Zuwanderung: «Die Arbeitsmigration wird eher noch zunehmen»

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Zuwanderung«Die Arbeitsmigration wird eher noch zunehmen»

Die Schweiz wird dieses Jahr um eine knappe Viertelmillion Menschen wachsen. Migrations-Experte Benjamin Schraven rechnet damit, dass die Zuwanderung anhält. Das könne zu vermehrten Protesten führen, etwa wegen Energieknappheit oder Wohnungsnot.

von
Claudia Blumer
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Der Schweizer Arbeitsmarkt hat einen enormen Hunger nach Fachkräften. (Im Bild:  Pilatus-Werk in Stans)

Der Schweizer Arbeitsmarkt hat einen enormen Hunger nach Fachkräften. (Im Bild:  Pilatus-Werk in Stans)

20min/Simon Glauser
«Wirtschaft und Sozialsysteme brauchen Zuwanderung. Andererseits spüren wir heute schon die Schwierigkeiten», sagt Migrationsexperte Benjamin Schraven.

«Wirtschaft und Sozialsysteme brauchen Zuwanderung. Andererseits spüren wir heute schon die Schwierigkeiten», sagt Migrationsexperte Benjamin Schraven.

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Darum gehts

Die Zuwanderung in die Schweiz beträgt dieses Jahr eine knappe Viertelmillion Menschen. Gründe dafür sind zunehmende Flüchtlingsströme, aber auch Arbeitsmigration und der Ukraine-Krieg. Wird dieser Migrationsdruck anhalten?

Die Zuwanderung aus der Ukraine wird in gewissem Umfang wohl anhalten. Zwar ist unklar, wann es zu einer Beruhigung der Kriegssituation kommt, doch selbst wenn sich die Situation in der Ukraine beruhigt, wird das Land ein Stück weit davon leben müssen, dass Arbeitsmigranten im Ausland arbeiten und Geld nach Hause schicken. Damit wird die Arbeitsmigration eher noch zunehmen.

Warum nehmen die Asylgesuche zu?

Das hat verschiedene Ursachen. Es gibt immer eine Zunahme vor den Wintermonaten, allerdings ist es nun auch so, dass Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Albanien und Angehörige einiger Drittstaaten, zum Beispiel Tunesien, eine visafreie Einreise ermöglichen. Einige dieser Menschen reisen dann von dort aus in die EU ein und stellen einen Asylantrag.

Also wird die Arbeitsmigration zunehmen in Ländern wie Deutschland und der Schweiz. Mit welchen Auswirkungen?

Wirtschaft und Sozialsysteme brauchen Zuwanderung. Andererseits spüren wir heute schon die Schwierigkeiten. Etwa auf dem Wohnungsmarkt, wo es in Ballungsräumen schwierig ist, eine Wohnung zu finden, und der Wohnraum teuer ist und die Energiekosten steigen. Das wird sich noch verschärfen.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem ein Land das Bevölkerungswachstum nicht mehr stemmen kann?

Wenn man hört, dass in Deutschland jedes Jahr Hunderttausende Menschen zuwandern, dann würden viele sagen: Das geht doch gar nicht. Es geht aber dennoch, und das Land, ebenso die Schweiz, ist auf Arbeitskräfte angewiesen. Wir sehen aber heute schon, dass es zu Protesten kommt, weil die Kosten für Energie und Wohnraum steigen. Es gibt hier die Befürchtung, dass die Unruhe weiter steigt. 

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