Pariser Anschläge: Die Attentäter wollten unbedingt ins Stadion
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Pariser AnschlägeDie Attentäter wollten unbedingt ins Stadion

Die Terroristen, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, versuchten dort mit allen Mitteln hineinzukommen. Ein Wachmann verhinderte dies.

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Die Selbstmordattentate beim Stade de France am 13. November hätten noch viel schlimmer enden können. Wie die belgische Zeitung «Le Soir» berichtet, sollen die Terroristen an jenem Abend bei mehreren Eingängen versucht haben, in das Fussballstadion der französischen Hauptstadt zu gelangen. Offenbar wollten sie «auf den Sitzreihen sterben».

Dass es nicht so weit kam, ist einem aufmerksamen Sicherheitsmann zu verdanken: Der Mann habe einen der Attentäter, Salah Abdeslam, erkannt und identifiziert. Abdeslam soll die Selbstmordattentäter zum Stade de France gebracht haben und stand zwischen 20.30 Uhr und 20.45 Uhr mit ihnen in der Reihe vor dem Eingang «N» des Stadions. Nachdem den Extremisten der Eingang ins Stadion verwehrt worden war, sprengten sie sich vor dessen Toren in die Luft. Abdeslam flüchtete.

Witwe «wäre so gern mit ihm in den Tod gegangen»

Am Donnerstag wurde Samy Amimour, ein weiterer Attentäter, auf dem Friedhof von La Courneuve beim Pariser Vorort Drancy, beigesetzt. Der 28-jährige Amimour war einer der drei Männer, die in der Pariser Konzerthalle Bataclan 90 Menschen töteten. Seine Eltern sorgten dafür, dass das Grab nicht identifiziert werden kann.

Amimours Witwe, eine 18-jährige Französin namens Kahina, soll laut «Le Figaro» drei Tage nach dem Anschlag einer Bekannten geschrieben haben, wie «stolz» sie auf die Tat ihres Gatten sei. «Du bist über die Anschläge schockiert? LOL. Das war mein Mann, der sich in die Luft sprengte. Oh, ich bin so glücklich», meinte Kahina.

Die 18-Jährige, die im Irak lebt, war über die Anschläge informiert. «Ich ermunterte meinen Mann, das französische Volk, welches so viel Blut an seinen Händen hat, zu terrorisieren», schrieb sie weiter. «Ich bin so neidisch auf ihn, ich wäre so gern mit ihm in den Tod gegangen.»

Liebe im Internet

Ihren Ehemann lernte Kahina 2013 im Internet kennen, als Amimour in Drancy als Busfahrer arbeitete. Schon damals stand der gebürtige Franzose im Visier der Behörden. Unter dem Verdacht, sich mit zwei Freunden den Extremisten im Jemen anschliessen zu wollen, war er bereits im Oktober 2012 vorübergehend festgenommen worden.

Samy Amimour entzog sich einer richterlichen Überwachung wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, indem er sich im Herbst 2013 nach Syrien absetzte. Die französische Justiz erliess einen internationalen Haftbefehl gegen ihn. Kahina brach ein Jahr später die Schule ab und folgte ihm.

Das Paar liess sich zunächst in Raqqa in Nordsyrien nieder, zog dann nach Mosul im Irak. Von dort aus meldete sich Kahina per E-Mail bei der Bekannten. Sie schrieb: «Ich habe eine Wohnung mit drei Zimmern und zwei Badezimmern. Wir zahlen weder Miete noch Strom oder Wasser. Es ist ein schönes Leben», erzählte sie.

Drohungen per Mail

In ihren Texten erkenne man, wie radikalisiert Kahina ist, schreibt «Le Parisien». Die 18-Jährige berichtete: «Als wir noch in Syrien wohnten, haben die Truppen von Baschar al-Assad bei uns in der Nähe angegriffen. Die Opfer, wie immer, Frauen und Kinder. Das ist schlicht und einfach ein Krieg gegen den Islam, nicht gegen den Terrorismus.»

Nach den Terroranschlägen vom 13. November soll Kahina ein Kind zur Welt gebracht haben. In ihren Mails wird die Gewaltverherrlichung immer bedrohender: «Das Leben ist nicht Frieden, Frieden, Frieden, Liebe und Küsse. Du tötest uns, ich töte dich. (...) Solange ihr weiter den Islam beleidigt, werdet ihr potenzielle Opfer sein, nicht nur Polizisten und Juden, sondern alle.»

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