Super League: Die Basler Meisternacht kann beginnen
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Super LeagueDie Basler Meisternacht kann beginnen

Der FC Basel gewinnt das letzte Spiel der Saison gegen den FC St. Gallen 1:0. Damit sind die Bebbi nun definitiv Schweizermeister. GC gewinnt gegen Lausanne 4:1.

Der FC Basel zelebrierte den 16. Meistertitel mit einem 1:0-Heimsieg im letzten Spiel gegen St. Gallen. Raúl Bobadilla schoss das entscheidende Tor schon in der 22. Minute, dann begann nach dem Abpfiff um 22.25 die lange Basler Meisternacht.

Das Spiel war kein richtiges. Die St. Galler waren brave Gäste und störten die Basler Meisterparty mit ihrem bescheidenen Auftritt in keiner Weise. Es waren 90 Minuten, die einzig dazu dienten, die über 34'000 Fans im Stadion aufzuwärmen für die Stunden danach. Für die Feier im Stadion und die lange Festnacht in der Basler Innenstadt, die wie immer, wenn die FCB-Gemeinde jubelt, auf dem Balkon über dem Barfüsserplatz endete.

Bobadilla trifft erstmals im FCB-Dress

Für einen allerdings war das Spiel mehr als nur ein statistisches Muster. Raúl Bobadilla schoss endlich, zum letztmöglichen Zeitpunkt in dieser Saison, doch noch sein erstes Tor für den FCB. Nach 22 Minuten schob der Argentinier einen Querpass von Serey Die ein. Viele weitere Torchancen gab es nicht mehr. Das Spiel war letztlich doch sehr harmlos. Gestört hat es am Ende im Fest-Tempel St.-Jakob-Park aber niemanden.

Der Torschütze des Tages, Raúl Bobadilla, stand diesmal in der Startformation, weil Trainer Murat Yakin einige Stammspieler zumindest zu Beginn auf die Ersatzbank setzte, darunter auch Sturmspitze und Captain Marco Streller. Der Topskorer der Mannschaft kam dann doch noch zum Einsatz, als ihn Yakin drei Minuten vor dem Ende auf den Platz schickte. Gerade noch rechtzeitig, damit Streller als (spielender) Captain die Meistertrophäe in Empfang nehmen konnte.

Streller vergisst Schienbeinschoner

Wie ernst sie die Angelegenheit in den letzten Minuten der Meisterschaft noch nahmen, verdeutlichte Strellers «Geständnis» nach dem Schlusspfiff. Er habe nochmals kurz in die Kabine zurück müssen, weil er dort die Schienbein-Schoner vergessen habe. Nach der Bierdusche durch die Mitspieler nahm Streller ein erste kurze Analyse vor. «Auch wenn es der vierte Titel in Serie ist, ist er doch sehr speziell. Da kommt keine Routine auf. Diesmal wurde uns nichts geschenkt. Wir haben uns diesen Titel sehr hart erarbeiten müssen.»

Pfiffe und Fluchwörter gegen Forte

Die Spieler von GC reagierten mit einem 4:1-Erfolg gegen Lausanne auf den Abgang ihres Trainers Uli Forte, ein Teil der Fans deckte den neuen YB-Coach mit Schmährufen und Pfiffen ein.

Mit Sympathiekundgebungen der Kurve hatte Forte nach seinem überraschenden Frontenwechsel natürlich nicht zu rechnen. Die Hardcore-Anhänger goutierten den frühen Absprung des GC-Trainers überhaupt nicht. Pfiffen folgten rasch einmal Schmährufe und erste Transparente mit deutlichen Botschaften: «Uli - charakterlose Lump» oder «Rüefts Geld?». Für den verärgerten Teil des Publikums spielten Fortes Verdienste nach der Unterschrift in Bern schlagartig keine Rolle mehr.

Salatic akzeptiert Kritik nicht

Einer akzeptierte die Verunglimpfung des seit über zehn Jahren erfolgreichsten GC-Trainers nicht: Vero Salatic riss das Spruchband auf der Jubel-Tour nach dem 1:0 eigenhändig vom Zaun der Wut-Fans. Dem Captain mochte mit dem Liebesentzug nichts anfangen und setzte couragiert ein Zeichen gegen den eigenen Anhang. Von seiner Aktion hielten die Protestierenden nun ihrerseits wenig und beleidigten Forte gleich mit den nächsten Parolen.

