Was ist «The Great Reset»?: Die angeblich düsteren Pläne von WEF-Gründer Schwab
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Was ist «The Great Reset»?Die angeblich düsteren Pläne von WEF-Gründer Schwab

«The Great Reset» ist ein Motto und Buchtitel von WEF-Gründer Klaus Schwab. Dahinter vermuten manche dunkle Pläne einer kleinen Elite von Mächtigen, die unter dem Vorwand der Corona-Pandemie den Menschen die Freiheit nehmen will.

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WEF-Gründer Klaus Schwab lädt erstmals online und nicht nach Davos zum Jahrestreffen. Bis zum Freitag …
WEF-Gründer Klaus Schwab lädt erstmals online und nicht nach Davos zum Jahrestreffen. Bis zum Freitag …AFP
… diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Online-Runden über aktuelle Herausforderungen wie die Pandemie und den Klimawandel im Bild: der südkoreanische Präsident Moon Jae-in).

… diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Online-Runden über aktuelle Herausforderungen wie die Pandemie und den Klimawandel im Bild: der südkoreanische Präsident Moon Jae-in).

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Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach sich bei der Eröffnung am Montag für mehr internationale Kooperation und freien Welthandel aus. Die Probleme der Welt könnten von keinem Land alleine gelöst werden.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping sprach sich bei der Eröffnung am Montag für mehr internationale Kooperation und freien Welthandel aus. Die Probleme der Welt könnten von keinem Land alleine gelöst werden.

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Darum gehts

  • Das Weltwirtschaftsforum trifft sich zunächst virtuell und unter dem Motto «The Great Reset».

  • Der gleichnamige Buchtitel von WEF-Gründer Klaus Schwab steht Spalier für eine Verschwörungstheorie.

  • Demnach nutzt eine kleine Elite die Corona-Epidemie als Vorwand, die Bevölkerung zu knechten.

  • Woher kommen diese Vorstellungen, was gibt ihnen Auftrieb, und was sagt Klaus Schwab dazu?

Das Traditionstreffen des Weltwirtschaftsforums WEF findet erstmals virtuell statt – und auf den sozialen Plattformen wie Twitter und Co. häufen sich Warnungen vor dem «Great Reset». So heisst das Motto, das WEF-Gründer Klaus Schwab für das Treffen dieses Jahr herausgab und so lautet auch der Titel des Buches, welches er zusammen mit einem französischen Volkswirt schrieb: «Covid-19: The Great Reset» ist letzten Mai erschienen, «Der grosse Umbruch» lautet der deutsche Titel.

Schwab plädiert darin für einen «Neustart des Kapitalismus». Die Wirtschaft müsse vor dem Hintergrund der Klima- und Covid-Krise sozial verantwortlicher ausgerichtet, die Nutzung fossiler Brennstoffe reduziert und der technologische Fortschritt stärker an ethische Prinzipien gebunden werden. Auf der WEF-Seite heisst es zur Initiative des Süddeutschen: «Die Welt muss gemeinsam und schnell handeln, um alle Aspekte unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften umzugestalten – ob Bildung, Gesellschaftsverträge oder Arbeitsbedingungen».

«Sie verschleiern ihre Pläne nicht einmal»

In den sozialen Medien wird diese Botschaft anders übersetzt. Hier steht Klaus Schwab für «Doctor Evil» und «The Great Reset» für den Plan einer kleinen Elite, die unter dem Vorwand der Corona-Pandemie und auf Kosten der Freiheit der Bevölkerung die Neugestaltung der Welt zu ihren Gunsten anstrebt.

Dabei geht das Narrativ über die sozialen Plattformen hinaus. So schrieb am Montag die britische «The Conservative Woman», die sich als konservatives Alternativmedium versteht: «The Great Reset ist der schon weit fortgeschrittene Plan des Weltwirtschaftsforums – zusammen mit der UNO, verschiedenen Staatsführern und einflussreichen Persönlichkeiten – die Welt im Interesse einer Technokraten-Elite neu zu gestalten. Sie verschleiern ihre Pläne nicht einmal.»

