18.06.2016 17:36

Mitten im Stadion

Die Amerikanerin, die Hitler küsste

Im Berliner Schwimmstadion gelang es 1936 einer Amerikanerin, bis zu Hitler vorzudringen und ihm einen Schmatzer auf die Backe zu drücken.

von
jcg
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Carla de Vries küsste Adolf Hitler am 15. August 1936 in Berlin.

Carla de Vries küsste Adolf Hitler am 15. August 1936 in Berlin.

Keystone-france
Der Zwischenfall ereignete sich im Schwimmstadion während der Olympischen Spiele und ...

Der Zwischenfall ereignete sich im Schwimmstadion während der Olympischen Spiele und ...

Bundesarchiv, Bild 146-1982-047-02 / Hoffmann / CC-BY-SA 3.0
... sorgte weltweit für Aufsehen. Auch der «Sydney Morning Herald» brachte am 17. August eine Agenturmeldung dazu.

... sorgte weltweit für Aufsehen. Auch der «Sydney Morning Herald» brachte am 17. August eine Agenturmeldung dazu.

1936 war ein grosses Jahr für Adolf Hitler. Der NS-Diktator, der drei Jahre zuvor an die Macht gekommen war, wollte die Olympischen Spiele in Berlin nutzen, um der Welt ein überlegenes Deutschland zu präsentieren. Dass der Star der Spiele, der Amerikaner Jesse Owens, schwarz war, passte zwar nicht ganz ins Bild, trotzdem waren die Spiele für das NS-Regime ein Propagandaerfolg.

Hitler verfolgte persönlich mehrere Wettbewerbe auf den Zuschauerrängen mit. So auch am 15. August, einen Tag vor Ende der Spiele. Auf dem Programm stand Schwimmen. Im Schwimmstadion hatte es der Führer offenbar einer Amerikanerin besonders angetan. Sie versuchte mehrmals, ihn aus der Nähe zu fotografieren, wurde aber von SS-Wachen daran gehindert.

Ein lachender Hitler

Dann, kurz vor Ende des Finals im 1500-Meter-Freistil, nutzte sie die allgemeinen Aufregung und durchbrach die Reihen der Wachen. Sie schüttelte Hitler die Hand und küsste ihn schliesslich, während die beinahe 20'000 Zuschauer im Stadion in Gelächter ausbrachen.

Hitler schien gut gelaunt zu sein und lachte lauthals. Als die Frau mit stolz geschwellter Brust zu ihrem Platz zurückkehrte, klatschte er gar in die Hände.

Autogramm von Hitler

Die Frau war Carla de Vries, eine 40-jährige Kalifornierin, die zusammen mit ihrem Ehemann Europa bereiste. Sie konnte in ihrem Tun nichts Falsches erkennen. «Na, ich habe ihn einfach umarmt, weil er mir so freundlich erschien und so gütig», erzählte sie einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, als sie im November in die USA zurückgekehrt war.

«Die Leute, die neben der Loge des Führers sassen, begannen so laut zu jubeln und zu applaudieren, dass ich zurück zu meinem Mann gerannt bin und ihm sagte, dass wir besser gehen sollten», so de Vries weiter.

Sie habe Hitler um ein Autogramm gebeten, als sich dieser nach vorne beugte. Tatsächlich unterzeichnete er ihr Eintrittsbillett. «Er lächelte weiter und so habe ich ihn eben geküsst.» Für die dreifache Mutter aus Norwalk, Kalifornien, hatte der Zwischenfall keine weiteren Folgen.

Weniger glimpflich ging die Sache für die überrumpelten SS-Wachen aus. Einige von ihnen wurde unehrenhaft entlassen, andere wurden degradiert. Und heute stellt sich die Frage: Was, wenn die Frau ein Messer auf sich getragen und den Führer getötet hätte?

Der Kuss wurde auch gefilmt. (Video: Youtube/Rare Historical Photos)

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