Absturz der Ju-52: «Die Angehörigen erhalten keine riesigen Summen»
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Absturz der Ju-52«Die Angehörigen erhalten keine riesigen Summen»

Nach dem Absturz eines Ju-52-Flugzeugs in Flims trauern die Angehörigen und die Fliegergemeinde. Die Entschädigung dürfte den Schmerz nicht lindern.

von
ehs
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«Flims wurde zu einer Helikopter-Basis»: Ein Leser-Reporter beobachtet den Bergungsseinsatz. (5. August 2018)

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Leser-Reporter
Die Bergungsarbeiten der verunglückten Maschine laufen.

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Leser-Reporter
Die Kantonspoliizei Graubünden veröffentlicht Bilder ...

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Kapo Graubünden

Nach dem Absturz der Ju-52 in Graubünden am Samstag, bei dem 20 Menschen ihr Leben verloren, trauert die Fliegergemeinde. Viele haben ihr Profilfoto mit einem schwarzen Band versehen – auch Marianna Stucki. Sie ist Mitglied eines Care-Teams, das Angehörige und Betroffene betreut, wenn es zu Zwischenfällen kommt, die Unterstützung nötig machen. Sie kennt Piloten und Crew-Mitglieder der Ju-Air persönlich. «Ein solcher Unfall schockiert alle aus der Branche», sagt Stucki.

«Ich setze mich jeden Tag ins Auto und könnte getötet werden. Aber ein Flugzeugabsturz ist etwas ganz anderes – vor allem, wenn so viele Menschen aufs Mal ihr Leben verlieren.» Stucki hat traurige Erfahrung: Sie hat im September 1998 Angehörige betreut, als eine Maschine der Swissair im kanadischen Halifax ins Meer stürzte. Damals verloren 256 Menschen ihr Leben. «Das brennt sich ein. Die Aviatik-Familie hält in solchen Momenten zusammen», sagt Stucki.

Geschäft mit dem Absturz

Andere wittern hingegen ein Geschäft. Ein Anwalt twitterte am Sonntagabend, dass im Fall eines Absturzes die Airline für Schäden hafte, und verlinkte dabei auf seine Kanzlei. Nutzer empörten sich über das Ambulance Chasing, wie die Jagd von Anwälten nach Aufträgen Hinterbliebener in den USA genannt wird. Mittlerweile hat der Anwalt den Tweet gelöscht.

Zwar sieht das Gesetz tatsächlich Entschädigungen für Hinterbliebene vor. Hauptsächlich werden diese aber nicht von der Airline bezahlt. «In erster Linie kommt die Versicherung für Schäden auf und entschädigt die Hinterbliebenen», sagt Rechtsanwalt und Privatpilot Martin Steiger. Für gewerbsmässige Passagierflüge gebe es hierzulande ein Versicherungsobligatorium.

«Die Summen sind nicht riesig»

«Die Summe, die an Hinterbliebene ausbezahlt wird, wird je nach der individuellen Schadenssituation berechnet», sagt Steiger. «Grundsätzlich handelt es sich in der Schweiz nicht um riesige Summen, wie man sie bei Amerikanern kennt.» Am höchsten sei häufig der sogenannte «Versorgerschaden» – wenn also eine Person verunglücke, die Kinder, Partner oder andere Personen unterstützt habe. Die Berechnung der Versicherungsleistung könne eine komplexe Angelegenheit sein.

Festgehalten ist die Rechtslage in der Verordnung über den Lufttransport. «Der Luftfrachtführer haftet für Tod und Körperverletzung der Reisenden im Falle eines Unfalles an Bord des Luftfahrzeugs», heisst es dort. Die Versicherungspflicht ist in Artikel 71 des Luftfahrtgesetzes niedergeschrieben. Die Versicherung muss demnach die Schäden decken, die die Piloten in Ausübung ihrer Tätigkeit Drittpersonen zufügen. Geschädigte müssen nur nachweisen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Flugzeug und dem Schaden besteht, um Leistungen geltend zu machen.

Auf finanziellem Weg dürfte der Schmerz der Angehörigen sowieso kaum zu lindern sein. «Wir hatten noch keine Zeit, uns um finanzielle Fragen zu kümmern», sagte auch der Berater von Ju-Air-Gründer Kurt Waldmeier am Sonntag zu 20 Minuten. «Geld ist jetzt nicht das Wichtigste.»

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