Aktualisiert 02.10.2012 10:14

Karten im Netz

Die Appenzeller zeigen Google den Meister

Kartenkönigin Google Maps gilt zwar als Referenz, ist aber keinesfalls die einzige oder beste Kartenlösung. Dies stellen gleich mehrere Schweizer Anbieter unter Beweis.

von
dsc
Als erster Schweizer Kanton zeigt sich Appenzell Ausserrhoden vollständig dreidimensional im Netz.

Als erster Schweizer Kanton zeigt sich Appenzell Ausserrhoden vollständig dreidimensional im Netz.

Landkarten wurden bereits vor Jahrhunderten in Tontafeln und Knochen geritzt, dann in Kupferdruckplatten gestochen und heute werden sie in Millionenauflagen gedruckt. Allerdings verdrängen PCs, Tablets, Navigationsgeräte und Smartphones zunehmend das Papier.

Dass auch digitale Karten eine Kunst sind, musste Apple schmerzhaft erfahren, als der US-Konzern auf seinen iPhones und iPads die bewährte Lösung von Google durch eigene Karten ersetzte (20 Minuten Online berichtete).

Hunderttausende Helfer

Apples Probleme zeigen aber auch, dass hinter den ausgereiften Kartenwerken des Konkurrenten Google die Arbeit von Hunderttausenden Helfern steckt. Dazu gehören nicht nur die Entwickler, von denen übrigens ein wichtiger Teil in Zürich arbeitet, sondern auch Nutzer.

Diese ergänzen die Karten von Google Maps mit zusätzlichen Daten wie Adressen, Fotos, Empfehlungen und anderen Tipps. Verkehrsbetriebe und Bewegungsdaten der Nutzer fliessen ebenfalls ein. Dadurch findet man nicht nur die schnellste staufreie Autoroute, sondern auch die beste Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Besser als Google

Für viele Anwendungen ist aber Google nicht die beste Lösung. Beispielsweise finden sich bei bing.com/maps von vielen Regionen Luftaufnahmen, bei denen man ein Gebäude von vier unterschiedlichsten Himmelsrichtungen betrachten kann.

Auch map.search.ch übertrifft Google mit teils aktuelleren Luftaufnahmen, präziseren Adressangaben oder einfach umfangreicheren Zusatzinformationen. So werden dort Parkhäuser nicht nur angezeigt, sondern man sieht auch sofort, wo noch freie Plätze verfügbar sind.

Autofahrer schätzen die Karten von map.tomtom.com besonders. Diese werden vom gleichnamigen Hersteller von Navigationsgeräten gepflegt und enthalten nicht nur aktuelle Stauinformationen, sondern berechnen Fahrzeiten auch unter Berücksichtigung des zu erwartenden Verkehrsaufkommens.

Unübertreffliche Swisstopo

In der Präzision unübertroffen sind die Karten, welche unter map.geo.admin.ch kostenlos angeboten werden. Hier bürgt die Schweizerische Eidgenossenschaft, beziehungsweise das Bundesamt für Landestopografie, für Präzision. Die Karten können in gewohntem Papier-Design auf dem PC oder auf Mobilgeräten erforscht und ausgedruckt werden.

Bevorzugt man die Vogelschau, lässt sich die grafische Karte stufenlos in eine Luftaufnahme überblenden. Die Webseite ist ein riesiger Informationsschatz. Klickt man beispielsweise rechts im Register «Infrastruktur und Kommunikation, Verkehrsnetze» auf den Eintrag Wanderwege, werden auch diese in die Karte eingeblendet. Zusätzlich kann man Karten mit Zeichnungen ergänzen, vermessen und Kartenausschnitte per E-Mail versenden.

Noch eine Stufe weiter gehen die Geoinformationssysteme von Kantonen und Gemeinden. Auf www.geoinfo.ch sind unter dem Eintrag «Online-Geoportale» die Karten von Gemeinden aufgelistet. Dort lässt sich für ein Haus anzeigen, ob die Dachneigung für Solarenergie geeignet ist oder an welchen Wochentag die Abfallentsorgung stattfindet.

Ein Kanton in 3D

Ein optischer Leckerbissen ist das 3D-Geoportal des Kantons Appenzell-Ausserrhoden, wo man vogelgleich um einzelne Häuser «herumfliegen» kann. Als erster Kanton zeigen sich die Ostschweizer vollständig dreidimensional im Netz, heisst es stolz auf der Projekt-Website. Die Daten seien kantonales Eigentum und urheberrechtlich geschützt - das Ausprobieren kostet nichts, allerdings ist das Java-Plugin erforderlich.

Will man lieber staunen, wie die Schweiz im 16. Jahrhundert gesehen wurde, empfehlen sich historische Karten. Eine kleine Sammlung solcher Kunstwerke findet sich bei www.zumbo.ch/maps. Wer stattdessen Karten erleben will, dem sei ein Besuch bei schweizmobil.ch empfohlen. Gegen eine Jahresgebühr von 30 Franken darf man sich einfach am PC aus tausenden Wander-, Velo- und Skaterouten seine persönliche Strecke zusammenklicken.

Als Resultat erhält man nicht nur eine druckbare Karte, sondern auch Höhenprofil und Zeitschätzungen für die Tour. Eine kostenlose, aber weniger komfortable Alternative findet sich bei gps-tracks.com. (dsc/sda)

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