Aktualisiert 03.12.2008 15:21

Festgeldzinse im Keller

Die Banken wollen unser Geld nicht

Um mehr liquide Mittel zu erhalten, boten viele Geldinstitute noch im Oktober für Festgeldanlagen hohe Zinssätze bis zu 3 Prozent an. Nur zwei Monate später sind die Zinsen so tief wie schon lange nicht mehr. Wollen die Banken kein frisches Geld?

Die markant tieferen Festgeldzinsen lassen sich vor allem mit der starken Leitzinssenkung der Schweizer Nationalbank (SNB) erklären. Der Leitzins heisst nicht umsonst Leitzins: Wenn die SNB ihre Zinsen senkt oder erhöht, wirkt sich das auf alle Zinsen aus. Weil Festgeldanlagen kurzfristige Anlagen sind, ist eine Zinsveränderung sofort spürbar. Senkt die SNB die Zinsen, kommen die Finanzinstitute unter Zugzwang.

«Die Banken müssen darauf achten, dass sie nicht draufzahlen müssen», erklärt Rolf Biland von der VZ Vermögensverwaltung. Zur Erklärung: Die Haupteinnahmequelle einer Bank ist das Zinsdifferenzgeschäft – Geld günstig annehmen und teurer wieder ausleihen. Da die Banken sich aber jetzt gegenseitig Geld zu einem tieferen Zins ausleihen, würden sie Verluste erwirtschaften, wenn sie ihren Kunden auf deren Geld höhere Zinsen bezahlen müssten.

Als Beispiel: Im Oktober zahlte die Raiffeisen Bank für einen Monat respektive ein Jahr Festgeld einen Zins von 1,7 beziehungsweise 2,2 Prozent. In dieser Zeit lag der Leitzins bei 2,5 Prozent. Heute zahlt die Raiffeisen für die gleichen Produkte nur noch einen Zins von 0,125 respektive 0,250 Prozent. Derzeit liegt der Leitzins bei 1 Prozent.

Banken wissen nicht, was sie mit dem Geld machen sollen

Einige Banken bieten heute kurzfristige Geldanlagen mit 0 Prozent Verzinsung an – ein paar verzichten ganz auf das Angebot von Festgeldanlagen. Dafür gibt es gemäss Biland unterschiedliche Gründe: «Einerseits fürchten die Banken, dass die SNB den Leitzins bis Ende Jahr noch einmal senken könnte.» Andererseits gebe es jedoch auch Banken, welche zu viel Geld hätten und nicht wüssten, was sie damit anstellen sollten. «Die Banken müssen das Geld, welches sie von Kunden erhalten haben, anlegen. Da der Markt aber unsicher ist, tragen die Banken so ein hohes Risiko. Deshalb haben sicher einige Institute ihre Zinssätze gesenkt, um den Geldfluss zu verringern», sagt Biland.

Festgeldanlagen sind nicht jedermanns Sache

Bei den meisten Banken sind solche kurzfristigen Geldanlagen erst ab 100 000 Franken möglich. Dabei wird ein Zinssatz zum Zeitpunkt der Zeichnung festgelegt, der über die ganze Laufzeit so bleibt. Während dieser Zeit ist das Geld grundsätzlich nicht verfügbar, eine vorzeitige Ablösung ist nur mit hohen Strafzinsen möglich.

(scc/zac)

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