Auch in der Schweiz: Die Arbeitslosenzahlen werden geschönt
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Auch in der SchweizDie Arbeitslosenzahlen werden geschönt

Deutschland will mit einem neuen Gesetz die Arbeitslosenquote frisieren – es werden ganz einfach nicht mehr alle mitgezählt. Das ist nicht ungewöhnlich: Die Arbeitslosenzahlen werden überall beschönigt. Auch die Schweiz rechnet nicht alle Leute ohne Job in die Quote ein.

von
Dajan Roman

2009 ist Wahljahr in Deutschland und offenbar will die Regierung mit guten Zahlen in den Wahlkampf gehen. Laut «Financial Times Deutschland» ist gemäss einem neuen Gesetzesentwurf vorgesehen, alle Arbeitslosen, die durch private Vermittler betreut werden, nicht mehr als arbeitslos zu zählen. Die private Vermittlung und Beratung kommt zum Zug, wenn die staatlichen Institutionen überlastet sind.

Auch die Schweiz frisiert

Diese «Auslagerung» von Arbeitslosen an private Vermittler gibt es in der Schweiz (noch) nicht. Doch auch hierzulande werden nicht alle Leute, die auf Stellensuche sind, in die Arbeitslosenquote eingerechnet.

Ende Oktober betrug in der Schweiz die Arbeitslosenquote 2,5 Prozent. Dieser Wert bezieht sich auf die 100 471 bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschriebenen Arbeitslosen. Total waren aber Ende Oktober 151 390 Leute als Stellensuchende registriert – was eine Quote von rund 3,8 Prozent ergäbe. Dieser Unterschied von über 50 000 Menschen erklärt sich wie folgt: Zu den Stellensuchenden werden auch so genannte nicht-arbeitslosen Stellensuchende gezählt, wozu vor allem Menschen in einem Zwischenverdienst und einer länger andauernden arbeitsmarktlichen Massnahme, wie z. B. Kurse oder Einsatzprogramme, gehören. Obwohl diese beim RAV registriert sind und eine Arbeitslosenentschädigung kassieren, sind sie in der Arbeitslosenquote nicht erfasst.

Doch genauer: Ein Zwischenverdienst ist ein Job, den man während der Arbeitslosigkeit angenommen hat und bei dem man ein Einkommen erzielt, das kleiner als die Arbeitslosenentschädigung (ALE) ist. Die Arbeitslosenkasse bezahlt die Differenz zwischen «normalem» Lohn und Zwischenverdienst. Ein Zwischenverdienst ist also nur eine Art Überbrückungsjob – in Bezug auf «eine angemessene Dauerstelle» ist man weiterhin arbeitslos.

Dasselbe gilt für Beschäftigte im Einsatzprogramm. Diese sind beim RAV gemeldet, suchen eine Stelle und erhalten ALE. Weil sie im Moment aber in einem Einsatzprogramm sind, werden sie in der Arbeitslosenquote nicht erfasst. Ziel eines Einsatzprogrammes ist es, die Wiedereingliederung in das Berufsleben zu erleichtern.

Mit diesem Kunstgriff senkt die Schweiz die Arbeitslosenquote beträchtlich – wie die meisten anderen Länder im Übrigen auch.

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