Zumindest bei den Spielern hinterliess das ausserplanmässig ungemütliche Vorprogramm (noch) keine Spuren. Der gleichentags bekannt gewordene Abgang ihres Trainers hielt sie nicht davon ab, die erfolgreiche Saison standesgemäss zu beschliessen: mit dem vierten Sieg in Serie. Steven Zuber (21.) und Shkelzen Gashi (60.) verwerteten zwei Penaltys souverän. Joker Ngamukol erhöhte in der 73. Minute nach einer Reihe von Waadtländer Fehlern auf 3:0. Den Schlusspunkt setzte Ben Khalifa mit seinem Kopfball zum 4:1.

Lausanne kann GC nicht die Stirn bieten

Der Tabellenvorletzte war im ersten Spiel nach dem gesicherten Ligaerhalt nicht mehr willens oder je nach Perspektive auch nicht fähig, den Hoppers den Abend zusätzlich zu erschweren. GC war an diesem verregneten und trostlosen Sommertag auf und neben dem Terrain zu hundert Prozent selber für die Unterhaltung zuständig. Am Ende drehte die Mannschaft im leeren Stadion eine Ehrenrunde mit der Cup-Trophäe - ohne Forte.

Und ausser Uli Forte, der bis zur offiziellen Vorstellung in Bern heute Sonntag schweigen wird, äusserte sich auch jeder zum letzten «Theaterstück» der Saison. Im Gegensatz zu einem Teil der übrigens nur 4400 Zuschauer - die enttäuschende Kulisse passte so gar nicht zum imposanten GC-Aufschwung der letzten Monate - verabschiedete die GC-Führungscrew um André Dosé den Coach mit Stil: «Er hat eine hervorragende Leistung vollbracht.»

In 28 Minuten vom 3:1 zum 3:4

Der grosse FC Servette vermochte sich nicht mit einem Sieg aus der Super League zu verabschieden. Die Genfer führten gegen Luzern bis zur 62. Minute mit 3:1, verloren die Partie aber noch mit 3:4.

Daniel Gygax (62.), Pajtim Kasami (66.) und Haxhi Neziraj (90.) erzielten im Finish die Tore für die Innerschweizer. Das Siegtor fiel vier Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit. Neziraj, der nach 63 Minuten eingewechselt worden war, schob aus halb-linker Position den Ball am Genfer Goalie Barroca vorbei. Luzern wurde so übermässig belohnt für eine Leistung, die eine Stunde lang äusserst bescheiden ausgefallen war. Servette gestaltete die Partie bis zum zweiten Gegentor überlegen, obwohl die Genfer seit der 21. Minute und einem Notbremsefoul von Innenverteidiger Christopher Routis (Rote Karte) in Unterzahl spielten. Am Ende ging den Genfern in der Kehrauspartie vor bloss 2379 Zuschauern, darunter 150 Unentwegte aus der Innerschweiz, die Kraft aus. Und Luzern wehrte sich mit Erfolg gegen die Schmach, nach dem 0:3 vom letzten Wochenende in Lausanne ein zweites Mal in der Romandie zu verlieren.

Ein Sittener Sieg ohne Wert

Zum Abschluss der Saison kam der FC Sion gegen den FC Zürich nach fünf Niederlagen in Folge doch noch zu einem Erfolgserlebnis.

Das 4:2 änderte aber nichts an der bitteren Tatsache: Der FC Sion spielt nächste Saison nicht europäisch.

Sittener Tor-Flaute beendet

520 Minuten lang hatten die Sittener das gegnerische Tor nicht mehr getroffen. Dann erzielten sie innerhalb von einer halben Stunde gegen den FCZ gleich vier Treffer. Zweimal lagen sie zurück, doch für einmal spielte das Walliser Ensemble mit Herz und kämpfte sich zurück. In der Schlussviertelstunde schossen Gaëtan Karlen (20) und Max Veloso (21) die entscheidenden Tore. Die beiden Nachwuchsspieler, die erst in diesem Frühjahr zu ersten Einsätzen mit dem Fanionteam kamen, erzielten ihre ersten Tore in der Super League.

Der FC Zürich verpasste trotz zweimaliger Führung (Gavranovic, Drmic) das letzte (nicht allzu wichtige) Ziel der Saison. Wegen der Niederlage im Wallis ist der Stadtklub nun doch nicht das erfolgreichste Team der Rückrunde. Die Zürcher wurden vom FC Basel noch abgefangen. Mit 38 Punkten aus 18 Spielen realisierten sie gleichwohl die drittbeste Rückrunden-Bilanz seit dem Aufstieg in die Nationalliga A vor 23 Jahren.

