30.06.2016 06:56

Handwerker-Lehre

«Die Baustelle ist nicht für jeden das Richtige»

Stella Francescato absolviert eine Lehre als Malerin. Die 21-Jährige erzählt 20 Minuten, weshalb sie sich für einen Beruf auf dem Bau entschieden hat.

von
Kaspar Wolfensberger
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Stella Francescato ist 21 Jahre alt und absolviert eine Malerlehre bei der Max Schweizer AG in Thalwil.

Stella Francescato ist 21 Jahre alt und absolviert eine Malerlehre bei der Max Schweizer AG in Thalwil.

bausinn.ch
Bei ihrem Job muss Stella manchmal hoch aufs Gerüst steigen und die Fassade der Häuser streichen.

Bei ihrem Job muss Stella manchmal hoch aufs Gerüst steigen und die Fassade der Häuser streichen.

bausinn.ch
Bis in den 16. Stock hochzulaufen, sei ganz schön anstrengend.

Bis in den 16. Stock hochzulaufen, sei ganz schön anstrengend.

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Frau Francescato*, viele Jugendliche haben heute keine Lust mehr, einen Handwerksberuf zu erlernen. Wieso war das bei Ihnen anders?

Ich wollte früher tiermedizinische Praxisassistentin werden. Das war mein Traumberuf. Weil ich bei der Berufswahl aber nicht sicher war, ging ich zur Berufsberatung. Ich malte und zeichnete schon immer gerne und stiess so auf den Malerberuf.

Ist Ihnen die körperliche Arbeit nicht zu anstrengend?

Ich bin nicht für einen Bürojob gemacht. Dort würde ich mich auf jeden Fall langweilen. Wenn man nicht nur im Büro sitzt, bleibt man auch fit und fühlt sich besser. Ich arbeite gerne körperlich und wusste schon nach der Sekundarschule, dass ich mich sofort in einen solchen Beruf stürzen wollte.

Wie wichtig ist Ihnen der Lohn?

Der Lohn hat bei meiner Berufswahl nie eine Rolle gespielt. Schon bevor ich mich dazu entschied, Malerin zu werden, wusste ich, dass mir mein zukünftiger Job Spass machen muss. Darum arbeitete ich nach der Schule erst einmal als Pferdefachfrau, wo ich meine Liebe zu den Tieren ausleben konnte.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Mein Ziel ist, nach der Lehre die Berufsmatur zu absolvieren. Im Anschluss würde ich gerne an einer Fachhochschule oder Uni Kunst studieren gehen. Ich würde also weiterhin malen, aber eher im künstlerischen Bereich.

Bleiben Sie auf der Baustelle, wenn das nicht klappt?

Die Arbeit auf der Baustelle ist körperlich sehr anstrengend und herausfordernd. Man muss von Anfang an darauf achten, sich gesundheitlich zu schonen. Sonst kann man den Job längerfristig nicht ausüben. Ich weiss für mich selbst noch nicht, ob ich dann für immer Malerin bleiben werde. Meine Ausbildung als Malerin ist aber eine gute Basis, mich später in verschiedene Richtungen weiterzubilden.

Was denken Sie, wieso gibt es einen Lehrlingsmangel auf dem Bau?

Der Bau ist nicht für jeden das Richtige. Es herrscht eine andere Atmosphäre als im Büro. Man muss von Grund auf eine durchsetzungsfähige Persönlichkeit sein. Ausserdem muss man schon gerne körperlich arbeiten, sonst geht es nicht.

Auf der Baustelle gibt es nur wenige Frauen.

Auf dem Bau geht es tatsächlich eher etwas härter und rauer zu. Meine Mutter arbeitet aber als Lastwagenchauffeurin, das ist auch eher ein starker Beruf. Ich bin ausserdem eine, die sich traut, den Mund aufzumachen und den Leuten Paroli zu bieten.

Stört es Sie, wenn Sie bei kaltem und nassem Wetter draussen arbeiten müssen?

Es ist natürlich nicht megacool, bei sehr tiefen Temperaturen draussen zu arbeiten. Aber das schlechte Wetter geht auch wieder vorbei und man kann sich dagegen warm anziehen.

*Stella Francescato (21) absolviert eine Malerlehre bei der Max Schweizer AG in Thalwil.

Die Organisation Bausinn.ch organisiert zurzeit eine Kampagne, mit der sie Jugendliche zum Erlenenen eines Bauberufs bewegen möchte. Grund: Noch sind 3'000 Lehrstellen in der Baubranche für kommenden Hebst unbesetzt und der Fachkräftemangel ist gross. Das Interview mit Stella Francescato fand im Rahmen dieser Kampagne statt.

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