Eskalation auf Schalke  - «Die Angst in seinen Augen werde ich nicht vergessen»
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Eskalation auf Schalke «Die Angst in seinen Augen werde ich nicht vergessen»

Nach der Attacke auf die Spieler von Schalke 04 nach dem Abstieg äussert sich nun auch Teammanager Gerald Asamoah. Mit einer Ermittlungskommission will die Polizei die Ereignisse untersuchen.

von
Sven Forster

Schalke-Fans jagten die Spieler.

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Darum gehts

  • Schalke 04 spielt in der kommenden Saison in der zweiten Bundesliga.

  • Die Spieler wurden nach dem Abstieg von Fans attackiert.

  • Nun hat sich der Teammanager Gerald Asamoah zu Wort gemeldet.

Der Abstieg des FC Schalke war durch ein 0:1 bei Arminia Bielefeld am Dienstagabend besiegelt worden. Die Mannschaft erreichte gegen 1.30 Uhr die heimische Arena, von wo die Spieler jeweils die Heimfahrt antreten sollten. Laut Polizei wurde das Team von 500 bis 600 Anhängern empfangen und zum Teil mit «massiven Aggressionen» konfrontiert. Es flogen Eier, Spieler flohen und es soll zu Tritten gegen Profis gekommen sein.

Am Donnerstag hat sich Teammanager Gerald Asamoah zu Wort gemeldet. «Ich selber bin nicht geschlagen worden», schilderte Asamoah seine Erlebnisse. Der ehemalige Nationalspieler ergänzte jedoch: «Ich habe verschiedene Bilder im Kopf. Ein Mitarbeiter lag auf dem Boden und wurde getreten.» Ausserdem sprach er über den schockierten Co-Trainer Mike Büskens: «Bujos Angst in den Augen werde ich nicht vergessen», so Asamoah.

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Gerald Asamoah hat sich zu den Ausschreitungen der Fans zu Wort gemeldet. 

Gerald Asamoah hat sich zu den Ausschreitungen der Fans zu Wort gemeldet.

Getty Images
Der Ur-Schalker zeigt sich geschockt über die Vorkommnisse vom Dienstag. 

Der Ur-Schalker zeigt sich geschockt über die Vorkommnisse vom Dienstag.

Tom Weller/dpa
Auch Sportvorstand Peter Knäbel verurteilt die Ausschreitungen. Die Gelsenkirchener Polizei will mit einer Ermittlungskommission die Ereignisse in der Abstiegsnacht des Fussball-Bundesligisten FC Schalke 04 untersuchen.

Auch Sportvorstand Peter Knäbel verurteilt die Ausschreitungen. Die Gelsenkirchener Polizei will mit einer Ermittlungskommission die Ereignisse in der Abstiegsnacht des Fussball-Bundesligisten FC Schalke 04 untersuchen.

Federico Gambarini/dpa POOL/dpa

Auch Sportvorstand und SRF-Experte Peter Knäbel äusserte sich. Bereits am Mittwoch hatte er zwar grundsätzlich Verständnis für Kritik an der Mannschaft gezeigt, die nach teils desolaten Leistungen abgeschlagener Tabellenletzter ist. Er betonte aber, dass es auch desaströs sei, «wenn man sich um Leib und Leben seiner Mitarbeiter sorgen muss».

Polizei bildet Ermittlungskommission

Ein anonymer Spieler äusserte sich bereits am Mittwoch zu den Zuständen. «Uns wurde laut und deutlich mitgeteilt, dass wir uns schämen sollen und sich alle Spieler ab sofort verpissen sollen, die im nächsten Jahr nicht mehr hier sein werden. Passiert das nicht, würde uns das Leben richtig zur Hölle gemacht.» Doch das war nur der Anfang: «Anschliessend wurden wir mit Eiern beworfen. Danach ist ein Böller hochgegangen und die Situation eskalierte völlig. Die Fans sind auf uns losgegangen. Wir sind ab dann nur noch gerannt. Das war Angst, pure Angst! Ich bin nur noch gerannt. Einige von uns haben Tritte und Schläge abbekommen. Ich bin schockiert und weiss nicht, wie wir die nächsten Spiele noch bestreiten sollen.»

Die Gelsenkirchener Polizei will mit einer Ermittlungskommission die Ereignisse in der Abstiegsnacht des Fussball-Bundesligisten FC Schalke 04 untersuchen. «Es geht darum, die Vorfälle lückenlos aufzuklären», sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Strafanzeigen von möglichen Opfern seien bislang nicht eingegangen.

Spieler vor dem eigenen Haus abgepasst

Die Polizei war bei dem Zusammentreffen von Fans und Mannschaft zunächst nicht dabei. Die Beamten hätten das angeboten, aber der Verein habe sich dagegen entschieden, so der Sprecher. Es sollte zu einer Aussprache mit den frustrierten Fans kommen. Die Polizisten griffen einige Minuten später ein und verhinderten laut eigenen Angaben so eine weitere Eskalation. Danach habe sich die Situation rasch aufgelöst.

Weitere Details nannte der Polizeisprecher am Donnerstag nicht. «Wir sind dabei, alles zusammenzutragen», sagte er. Laut Medien-Berichten wurde ein Spieler später bei der Heimfahrt im Auto verfolgt. Vor seiner Wohnung sollen Anhänger auf ihn gewartet haben. Er soll dann anderswo übernachtet haben, berichtete Sport1. Ausserdem wurde laut «Bild»-Zeitung das Auto eines weiteren Profis demoliert. Auch habe es Faustschläge gegeben und Flaschen seien geflogen. Einige Spieler hätten im Hotel übernachtet, berichtete die «WAZ».

Wann der Trainingsbetrieb weitergeht ist noch unklar. Die ersten beiden Trainingseinheiten nach der Pleite in Bielefeld wurden abgesagt. Peter Knäbel: «Ich habe gestern allen eine Nachricht geschrieben, dass wir helfen, falls Hilfe gewünscht wird. Ich glaube der emotionale Schaden ist grösser als die blauen Flecken und anderen Verletzungen.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Online- und Einzelchatberatung für Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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