«Time-out» mit Klaus Zaugg: Die Banalität des Guten
Aktualisiert

«Time-out» mit Klaus ZauggDie Banalität des Guten

Die Schweiz hat Kanada mit 4:2 besiegt - und es ist eine Selbstverständlichkeit. Nichts zeigt die Fortschritte unseres Eishockeys besser als die geringe öffentliche Beachtung dieses bemerkenswerten Erfolges über Kanada.

von
Klaus Zaugg

Eishockey-Siege gegen Kanada sorgten einst für Aufsehen wie Fussballtriumphe über Deutschland. Inzwischen sind Erfolge über das Mutterland des Eishockeys, sind Siege der Nationalmannschaft in Testspielen so häufig und so alltäglich, dass sie selbstverständlich geworden sind.

Nach dem 4:2 über Kanada meldete Radio DRS 3 - der dritte Kanal gilt als Sportsender - in den Mitternachts-Nachrichten nicht einmal mehr das Resultat. Aber zum 1:1 von Basel gegen Barcelona wurde sogar ein «Blabla-Gaga-Interview» mit Basels Trainer Christian Gross eingespielt. In der guten alten Zeit von Radio Beromünster wäre nach einem Eishockey-Sieg über Kanada noch die Nationalhymne gespielt worden. Aber inzwischen ist das Gute im Eishockey so banal geworden, dass unser Staatsradio es nicht einmal mehr für nötig befindet, einen Sieg über Kanada zu vermelden.

Spass beiseite: Nichts zeigt die Fortschritte unseres Eishockeys besser als die geringe öffentliche Beachtung dieses bemerkenswerten Erfolges über Kanada.

Schweizer schnell wieder im Rhythmus

Dabei sind solche Siege keineswegs gratis zu haben: Seit 2000 haben die Schweizer achtmal die Saison mit einem Länderspiel gegen Kanada begonnen - und das 4:2 in Rapperswil war erst der dritte Sieg im Saison-Startspiel gegen diesen Gegner.

Das defensive Wunderwerk des internationalen Eishockeys benötigte rund 25 Minuten bis es wieder reibungslos funktionierte. Da stand es 2:2 und im Schweizer Defensivspiel griff wieder ein Rädchen ins andere und deshalb war zu diesem Zeitpunkt klar: Dieses Spiel werden die Schweizer gewinnen.

Traumstart in die WM-Saison

Erstaunlich dabei: In der Mannschaft standen maximal zwölf Spieler, die auch bei der WM 2009 in Bern auflaufen werden. Und im Tor mit Ronnie Rüeger keiner unserer NHL-Helden (Gerber, Hiller, Stephan). Es war sozusagen eine «B-Nationalmannschaft». Und doch war der Sieg über Kanada so logisch wie Siege im Eishockey logisch sein können.

Dieses 4:2 über Kanada war der Traumstart in die WM-Saison 2009. Die Chancen, dass die Saison an der WM im Mai 2009 so endet wie es in Rapperswil begonnen hat, sind realistisch. Und wir können davon ausgehen, dass Siege an der WM vom Staatsradio nicht mehr geheim gehalten werden.

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