Das Abschiedsgeschenk von Stipe Matic

Bis zur 90. Minute deutete alles darauf hin, als ob Thun nach der starken Rückrunde die Qualifikation für den Europacup doch noch verspielen würde. Dann glich Stipe Matic gegen die Young Boys doch noch zum 2:2 aus.

Viel dramatischer und packender hätte das Saisonende im Berner Oberland nicht verlaufen können. Der Totomat in der Thuner Arena lief zwar, die Ergebnisse aus Sitten wurden den 6000 Zuschauern (ausverkauft) aber vorenthalten. Dennoch hatte sich sowohl auf der Tribüne wie auf der Spielerbank herumgesprochen, dass der FC Sion gegen den FC Zürich nach zweimaligen Rückstand einem Sieg entgegensteuerte. Und die Thuner lagen gegen Kantonsrivale YB auch nach 89 Minuten noch mit 1:2 zurück. Luca Zuffi lancierte mit einem langen Ball einen neuen Angriff, via Thomas Reinmann gelangte der Ball zu Innenverteidiger Stipe Matic, der den Ball volley unter die Latte hämmerte.

Matic schiesst Thun in die Europa League

Ausgerechnet Matic gelang das Tor, welches für den FC Thun die Tür zur Europa League öffnete. Am Freitag hatte der FC Thun bekanntgegeben, dass der Vertrag mit dem kroatischen Verteidiger nicht verlängert wird. Erst in der 86. Minute wurde Matic eingewechselt. Und dann bereitete der Kroate mit seinem Sonntagsschuss am späten Samstagabend seinem Klub ein tolles Abschiedsgeschenk. Schon das erste Thuner Tor zum 1:1-Ausgleich nach 54 Minuten hatte mit Renato Steffen ein Spieler erzielt, der den Klub verlassen wird (zu YB), und der vor Spielbeginn offiziell verabschiedet worden ist.

Bis zu Matics spätem Ausgleich schien es, als ob der FC Thun wegen eigenem Unvermögen die Europa-League-Qualifikation noch verpassen würde. Andreas Wittwer beim Stand von 1:1 (59.) und Marco Schneuwly beim Stand von 1:2 (65.) vergaben goldene Möglichkeiten, der Partie schon früher für Thun einen positiveren Verlauf zu geben.

Gerechtes Remis

Am Ende entsprach das Remis den gezeigten Leistungen. Die Young Boys wollten sich mit einer ansprechenden Leistung in die Sommerpause verabschieden, was den Bernern gelang. Die Young Boys verdienten sich die beiden Treffer, die Samuel Afum per Kopf zum 1:0 (28.) und Michael Frey zum 2:1 (63.) erzielten. Das zweite Tor hatte der eingewechselte Nuzzolo brillant vorbereitet, der auf seiner Seite drei Thuner Spieler hatte aussteigen lassen.

Zum Liveticker im Popup

Basel - St. Gallen 1:0 (1:0)

St.-Jakob-Park. - 34'060 Zuschauer. - SR Studer.

Tor: 22. Bobadilla (Serey Die) 1:0.

Basel: Sommer; Voser, Ajeti, Dragovic, Park; Elneny; David Degen (57. Adili), Serey Die (69. Salah), Diaz, Jevtic; Bobadilla (87. Streller).

St. Gallen: Herzog; Mutsch, Ivic, Stocklasa, Lenjani; Janjatovic, Nater; Martic (79. Pa Modou), Scarione, Mathys (66. Hämmerli); Cavusevic (46. Etoundi).

Bemerkungen: Basel ohne Fabian Frei und Schär (beide gesperrt) sowie Philippe Degen und Yapi (beide verletzt), St. Gallen ohne Besle (gesperrt) sowie Montandon, Lehmann, Nushi und Wüthrich (alle verletzt). Verwarnungen: 39. Janjatovic (Foul). 72. Dragovic (Foul).

Grasshoppers - Lausanne 4:1 (1:0)

Letzigrund. - 4400 Zuschauer. - SR Jaccottet.

Tore: 21. Zuber (Foulpenalty) 1:0. 60. Gashi (Foulpenalty) 2:0. 73. Ngamukol (Zuber) 3:0. 85. Avanzini (Dessarzin) 1:0. 90. Ben Khalifa (Zuber) 4:1.

Grasshoppers: Taini; Hossmann, Lang, Grichting, Bauer; Salatic, Abrashi (46. Ngamukol); Feltscher, Hajrovic (46. Brahimi), Zuber; Gashi (64. Ben Khalifa).

