeigt, fühlen sich in der Pandemie viele Führungskräfte von Alters- und Pflegeheimen von Bund und Kantonen im Stich gelassen.

  • 42 Prozent sagen, dass sie von den Behörden gar nicht oder zu wenig unterstützt worden seien.

  • Kritik gibt es auch an der Armee.

Eigentlich wurde ihnen von Bund und Kantonen besonderer Schutz in der Pandemie versprochen. Doch nun sagen viele Führungskräfte von Alters- und Pflegeheimen, dass sie sich in der Krise von den Behörden ignoriert, zum Teil sogar schikaniert gefühlt hätten. In einer Umfrage der Tamedia-Zeitungen geben 42 Prozent der Befragten an, dass sie von den Behörden gar nicht oder zu wenig unterstützt worden seien. «Uns hat man im Regen stehen gelassen», heisst es.

Kritik kommt auch an der Armee auf, die in der zweiten Welle den Assistenzeinsatz auf Spitäler begrenzte. Das Personal der Heime war durch Covid-Erkrankungen und Quarantäne stark reduziert, wer noch arbeitete, gelangte schnell an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit. Dennoch verwehrte man Hilfe durch Sanitätssoldaten.

Berner Heim in Quarantäne

Viele heben auch die mangelhafte Teststrategie des Bundesrats hervor. Man hätte Tote vermeiden können, sagen sie. «Wir hätten bloss alle Personen im Heim regelmässig testen müssen, um asymptomatische Fälle aufzudecken», sagt eine Heimleiterin. Doch die Behörden verweigerten dies lange Zeit.

Bereits jetzt hat die dritte Welle einzelne Heime erfasst. Wie Recherchen des «Tages-Anzeigers» zeigen, sind die Bewohnerinnen und Bewohner eines Pflegezentrums im Kanton Bern wegen eines Covid-19-Ausbruchs bereits seit zwei Wochen in Quarantäne. Das könnte noch bis zu vier Wochen so bleiben, heisst es von der Heimleitung. Betroffen sind auch Senioren, die bereits vollständig geimpft sind. Das wirft Fragen auf. Für Kantonsärztepräsident Rudolf Hauri gilt der Grundsatz, es brauche für Geimpfte «möglichst wenig Einschränkungen».

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

(chk)

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