Studie: Die Armee war bei den Jungen noch nie so beliebt
Aktualisiert

StudieDie Armee war bei den Jungen noch nie so beliebt

Die Schweizer Armee geniesst bei den Jungen Rekordsympathien. Das liege an der kriselnden Weltlage und dem neu entdeckten Prestige, sagen Experten.

von
P. Michel
Wegen globaler Krisen suchen die Jungen Halt in der Armee.

Wegen globaler Krisen suchen die Jungen Halt in der Armee.

Noch nie sprachen sich so viele der 20- bis 29-Jährigen für die Armee aus: Laut der Studie «Sicherheit 2015» des Center for Security Studies der ETH Zürich sehen 70 Prozent der Jungen das Militär als notwendig an – diese Zahl markiert einen neuen Höchststand in den letzten dreissig Jahren.

Studienautor und Militärsoziologe Tibor Szvircsev Tresch führt die Armee-Begeisterung auf die «düstere und angespannte Weltlage» zurück. Vor allem der Terror durch den Islamischen Staat in Syrien und im Irak hätten auch in der Schweiz für Verunsicherung gesorgt.

Da die heutigen Konflikte stark in den sozialen Netzwerken präsent seien, würden junge Menschen besonders für die angespannte Weltlage sensibilisiert, so Szvircsev Tresch, «weil sie die Kriege auf Twitter oder Facebook hautnah miterleben».

Krieg in Europa ist nicht ausgeschlossen

Und auch die geografische Nähe spiele eine Rolle: «Während langanhaltende Krisen wie etwa der Nahost-Konflikt zu einer Abstumpfung führen, eröffnete der Krieg in der Ukraine, vor der Haustür Europas, eine neue Dimension der Betroffenheit.» Szvircsev Tresch untermauert diese Vermutung mit Zahlen aus der Studie: Drei von vier Befragten glauben, dass die Schweiz eine einsatzbereite Armee brauche, weil ein Krieg in Europa nicht ausgeschlossen werden könne.

«Der Imagewandel der Armee in den letzten Jahren scheint sich langsam auszuwirken», erklärt der Basler Soziologe Ueli Mäder. Bei etlichen Jungen sei es wieder salonfähig geworden, in die Rekrutenschule einzurücken oder bis zum Offizier weiterzumachen. Auch Junge mit schulischen Schwierigkeiten versprächen sich von einem hohen militärischen Grad eine bessere berufliche Perspektive. «Dass die Armee bei den Unternehmen für die Kompetenzen ihrer Ausbildungen weibelt, scheint da und dort Wirkung zu zeigen.» Ebenfalls habe die Armee den Ruf einer autoritären Truppe teilweise ablegen können, was bei einigen Jungen gut ankomme. «Die Armee präsentiert sich gegen aussen zunehmend als weniger stur», sagt Mäder.

«Junge sind auf der Suche nach klaren Strukturen»

Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher, beobachtet bei den Jungen den Wunsch, der Konfusion der Welt zu entfliehen, indem sie Halt in den klaren Strukturen des Militärs suchen. «Sie hoffen durch einen Einsatz in der Armee in Zeiten der digitalen Überflutung auf die analoge Herausforderung.» Als Ja zu Krieg und Aufrüstung will Ganser die grosse Zustimmung zur Armee jedoch nicht verstanden wissen. «Wären Schweizer Truppen etwa in den Syrien-Konflikt involviert, würden die Werte sofort in den Keller rasseln.»

Dass die Armee derzeit bei den Jungen auf Rekordsympathien stösst, schlägt sich auch in der Frage nieder, ob die Schweiz durch eine Miliz- oder eine Berufsarmee geschützt werden soll. Früher stiess die Idee einer Berufsarmee auf eine hohe Zustimmung, jetzt zeichnet sich hier eine Trendwende ab: Die Zahl jener, die an der Dienstpflicht zwingend festhalten wollen, ist seit 2013 um 9 Prozent gestiegen.

Die Interpretation des Militärsoziologen Szvircsev Tresch: «Möglicherweise sagen sich jetzt in Krisenzeiten viele: Die Sicherheit geht uns alle etwas an, während früher das Motto galt: Lieber die anderen als ich.» Auch eine komplette Aufhebung der Wehrpflicht findet keine Unterstützung: 79 Prozent lehnen eine komplette Auflösung des Militärdienstes ab, vor zehn Jahren waren es noch 71 Prozent gewesen.

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