Aktualisiert 06.03.2010 09:54

80 Jahre TiefkühlkostDie Amerikaner habens eiskalt kopiert

TV-Dinners, Fischstäbli, Pommes Frites, Glacé - ohne Tiefkühler gäbe es diese Leckereien wohl kaum. Die USA haben den Tiefkühler zwar vermarktet, erfunden haben die Kühlboxen aber andere Eisexperten.

Am 6. März vor 80 Jahren wurde in Springfield, Massachusetts, erstmals Tiefkühlkost vermarktet. Während es in Deutschland erst 1957 gefrorenen Spinat und Fischstäbli zu kaufen gab, hatten die Schweizer schon 1942 die Wahl zwischen über 30 Sorten Tiefkühlkost. «Erfunden» haben es die Inuits (Eskimos) quasi vollautomatisch: Kaum war der Fisch aus dem Eisloch an die -40 Grad kalte Luft gezogen, war er schon steinhart gefroren. Der US-Meeresbiologe Clarence Birdseye, der dies auf einer Forschungsreise ums Jahr 1920 herum beobachtete, beschloss gleichsam eiskalt, das Verfahren auch für wärmere Regionen nutzbar zu machen.

Mit nichts als einem Ventilator, Salz, Eis und sieben Dollar baute er eine erste Anlage zum Schockgefrieren. In seinem Plattenfroster wurden die verpackten Lebensmittel zwischen Metallplatten gelegt, die von einem inwendigen Kältemittel auf bis zu -40 Grad Celsius abgekühlt worden waren.

Dadurch wurde den Produkten sehr schnell Wärme entzogen und die Zellen des Gefrierguts nur minimal geschädigt. 1929 verkaufte Birdseye das Patent und die Markenrechte für 22 Millionen Dollar - angesichts seiner sieben Dollar Anfangskapital eine hübsche Rendite.

Die Käuferin, die General Foods Corporation, dürfte immer noch reichlich an «Birds Eye Frosted Foods» verdient haben, auch wenn sie anfangs Beraterinnen einstellen mussten, die der staunenden Kundschaft die neuartigen Produkte erklärten.

Vorläufer

Die Kühlmaschine an sich hat Birdseye natürlich nicht erfunden. Eine erste Grundlage dazu wurde Mitte des 16. Jahrhundert gelegt, als mehrere Wissenschaftler unabhängig voneinander entdeckten, dass Wasser durch die Beigabe von Salpeter abkühlt.

1740 waren schon 15 verschiedene Mischungen bekannt, mit denen die Temperatur auf bis zu -32 Grad gesenkt werden konnte. 1820 entdeckte der britische Wissenschaftler Michael Faraday, dass flüssiges, komprimiertes Ammoniak bei seiner Verdampfung die Luft kühlte.

1842 wandte der Arzt John Gorrie das Verfahren an, um Eis herzustellen und damit die Räume in seinem Spital in Florida zu kühlen.

Der Franzose Ferdinand Carré entwickelte das Verfahren zur Kompressions-Kältemaschine weiter, die er 1862 auf der Londoner Weltausstellung präsentierte. Er stellte ein paar 100 Stück her für Handelsschiffe, die Fleisch aus Australien und Südamerika nach Europa oder die USA brachten.

Der Bierpionier

Der vielleicht grösste Pionier der Kältetechnik war aber der deutsche Ingenieur Carl Linde, der diesem Fachgebiet fast sein ganzes Leben widmete. Er entwarf seit den 1870er Jahren immer neue Modelle von Kältemaschinen, ursprünglich vor allem für Brauereien.

1879 gab er seine Lehrtätigkeit an der Uni auf und eröffnete seine eigene Kühlmaschinen-Fabrik. Sein Unternehmen wuchs zum Konzern an und existiert noch heute.

1897 wurde Linde von Ludwig II. mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet und in den persönlichen Adelsstand erhoben. Auch der König mochte sein Bier wohl am liebsten schön kalt.

(sda)

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