Saporischschja: «Die Auswirkungen könnten ähnlich wie in Tschernobyl sein»

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Saporischschja«Die Auswirkungen könnten ähnlich wie in Tschernobyl sein»

Das von Russen besetzte Atomkraftwerk im ukrainischen Saporischschja bereitet dem Chef der Internationalen Atomenergiebehörde grosse Sorgen. Ein Experte erklärt, was ein Supergau für die Schweiz bedeuten würde.

von
Marino Walser
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Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekundet grosse Sorge über das ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja. Die Lage sei komplett ausser Kontrolle. 

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bekundet grosse Sorge über das ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja. Die Lage sei komplett ausser Kontrolle. 

Reuters
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi veröffentlichte einen dringenden Aufruf an Russland und die Ukraine, Experten Zugang zum Atomkraftwerk zu ermöglichen, um einen nuklearen Zwischenfall zu verhindern.

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi veröffentlichte einen dringenden Aufruf an Russland und die Ukraine, Experten Zugang zum Atomkraftwerk zu ermöglichen, um einen nuklearen Zwischenfall zu verhindern.

AFP
Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz sagt: «Wir erachten einen Supergau in Saporischschja nicht als unmittelbar drohend, schliessen ihn aber auch nicht aus. Vor allem auch deshalb nicht, da nun die IAEA vor der Lage in Saporischschja gewarnt hat. Sie ist nicht bekannt dafür, alarmierend zu sein. Nun ist sie es aber. Das lässt aufhorchen.»

Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz sagt: «Wir erachten einen Supergau in Saporischschja nicht als unmittelbar drohend, schliessen ihn aber auch nicht aus. Vor allem auch deshalb nicht, da nun die IAEA vor der Lage in Saporischschja gewarnt hat. Sie ist nicht bekannt dafür, alarmierend zu sein. Nun ist sie es aber. Das lässt aufhorchen.»

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Darum gehts

  • Die Internationale Atomenergiebehörde bekundet grosse Sorge über das ukrainische Atomkraftwerk in Saporischschja.

  • Die Lage in Europas grösster Atomanlage sei «komplett ausser Kontrolle».

  • Florian Kasser, Atomexperte bei Greenpeace Schweiz erklärt, was im Ernstfall auf die Schweiz zukommen könnte.

Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist die Lage rund um das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk in Saporischschja sehr angespannt. Die Lage in Europas grösster Atomanlage sei «komplett ausser Kontrolle», erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi, der einen dringenden Aufruf an Russland und die Ukraine veröffentlichte, Experten Zugang zu ermöglichen, um einen nuklearen Zwischenfall zu verhindern.

Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace erklärt, welche Auswirkungen ein Supergau auf die Schweiz und ihre Bevölkerung hätte.

Wie gross ist die Möglichkeit, dass beim ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja ein ernstzunehmender Zwischenfall entsteht?

Natürlich ist das schwierig abzuschätzen. Wir erachten einen Supergau nicht als unmittelbar drohend, schliessen ihn aber auch nicht aus. Vor allem auch deshalb nicht, da nun die IAEA vor der Lage in Saporischschja gewarnt hat. Sie ist nicht bekannt dafür, alarmierend zu sein. Nun ist sie es aber. Das lässt aufhorchen.

Wie schlimm wäre ein solcher Supergau?

Es wäre natürlich eine absolute Katastrophe. Nicht zuletzt deshalb, weil in der Ukraine noch immer ein Krieg im Gange ist. Denn für den Fall, dass Radioaktivität aus dem Atomkraftwerk austritt, gibt es verschiedene Massnahmen, die die Auswirkungen lindern. Diese Linderung wird während des Krieges jedoch kaum stattfinden. Man muss auch bedenken, dass es das grösste AKW Europas ist.

Welche Auswirkungen hätte das auf die Schweiz und ihre Bevölkerung?

In erster Linie ist die Bevölkerung in der Umgebung rund um das Atomkraftwerk davon betroffen. Die Radioaktivität könnte jedoch bis nach Mitteleuropa kommen. In welchem Ausmass ist im Moment unmöglich zu sagen. Dass Radioaktivität bis nach Mitteleuropa überschwappt, ist jedoch nicht auszuschliessen. Der Wind spielt hierbei auch eine Rolle. Fraglich ist eben auch, wie gross die Konzentration der Radioaktivität in der Luft ist.

Wären auch unsere Lebensmittel davon betroffen?

Wir beziehen viele Lebensmittel aus dem Ausland. Diese könnten je nach dem schwerer von Radioaktivität betroffen sein. Aus der Erfahrung zeigt sich: Milchprodukte und alles, was an der freien Luft wächst, müsste genauer angeschaut werden. Gewisse Lebensmittel könnten nicht mehr zum Verzehr geeignet sein.

Wäre dieses Szenario mit Tschernobyl 1986 zu vergleichen?

Vergleiche sind immer schwierig. Die Anlage in der Ukraine ist eine völlige andere als die in Tschernobyl. Ein Atomunfall würde ganz anders verlaufen. Die Auswirkungen könnten aber die Ähnlichen sein.

Bereitet dir die aktuelle Situation rund um das Atomkraftwerk in der Ukraine Sorge?

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