Zu verhalten: Die Barriere im Kopf des Asphalt-Cowboys
Aktualisiert

Zu verhaltenDie Barriere im Kopf des Asphalt-Cowboys

Dominique Aegerter wird auch beim GP von Italien den «Lüthi-Komplex» nicht los: Nur 14. Platz und 5. Startreihe.

von
Klaus Zaugg
Mugello

Dominique Aegerter (22) ist jünger als Tom Lüthi (26). Beide fahren die gleiche Maschine (Suter) in der gleichen Kategorie (Moto2). Und bei den Vorsaisontests und in den ersten Rennen zeichnete sich ab: Dominique Aegerter ist nun bereit, Tom Lüthi herauszufordern.

Tatsächlich steht Dominique Aegerter in der WM auf dem 3. Zwischenrang. Tom Lüthi steckt nach dem Testunfall vom 14. Februar in einem langwierigen Heilungsprozess. Die zwei ersten Rennen musste er auslassen und in der WM hat er auf Rang 20 bereits 42 Punkte Rückstand auf Aegerter.

Die Konstanz fehlt

Aber die Statistik sagt uns in diesem Falle nicht die ganze Wahrheit. So regelmässig Dominique Aegerter auch fährt (2013 drei 4. Plätze im Rennen), so schwer ist es für ihn auch diese Saison, den letzten Schritt ganz nach vorne und hinauf aufs Podest zu machen. Kritiker sagen, die Rückkehr von Tom Lüthi führe zu einer mentalen Blockade. Ungefähr so, wie wenn einer die ehelichen Pflichten erfüllen sollte wenn die Schwiegermutter im Schlafzimmer steht.

Tom Lüthi ist im Schweizer Töffrennsport eben noch immer eine charismatische «Überfigur». Dominique Aegerter sagt zwar gegenüber 20 Minuten Online etwas unwillig: «Nein, nein, das spielt überhaupt keine Rolle. Ich habe keinen Lüthi-Komplex.»

Lüthi hat Aegerter überflügelt

Aber so wie er es sagt während er sein isotonisches Getränk schlürft und so wie die Trainingsresultate seit der Rückkehr Lüthis sind, ist die Diagnose klar: Er leidet an einem hartnäckigen Lüthi-Komplex. Bei den zwei GP, die Lüthi nicht bestreiten konnte (Katar, Austin), fuhr ein selbstsicherer, bisweilen charismatischer Aegerter in den Abschlusstrainings zweimal auf Rang 5 (2. Startreihe). Bei den drei GP seit Lüthis Rückkehr sind es nur noch die Plätze 13 (Jerez), 13 (Le Mans) und jetzt 14. Tom Lüthi war im Abschlusstraining jedes Mal besser: 9. in Jerez, 8. in Le Mans und jetzt 12. in Mugello. Die Barriere im Kopf des Asphalt-Cowboys.

Kann Dominique Aegerter diese Barriere je überwinden? Das ist die grosse Frage, die uns in den nächsten zwei Jahren wohl permanent beschäftigen und vortrefflich unterhalten wird und uns manche Töff-Polemik bescheren dürfte.

Lüthis Routine

Keine Frage: Tom Lüthi ist talentierter. Er fährt näher am Limit. Deshalb hat er in 167 GP schon 27 Podestplätze (7 Siege) und einen WM-Titel herausgefahren. Aber deshalb stürzt er auch öfter. Dominique Aegerter geht weniger nahe ans Limit, stürzt fast nie, hat aber in 107 Rennen erst einen einzigen Podestplatz (3.) geholt. Lüthis Talent gegen Aegerters Regelmässigkeit.

Dominique Aegerter wird unter normalen Umständen 2013 die WM erstmals vor seinem grossen Rivalen Tom Lüthi beenden. Wenn er das denn tatsächlich vollbringt, könnte sich die «Lüthi-Bremse» in seinem Kopf ein wenig lösen. Aber den «Lüthi-Komplex» wird er wohl erst dann ganz überwunden, wenn er seinen ersten GP gewonnen hat.

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