Aktualisiert 27.10.2009 17:20

Mobile BankingDie Bank im Sack ist noch Wunschdenken

Die Amis machen es, die Deutschen machen es, nur wir dürfen nicht. Mobile Banking steckt in der Schweiz noch in den Kinderschuhen. Die Nachfrage sei nicht da, sagen die Banken. Ein Online-Broker widerspricht: Fünf Prozent aller Transaktionen laufen bereits über die iPhone-App.

von
zac/scc

«Rund 65 000 Mal wurden im App Store die Sparkassen-Angebote S-Finanzstatus, S-Banking, S-Filialfinder herunter geladen», wirbt die deutsche Sparkasse in einer Pressemitteilung für ihr Mobile-Banking-Angebot. Die Sparkassen sind in Deutschland die ersten Finanzdienstleider, die ihren Kunden erlauben Bankgeschäfte wie Zahlungen und Überweisungen auf dem iPhone oder iPod zu tätigen. Auch in den USA bieten mehrere Banken ihren Applikationen über das Apple-Smartphone an. Bei Schweizer Banken sucht man derartige Angebot vergebens. Die Zürcher Kantonalbank erklärt in einer Mitteilung: «Mobile Banking bietet aus Sicht der ZKB nicht genügend Sicherheit und ist deshalb bei den ZKB Kundinnen und Kunden nicht gefragt». Schweizer Kunden sei die Sicherheit sehr wichtig.

«Es ist ein Datenschutzproblem»

Das Argument mit der Sicherheit vermag jedoch bei genauerem hinsehen nicht zu überzeugen. Ob jemand mit dem Laptop von unterwegs sein E-Banking betreibt oder mit dem Smartphone sollte keine Rolle spielen. Darauf antwortet die Bank: «Es ist ein Datenschutzproblem. Weil die Programme auf dem iPhone von Apple laufen, müsste die ZKB die Kundendaten an einen Dritten weitergeben.» Der Hauptgrund bleibe jedoch die fehlende Nachfrage, räumt Pressesprecher Thomas Pfenninger ein. "Falls die Nachfrage wider Erwarten steigen sollte, kann sich die Bank immer noch auf die neuen Kundenbedürfnisse einstellen. Bis jetzt ist aber nichts in Planung", sagt Pfenninger.

Steinzeit bei der UBS

Bei der Grossbank UBS spielt sich mobiles E-Banking noch auf die altmodische Art ab – via Telefon. Wer seine Bankgeschäfte unterwegs erledigen möchte, muss zum Hörer greifen und sich durch Sprachmenüs quälen. Finanzinformationen und Echtzeitkurse hingegen bietet die Bank über eine eigene WAP-Seite an. Eine iPhone Applikation sei jedoch nicht in Planung.

Währungs- , Aktienkurse, Goldpreis und dergleichen bietet die Credit Suisse ihren Kunden mobil an. Banking-Funktionen sucht man aber auch bei der zweiten Grossbank vergebens. «In der Schweiz haben wir das gesetzlich verankerte Bankkundengeheimnis. Der Credit Suisse ist die Sicherheit ein wichtiges Anliegen und Sicherheitsaspekte haben Priorität vor der Vielfalt von möglichen Kommunikationsmitteln», erklärt die CS gegenüber «finews.ch».

Swissquote-Kunden handeln über das iPhone

Der Online-Broker Swissquote beweist, dass es offenbar doch geht. Der Finanzdienstleister bietet seine Kunden eine iPhone App an. «Seit dem letzten Update kann man auch auf seine Konten zugreifen und Wertschriften damit handeln» erklärt Geschäftsleiter Marc Bürki. Sicherheitstechnisch sei die Kommunikation über eine iPhone Applikation auf dem gleichen Niveau wie über einen Browser. «Wichtig ist, dass das Programm so konzipiert ist, dass im Falle eines Verlustes des Telefons, nicht einfach auf die Daten zugegriffen werden kann», sagt Bürki. Wie überall im Internet sei Sicherheit eine Sache der Organisation.

Über fehlende Nachfrage kann sich Swissquote nicht beklagen: In der Finanzsparte von Apples Softwareshop, ist die Swissquote-Applikation mit rund 50 000 Downloads topp. «Mittlerweile laufen rund fünf Prozent aller Transaktionen über die iPhone App», sagt Bürki und ist überzeugt, dass dies der Kanal der Zukunft ist.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.