Ähnlich klingen etwa die ultrakonservative Fox-News-Moderatorin Laura Ingraham, die ihr Millionenpublikum längst vor dem so genannten Geheimplan der «antidemokratischen Kräfte» warnt, aber auch einige Vertreter aus Kirchenkreisen wie der katholische Erzbischof Carlo Maria Viganò. Dieser befürchtet, dass Impfverweigerer in Internierungslagern enden werden, nachdem sie ihren Besitz abgeben müssen. Auch die rechtsextreme Szene mischt gerne mit, zumal für sie in jeder Elite «die Juden» sitzen.

Neue Weltordnung

Neu ist die Erzählung einer neuen Weltordnung, die von bösen Mächten durchgesetzt ist, nicht. Auch nicht in der Schweiz, wie ein langer Beitrag von 2015 zeigt, der noch immer auf der Seite des Vimentis-Vereins nachzulesen ist. Er beginnt folgendermassen: «Das Pa­pier (über die neue Weltordnung, Anm. d. Red.) stammt aus den USA. Mir ging es über einen Freund von einem Schwei­zer Po­li­ti­ker zu. Seine Quelle ist un­be­kannt. Der (es wei­ter­rei­chen­de) ame­ri­ka­ni­sche Gewährsmann S. nimmt an, es stamme aus Führungskreisen der viel zi­tier­ten sog. ‹Neuen Weltordnung›, der ‹One World Order› (die Ge­orge Bush Sen. das erste Mal zum Ende sei­ner Amts­zeit ca. fünfmal in öffentlichen Reden erwähnt hat).

Davon abgesehen, dass der Begriff «One World Order» vor dem Hintergrund des Endes des Kalten Krieges verstanden werden muss, umfasst der jahrealte Post alle Ingredienzien einer Verschwörungstheorie: Ein «sie gegen uns»-Muster und viele mysteriöse Quellen, die auf geheimnisvolle Weise aus dem Zentrum der Macht an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Das Misstrauen wirkt einend

Letztlich ist es die Corona-Epidemie und nicht Klaus Schwab mit seiner «WEF-Elite», die mit ihrem «Great Reset» dieser Verschwörungstheorie frischen Auftrieb gab. Dabei vermischen sich Experten zufolge antidemokratisches, antisemitisches und esoterisches Gedankengut sowie Verschwörungsmythen zunehmend.

Dies ist möglich, weil das gemeinsame Unbehagen in der Krise ebenso vereint wie der gemeinsame Feind, also die Politik und Medien. «Krisenzeiten sind Hochphasen für Verschwörungstheoretiker und neue Propheten», sagt Sektenexperte Matthias Pöhlmann dem Bayerischen Rundfunk. Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder hilflos zu sein, begünstige solche Vorstellungen. «Was die Anhänger verschiedener Vorstellungen eint, ist das Misstrauen und der Generalverdacht gegenüber grösseren Institutionen und die Überzeugung, dass man die Feinde identifiziert habe».

Schwab hält dagegen

Dass das diesjährige Forumsmotto und sein Buchtitel «The Great Reset» als dämonischer Plan einer machthungrigen Elite ausgelegt wird, um die Massen zu knechten, ist WEF-Gründer Klaus Schwab bewusst. Er hält dagegen: Der Begriff «Reset» werde böswillig ausgelegt als eine gewollte totale Umgestaltung der Gesellschaft.

Aber, so Schwab im «Spiegel»: «Jeder, der mein Buch liest, sieht, dass es eine Analyse der Folge der Pandemie ist, die grundsätzliche Trends aufzeigt, und nicht ein Rezeptbuch für einen totalen Überwachungsstaat oder ein marxistisches System.»

(gux)

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