Der ZSC lebt: Die Auferstehung von Herzog und Kenins
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Der ZSC lebtDie Auferstehung von Herzog und Kenins

In der Qualifikation waren sie oft ein Ärgernis. Doch im Playoff sind die beiden Stürmer plötzlich zum wichtigen Faktor für die ZSC Lions geworden.

von
Marcel Allemann
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Ronalds Kenins machte in der Qualifikation eine schwierige Phase durch, doch jetzt habe er wieder zu seinem Hockey gefunden, sagt der Lette mit Schweizer Lizenz.

Ronalds Kenins machte in der Qualifikation eine schwierige Phase durch, doch jetzt habe er wieder zu seinem Hockey gefunden, sagt der Lette mit Schweizer Lizenz.

Keystone/Melanie Duchene
Nur ein Törchen in der Qualifikation, doch im ersten Playoff-Heimspiel gegen den EVZ war Kenins der ZSC-Topskorer, da er bereits am Samstag in Zug getroffen hatte. Seit dieser Saison werden in den Playoffs bei dieser Rechnung die Zähler wieder auf null gestellt.

Nur ein Törchen in der Qualifikation, doch im ersten Playoff-Heimspiel gegen den EVZ war Kenins der ZSC-Topskorer, da er bereits am Samstag in Zug getroffen hatte. Seit dieser Saison werden in den Playoffs bei dieser Rechnung die Zähler wieder auf null gestellt.

Melanie Duchene
Grosser Jubel nach dem zweiten Tor gegen Zug: Fabrice Herzog scheint seine Baisse überwunden zu haben.

Grosser Jubel nach dem zweiten Tor gegen Zug: Fabrice Herzog scheint seine Baisse überwunden zu haben.

Keystone/Melanie Duchene

«Wir brauchen alle», sagte ZSC-Trainer Hans Kossmann unmittelbar vor dem Playoff-Start. Es hörte sich ein wenig wie eine branchenübliche Floskel an. Denn von «allen» lebten die Lions während der Qualifikation nicht, sonst hätten sie diese nicht auf dem enttäuschenden 7. Rang abgeschlossen. Doch im Playoff geschehen ab und an noch Wunder und so werden vermeintliche Floskeln plötzlich zu schillernden Aussagen.

Möglich gemacht haben dies für Kossmann seine Stürmer Fabrice Herzog und Ronalds Kenins. In der Regular Season war es mit ihnen zum Haareraufen. Zwischen den Erwartungen und der Realität klafften riesige Lücken.

Herzogs Qualifikation war ein schlechter Scherz

Gerade mal sieben Tore erzielte Herzog in der Qualifikation. Was für einen Mann seiner Klasse, der im letzten Mai in Paris mit seinem Doppelpack gegen Kanada noch ein Schweizer WM-Held war, wie ein schlechter Scherz anmutet. Noch schlechter ist die Ausbeute in der Regular Season von Kenins. Ein einziges Törchen brachte der lettische Nationalspieler und vormalige NHL-Flügel zustande. Dafür muss man dann schon das Wort «desolat» hervorkramen.

Doch nun ist plötzlich alles anders. Kenins hat nach zwei Playoff-Spielen schon zwei Tore auf dem Konto. Und Herzog glänzte beim 5:4-Sieg am Dienstag im Heimspiel zum 1:1-Ausgleich in der Viertelfinal-Serie gegen Zug als Doppeltorschütze. Zwei der grössten Sorgenkinder beim Sorgenteam haben plötzlich aus ihrem Tief gefunden und werden zum wichtigen Faktor, um den favorisierten EV Zug herauszufordern.

«Es ist Playoff, da geht es richtig los», sagt Herzog über seine Wiedergeburt. Er hält aber fest, dass sein Spiel nicht ausschliesslich daraus besteht, Tore zu schiessen, «sondern auch gut defensiv zu arbeiten und die Checks zu machen». Seine Leistungen in der Qualifikation bezeichnet der 23-jährige Thurgauer als «nicht so gut und sehr durchzogen. Da hätte ich schon mehr Konstanz reinbringen müssen.»

Kenins' zäher Weg zurück zum Ronnie-Hockey

Kenins hatte derweil ein grundsätzliches Problem, als er vor anderthalb Jahren aus Nordamerika zu den ZSC Lions zurückkehrte, sich wieder zurechtzufinden. «Ich musste wieder zu meinem Ronnie-Hockey zurückfinden. Es gab Phasen, da wusste ich überhaupt nicht mehr, wie ich spielen soll. Ich spielte mal so und mal so. Doch wie schaffte ich es in die NHL? Mit Ronnie-Hockey. Das ist mir jetzt bewusst geworden», so der 27-jährige Lette.

Trotzdem bleiben die Baissen der beiden Stürmer nicht ohne Folgen. Zumindest in einem Fall. Kenins verlässt die ZSC Lions zum Saisonende und wechselt auf die nächste Saison zu Lausanne. Herzog steht derweil noch bis 2019 bei den Zürchern unter Vertrag, man hörte in den letzten Wochen jedoch die Vögel von den Dächern zwitschern, dass der Verein eine vorzeitige Trennung anstrebe. Wenn Herzog in den Playoffs, dem letztendlich wichtigsten Part der Saison, so weiterspielt, dann könnte dies rasch einen Meinungsumschwung nach sich ziehen.

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