Lausanne: Signore; Chahksi, Katz, Tall, Facchinetti; Sonnerat (78. Adam); Kamber (40. Dessarzin), Marazzi, Martin, Avanzini; Roux (57. Sukaj).

Bemerkungen: GC ohne Vilotic (gesperrt), Pavlovic, Toko, Xhaka (alle verletzt), Rocha (nicht im Aufgebot), Lausanne ohne Guié Guié, Sanogo, Moussilou, Tafere. Verwarnungen: 28. Hajrovic (Foul) und Kamber (Reklamieren), 60. Chahksi, 89. Facchinetti (beide Foul).

Servette - Luzern 3:4 (3:1)

Stade de Geneve. 2379 Zuschauer (Saisonminusrekord). SR Amhof.

Tore: 7. Tréand (Kossoko) 1:0. 14. Pont (Routis) 2:0. 22. Renggli (Foulpenalty) 2:1. 39. Pasche (De Azevedo) 3:1. 62. Gygax (Hochstrasser) 3:2. 66. Kassami (Thiesson) 3:3. 90. Neziraj (Kasami) 3:4.

Servette: Barroca; Diallo, Schneider, Routis, Moubandje; Pont, Pasche; Kossoko (60. Kouassi), De Azevedo (46. Vitkieviez), Tréand; Eudis (71. Karanovic).

Luzern: Jehle; Thiesson, Wiss, Puljic, Lustenberger; Renggli; Andrist (63. Winter), Hochstrasser (63. Neziraj), Kasami, Hyka (81. Mouangue); Gygax.

Bemerkungen: Servette ohne M'Fuyi (gesperrt), Lang, Rüfli und Kusunga, Luzern ohne Lezcano, Rangelov, Sarr (alle verletzt) und Stadel (gesperrt). Rote Karte Routis (21./Notbremse). Verwarnungen: Moubandje (56./Foul), Tréand (83./Foul); Puljic (24./Foul), Renggli (32./Foul), Hochstrasser (51./Reklamieren).

Sion - Zürich 4:2 (0:0)

Tourbillon. - 6200 Zuschauer (Saisonminusrekord). - SR Bieri.

Tore: 49. Gavranovic (Drmic) 0:1. 54. Vanczak (Ndjeng) 1:1. 55. Drmic (Pedro Henrique) 1:2. 61. Kololli (Regazzoni) 2:2. 73. Karlen (Ndjeng) 3:2. 86. Veloso 4:2.

Sion: Vanins; Kololli, Vanczak, Lacroix, Marques; Basha, Ndoye (78. Fedele); Veloso, Edimilson Fernandes (52. Karlen), Regazzoni; Léo (52. Ndjeng).

Zürich: Brecher; Philippe Koch, Raphael Koch, Djimsiti, Benito; Pedro Henrique (72. Kleiber), Kukuruzovic, Mariani (89. Glarner), Brunner (77. Gajic); Drmic, Gavranovic.

Bemerkungen: Sion ohne Margairaz (gesperrt) sowie Gelson Fernandes und Gattuso (beide verletzt), Zürich ohne Schönbächler (gesperrt) sowie Kajevic (krank), Kukeli und Buff (beide verletzt). 45. Kopfball von Drmic an die Latte. Verwarnungen: 34. Kukuruzovic (Foul). 76. Regazzoni (Foul).

Thun - Young Boys 2:2 (0:1)

Arena. 6000 Zuschauer (ausverkauft). SR Kever.

Tor: 28. Afum (Gerndt) 0:1. 54. Steffen (Zuffi) 1:1. 61. Frey (Nuzzolo) 1:2. 90. Matic (Reinmann) 2:2.

Thun: Faivre; Lüthi, Reinmann, Schindelholz (86. Matic), Schirinzi; Hediger; Steffen, Zuffi, Krstic (70. Sadik), Wittwer (80. Volina); Marco Schneuwly.

Young Boys: Wölfli; Zverotic (82. Bertone), Nef, Veskovac, Raimondi; Afum (43. Nuzzolo), Spycher, Farnerud (73. Affolter), Gerndt; Costanzo, Frey.

Bemerkungen: Thun ohne Ghezal, Bigler, Siegfried, Bättig, Ferreira, Cassio und Demiri, Young Boys ohne Sutter, Christian Schneuwly, Zarate, Doubai, Simpson, Gonzalez (alle verletzt) und Bürki (gesperrt).

Axpo Super League

(si)

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