Aktualisiert 17.12.2011 13:58

Medien Schweiz«Die Basler Zeitung wird nie ein Parteiblatt»

Nach dem Besitzerwechsel dreht sich alles um die politische Ausrichtung der BaZ. Chefredaktor Markus Somm betont, publizistische Weisungen gebe es nicht. Blochers Schweigen zum BaZ-Engagement kritisiert er.

«Noch nie habe ich einen Text aus politischen Gründen zensuriert»: BaZ-Chefredaktor Markus Somm.

«Noch nie habe ich einen Text aus politischen Gründen zensuriert»: BaZ-Chefredaktor Markus Somm.

Die politische Ausrichtung der «Basler Zeitung» gibt auch nach dem Besitzerwechsel zu reden. Die «BaZ» solle eine eigenständige Forumszeitung bleiben, bekräftigte am Samstag Filippo Leutenegger als neuer Präsident der «BaZ»-Holding.

Ein rechtes Blatt habe so wenig Platz wie ein linkes. «Das wäre schlicht und einfach langweilig», sagte Leutenegger in einem Interview mit der «Basler Zeitung». Eine Zeitung, welche die ganze Region Basel abbilden soll, lebe von unterschiedlichen Meinungen, guten Recherchen und intelligenten Analysen, sagte der Zürcher FDP- Nationalrat.

Die «BaZ» bloss auf Grund der Linie des Chefredaktors als rechtes Blatt zu diskreditieren, ist für Leutenegger «nicht fair». Ebenso falsch wäre es seiner Ansicht nach, den «Tages-Anzeiger» linkes Revolverblatt zu nennen.

Chefredaktor Somm: «Kein Parteiblatt»

Zum «BaZ»-Kurs äusserte sich am Samstag auch der umstrittene Chefredaktor Markus Somm. «Dieses Blatt ist kein Parteiblatt und wird es nie werden», versicherte er in seinen «Klarstellungen zu einer unklaren Affäre». Er habe noch nie publizistische Weisungen erhalten. Sollte dies geschehen, würde er sein Amt sofort zur Verfügung stellen.

Über seinen eigenen Standpunkt lasse er keine Zweifel aufkommen, sagt Somm weiter. Was er aber selbst an publizistischer Freiheit geniesse, gelte auch für seine Redaktion.

«Noch nie habe ich einen Text aus politischen Gründen zensuriert», hält der Chefredaktor weiter fest. In der «BaZ»-Redaktion dürfe jeder mit den besten Argumenten für seinen Standpunkt kämpfen, müsse dies aber auch allen Kollegen mitsamt dem Chefredaktor zugestehen.

Wenig Verständnis für Blocher

Somm äusserte sich auch zum «BaZ»-Engagement von Christoph Blocher. Dass Blocher dieses nicht erklärt habe, sei ein Fehler gewesen. Dass er, dazu befragt, irreführende Antworten gegeben habe, würden ihm viele nie verzeihen.

Allerdings habe Blocher die Vielfalt sichern wollen, schreibt Somm. Ohne Blochers wirtschaftliche Einflussnahme gäbe es in Basel nur noch eine kleine Lokalredaktion, die irgendeiner Zentrale in Zürich ein paar Nachrichten beisteuern würde.

Kolumnisten nehmen Stellung

Zum «BaZ»-Kurs nahmen am Samstag auch zwei Kolumnisten des Blatts Stellung, die dem linksgrünen Lager angehören. Es «tätsche» wieder in der Zeitung, und es werde lustvoll provoziert, am liebsten gegen links, konstatiert der frühere SP-Nationalrat und Parteipräsident Helmut Hubacher in seiner Kolumne. Die andere Meinung habe jedoch Platz, und das mache die «BaZ» lesenswert.

Der grüne Zürcher Nationalrat Daniel Vischer, der diese Woche in seiner «BaZ»-Kolumne die Rolle Blochers bei der «Basler Zeitung» in scharfen Worten kritisiert hatte, attestierte Somm am Samstag im «Tages-Anzeiger, dass ihm der Chefredaktor noch nie in seine Kolumne hineingeredet habe. Über eine Kritik sei er allerdings schon nicht glücklich gewesen.

In den Augen Vischers sind der Inlandteil der «Basler Zeitung» und die Leitartikel eine «klare Aufmarschachse der SVP» geworden. Somm übernehme in Kommentaren und Themensetzung Stil und Inhalt der SVP. Allerdings sei die «BaZ» unter dem Ende August 2010 eingesetzten Chefredaktor in einigen Teilen «klar besser» geworden, hält Vischer im «Tages-Anzeiger»-Interview fest.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.