Gurtenfestival 2015: Die Altstars überzeugten auf ganzer Linie
Aktualisiert

Gurtenfestival 2015Die Altstars überzeugten auf ganzer Linie

Das Gurtenfestival 2015 war in etwa ein Abbild des Wetters: Es gab viel Erfreuliches, wenig Betrübliches – und machte insgesamt sehr gute Laune.

von
Yves Schott
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Die Fantastischen Vier heizten der Menge am Donnerstag mächtig ein.

Die Fantastischen Vier heizten der Menge am Donnerstag mächtig ein.

Die Stuttgarter bewiesen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

Die Stuttgarter bewiesen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

Auch Polo Hofer gab alles. Die schwitzende Menge auf dem Güsche dankte es ihm.

Auch Polo Hofer gab alles. Die schwitzende Menge auf dem Güsche dankte es ihm.

Was für die Basler die «Drey scheenschte Dääg» zur Fasnachtszeit sind, das ist für die Berner der viertägige Openair-Wahnsinn auf dem Gurten. Bis zu 22'000 Menschen drängen sich pro Tag auf den Berner Hausberg – in diesem Jahr ging der Event sogar (fast) ohne Wetterkapriolen über die Bühne.

Die Besucher ihrerseits feiern rauschende Stunden. Tage. Und vor allem Nächte. Der Alkohol fliesst in Strömen. Der Schweiss auch. Und da wären ja, neben allen Partydomes und Flirtattacken, auch noch die Künstler. Sie lieferten in diesem Jahr ein meist überzeugendes, selten gelangweiltes, insgesamt grundsolides Programm ab. Drei Erkenntnisse:

1. Alt ist das neue Jung

Gleich mehrere Acts haben in diesem Jahr bewiesen, dass sie zwar möglicherweise ein wenig rosten, aber noch längst nicht rasten. Allen voran die Fantastischen Vier: Sie sorgten für das Highlight am Donnerstag, spätestens bei «Die Da?!?», das die Stuttgarter Jungs endlich wieder performten, gab es kein Halten mehr. Polo Hofer bewies am Sonntag, welch begnadeter Unterhalter er ist; und bei Patent Ochsner kann eigentlich sowieso nie etwas schief laufen.

2. Bekannt bedeutet nicht zwingend gut

Gross war die Vorfreude auf Faithless – eilends wurde noch die Bewilligung für eine eigene Lasershow eingeholt. Auf der Bühne aber waren die Briten nicht die Rede wert: Die Darstellung matt, der Auftritt lieblos, die Abmischung furchtbar. Als Faithless zu ihrem letzten Song ansetzten, waren die meisten Gurtenfestival-Gänger schon auf dem Heimweg – oder im Zelt. Benebelt. Vom Alkohol. Oder vom drögen Sound.

Der Auftritt von Ellie Goulding erfüllte die Erwartungen auch nicht: Lustlos spulte die 28-jährige Britin ihre Pflicht runter, wechselte kaum ein Wort mit dem Publikum. Wer sich schon von Vornherein genötigt sah, von Mainstream-Pop am Güsche abzuraten, sah sich in seiner Meinung bestätigt.

3. Gelegenheit macht Liebe

Wie man das Publikum an der Hand nimmt und, im Gegensatz zu Goulding, richtig gut unterhält, zeigten am Freitag Katzenjammer. Aus dem Nichts stimmten sie – auf Berndeutsch! – den YB-Song «Häbet nech am Bänkli» an. Die Menge tobte.

Als Polo Hofer am Sonntag seinen Hit Wyssebüehl eigentlich schon beendet hatte, sangen die Fans einfach weiter. Polos Reaktion? «De löht se haut!» Herrlich.

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