«Staatsverträge vors Volk»: Die Auns wirbt mit Deutschen
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«Staatsverträge vors Volk»Die Auns wirbt mit Deutschen

Die Auns ist nicht bekannt für Offenheit gegenüber dem Ausland. Nun ziert ausgerechnet eine Deutsche die Kampagne für die Auns-Staatsvertragsinitiative. Die Logik dahinter überzeugt nicht alle.

von
mdr

Die Deutschen sind in der Schweiz nicht unbedingt Sympathieträger. Insbesondere die politische Rechte nimmt sie gerne unter Beschuss. Erst im April sagte SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, es habe zu viele Deutsche in der Schweiz.

Nun versucht ausgerechnet die SVP-nahe Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) mit Deutschen zu punkten: Sie wirbt mit der Deutschland-Flagge und dem Slogan «Wir in Deutschland würden Ja stimmen» für ihre Staatsvertragsinitiative, die am 17. Juni zur Abstimmung kommt. Die Vorlage verlangt, dass völkerrechtliche Verträge dem Volk zur Abstimmung unterbreitet werden müssen.

«Länder mit weniger Demokratie»

Auch die SVP streut das Sujet bei ihren Sympathisanten. Warum die Schweizer Stimmbürger ausgerechnet bei der aktuellen Abstimmung auf die Deutschen hören sollen, erschliesst sich nicht sofort.

Dass die Logik hinter dem Plakat nicht unbedingt auf den ersten Blick einleuchtet, gibt Auns-Geschäftsführer Werner Gartenmann zu und erklärt: «Wir wollen die Schweizer daran erinnern, dass es in Europa Länder mit weniger Demokratie gibt.»

So sei der Drang nach Mitsprache aktuell in Griechenland oder Spanien spürbar, aber beispielsweise beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 auch in Deutschland. Entsprechend stellt sich nicht nur eine Deutsche hinter die Auns-Initiative, sondern auf anderen Plakat-Sujets auch ein Grieche, ein Spanier und gar ein Chinese. «Ich bin überzeugt, dass die Stimmbürger unsere Botschaft verstehen», sagt Gartenmann.

Die Auns bricht mit der Tradition

Diese Meinung teilt der Politik- und Kommunikationsberater Mark Balsiger nicht. «Diese Kampagne wird verpuffen», ist er überzeugt. Denn in der Werbung müsse beim ersten Hinsehen klar werden, worum es geht - was beim Auns-Plakat nicht der Fall sei.

«Ich bezweifle, dass Deutsche, Spanier, Griechen und Chinesen Lust hätten, über jeden Pipifax abzustimmen.» Auch dass ausgerechnet die Auns plötzlich mit sympathischen Ausländern wirbt, irritiert den Betrachter, wie Balsiger kritisiert. «Die Auns predigt seit Jahren die Abschottung und bricht nun plötzlich mit dieser Tradition.»

«Fertig lustig, wenn Brüssel befiehlt!»

Gartenmann betont, dass die Auns noch nie gegen die Deutschen polemisiert habe. «Wir brauchen Ausländer in der Schweiz», sagt er. Die Auns stelle den Mechanismus der Personenfreizügigkeit mit der EU als Ganzes in Frage. «Diese Kritik ist nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet.»

Diese Argumentation formuliert die Auns auf einem anderen Plakat, das drei Personen mit zugeklebten Mündern zeigt - unter dem Slogan «Fertig lustig, wenn Brüssel befiehlt!». Für diese Umsetzung gibts denn auch Lob von Balsiger: «Dieses Sujet ist ein Volltreffer.»

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