«The Crazies»: Die Authentizität des Schreckens
Aktualisiert

«The Crazies»Die Authentizität des Schreckens

Die friedliche Idylle vom US-Städchen Ogden Marsh trügt. Bei dem wöchentlichen Baseballspiel der Highschool marschiert ein Mann, bewaffnet mit einer Schrotflinte, aufs Spielfeld ...

von
Anna Grillet

Wenig später zündet ein Familienvater sein Haus an, bringt Frau und Kinder um. Sheriff David Dutton (Timothy Olyphant) beginnt zu begreifen, dass zwischen den Vorfällen ein Zusammenhang besteht.

«The Crazies» von US-Regisseur Breck Eisner ist nicht nur ein perfekt inszenierter Horrorfilm, sondern auch ein beängstigender wie spannender Psycho-Thriller zum Thema Gewalteskalation.

Der Sheriff und sein Deputy Russel Clank (Joe Anderson) entdecken, dass ein grösseres Flugzeug in einen nahe gelegenen See abgestürzt ist, die Maschine wurde nie als vermisst gemeldet. Jäger finden in den Sümpfen die Leiche des Piloten, er trägt eine Armeeuniform.

Virus im Trinkwasser

Das Remake der 1973 gedrehten gleichnamigen Low-Budget-Produktion von George A. Romero schildert, wie die Einwohner durch das mit experimentellen Biowaffen verseuchte Trinkwasser mit einem Virus infiziert werden, der sie zu Killern macht.

Romero ist dieses Mal ausführender Produzent. Sein Film damals hatte deutliche Bezüge zum Vietnamkrieg. In enger Zusammenarbeit mit Regisseur Eisner (»Sahara») schrieben die Autoren Scott Kosar und Ray Wright die neue Drehbuchversion.

Die Ereignisse werden im Gegensatz zur Vorlage aus den 1970ern nur aus der Perspektive der beiden Protagonisten, des Sheriffs und seiner schwangeren Ehefrau Judy (Rhada Mitchell), erzählt, was die Identifikation des Zuschauers mit den Betroffenen verstärkt.

Der Virus wirkt bei jedem Menschen anders. Hass, Wut, Gewaltbereitschaft manifestieren sich in den verschiedensten Formen. Das macht «The Crazies» so realistisch - und die einst braven, aber jetzt blutrünstigen Bürger so unberechenbar.

Die Seuche greift weiter ums sich. Keiner weiss, wer infiziert ist oder nicht, jeder misstraut dem Nächsten, aber auch sich selbst. Jedes unbedachte Wort, jede Geste bekommt eine unheilvolle Bedeutung. Das Militär greift ein, Panik breitet sich aus.

Schrecklich glaubwürdig

Fernsehen, Telefon, Radio: nichts funktioniert mehr, die Bevölkerung ist von der Aussenwelt abgeschlossen. In einem Grosseinsatz der Nationalgarde werden alle Bewohner ins örtliche Stadion getrieben. Die Menschen versuchen zu fliehen. Die ersten Schüsse fallen. Die Strassen brennen.

Diese Szenen gehören zu den erschütterndsten, weil sie so wenig an typischen Horrorthriller erinnern, sondern eher an Kriegseinsätze, blutige Aufstände, Amokläufe und Katastrophen wie Hurrikan «Katrina». Was in dem kleinen Städtchen bis dahin nur Schlagzeile in der Zeitung war, hier geschieht es und wird zum Endzeitszenario.

Auch David Duttons Frau Judy wird, obwohl sie nicht infiziert ist, abgeführt und in einem Quarantäne-Zeltlager festgehalten. Der Sheriff versucht alles um sie zu befreien.

Mehr als ein Thriller

Dem Regisseur ist ein atmosphärisch beeindruckendes Psychogramm von Wahnsinn und Gewalt gelungen, das mit den Elementen des Horrorthrillers arbeitet. Kameraführung (Maxime Alexandre) und schauspielerische Leistungen liegen weit über dem durchschnittlichen Niveau des Genres.

Für Zartbesaitete ist der Film nichts - gerade die Authentizität des Schreckens lässt die Spannung manchmal unerträglich werden, wenn auch jeder Angriff der Crazies ästhetisch durchgestylt ist.

Deutschschweizer Kinostart: 27. Mai.

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