«Hohe kriminelle Energie»: So soll Baslerin S.Y. (39) eine halbe Million Franken ergaunert haben
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«Hohe kriminelle Energie»So soll Baslerin S.Y. (39) eine halbe Million Franken ergaunert haben

Sie habe nur ein Ziel verfolgt: So viele Bankkonten wie möglich zu plündern. Die Ex-Bordellbetreiberin S.Y.* (39) habe skrupellos ältere Menschen abgezockt, sagt der Staatsanwalt heute vor Gericht.

von
Céline Krapf
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S.Y. soll rund 57 Personen um ihr Vermögen betrogen haben. 

S.Y. soll rund 57 Personen um ihr Vermögen betrogen haben.

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Nachdem sie mit ihrer Gruppe zu sensiblen Informationen via Email kam, rief S.Y. die Opfer an und gab sich als IT-Supporterin der passenden Bank aus.

Nachdem sie mit ihrer Gruppe zu sensiblen Informationen via Email kam, rief S.Y. die Opfer an und gab sich als IT-Supporterin der passenden Bank aus.

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So soll die Bande über 1,5 Millionen Franken ergaunert haben. Über 660’000 Franken ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

So soll die Bande über 1,5 Millionen Franken ergaunert haben. Über 660’000 Franken ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

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Darum gehts

  • S.Y.* (39) stand heute Morgen vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona unter anderem wegen unbefugter Datenbeschaffung und bandenmässiger Geldwäscherei.

  • Die Baslerin und ihre Bande betrog mutmasslich 57 Bankkunden um rund 1,5 Millionen Franken.

  • Staatsanwalt Affolter sieht bei Y. ein typisches Betrüger-Profil.

  • Sie sei nur ein kleiner Fisch in der Bande gewesen, sagen Verteidiger und Y.

Sie rief ihre Opfer an und gab sich als IT-Supporterin der Bank aus: Die Baslerin S.Y.* (39) soll mit ihrer Bande zwischen 2012 und 2015 in zwei Phasen mindestens 57 Schweizer Bankkunden um rund 1,5 Millionen Franken gebracht haben, 616’685 Franken blieben von den Banken unentdeckt. Dafür musste sie sich heute Morgen vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten.

Die Baslerin und ihre Gruppe kontaktierten laut Anklageschrift zwischen 2012 und 2015 rund 247 Personen via Mail und erschlichen sich Telefonnummer und sensible Informationen. Dann kam S.Y. als «Telefonistin» ins Spiel: Sie rief die Opfer als «Frau Meier» an und gab sich als IT-Supporterin der Bank aus. Mit den so ergaunerten E-Banking-Zugängen transferierte die Bande das Geld sofort auf eigene Konten, sogenannte «Money Mules» hoben die Summe Cash ab und brachten es zu den Anführern.

«Typisches Betrügerprofil»

Y. reagierte in der Einvernahme auf die ihr gestellten Fragen unwissend und ausweichend, sie konnte sich weder an Namen noch an konkrete Termine erinnern – und dies, obwohl sie viel Zeit mit den laut ihr «kriminellen» Kollegen verbracht habe, auch neben dem Phishing. Sie sei nur eine von «mehreren hundert» Personen gewesen, die bei diesen Aktionen beteilgt gewesen sei.

Dies sei «völlig unglaubhaft», sagt Staatsanwalt Andreas Affolter. Denn: Die Baslerin weise ein «typisches Betrügerprofil» auf: «S.Y. ging entschlossen und perfide vor.» Sie habe die meist älteren Opfer raffiniert um ihr Erspartes gebracht: Ihre Berufserfahrung als IT-Supporterin und Bordellbetreiberin habe ihr dabei geholfen, von Vorteil sei auch ihr Schweizerdeutsch gewesen. «Y. wirkte den Opfern gegenüber kompetent und umgänglich. Sie gewann ihr Vertrauen und nützte dies eiskalt aus.», sagt Staatsanwalt Affolter. Ihr Ziel sei es gewesen, so viele Bankkonten wie möglich zu plündern, ihre gesamte Freizeit habe sie dem Phishing gewidmet.

Für den Staatsanwalt ist klar: S.Y. verfügt über eine «sehr hohe kriminelle Energie». Dies und ihre führende Position in der Bande werde durch die zahlreichen Beweise der jahrelangen Ermittlungen, unter anderem in Form von Telefon- und Antennendaten klar aufgezeigt. Eindeutig sei dies zudem, weil die Deliktserie nach der Verhaftung von Y. im Juni 2015 urplötzlich abbrach.

42 Monate Freiheitsstrafe gefordert

Ganz anders sieht dies die Verteidigung: «Sie war nur ein kleiner Fisch», sagt Andrea Janggen. «Das zentrale Problem: In einer Vielzahl von Fällen ist sie gar nicht verantwortlichNur weil ein Betrugsanruf von einer «Frau Meier» getätigt worden sei, könne man dies noch lange nicht Y. anlasten. Zudem seien teils Anrufe zu kurz oder in einem anderen Dialekt gehalten worden, sagt Janggen.

Laut Anklageschrift wird S.Y. mehrfache unbefugte Datenbeschaffung, gewerbsmässiger betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage und bandenmässige Geldwäscherei vorgeworfen. Doch laut ihrem Verteidiger ist S.Y einzig des mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage in zehn Fällen schuldig zu sprechen. Janggen veranschlagt deshalb 10 Monate bedingte Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft fordert ein Schuldspruch in allen Punkten und 42 Monate Freiheitsstrafe für S.Y. Die rund fünf-monatige Untersuchungshaft von 2015 könne angerechnet werden. Das Urteil wird am Freitagmittag erwartet.

*Name der Redaktion bekannt

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