Grand Combin: «Die verunglückten Bergsteiger hatten einfach fürchterliches Pech»

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Grand Combin«Die verunglückten Bergsteiger hatten einfach fürchterliches Pech»

Am Freitagmorgen kam es im Wallis zu einem Eissturz mit zwei Toten und neun Verletzten. Ein solches Unglück könne selbst den erfahrensten Bergsteiger treffen, sagt Bergführer Samuel Schupbach. 

von
Michelle Muff
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Neun Personen wurden teils schwer verletzt.

Neun Personen wurden teils schwer verletzt.

Air Zermatt
Zwei Alpinisten kamen ums Leben.

Zwei Alpinisten kamen ums Leben.

Air Zermatt
Am Freitagmorgen sind am Grand Combin mehrere Berggänger verunglückt. 

Am Freitagmorgen sind am Grand Combin mehrere Berggänger verunglückt. 

Kantonspolizei Wallis

Darum gehts

Bei einem Eisabbruch sind am Freitagmorgen um 6.20 Uhr am Grand Combin mehrere Bergsteiger verunglückt: Eine Französin (40) und ein Spanier (65) sind noch auf der Unfallstelle verstorben, neun Personen wurden verletzt geborgen. «Dieser Eissturz war schlicht ein fürchterliches Pech und Unglück für die Berggänger», sagt Samuel Schupbach, Bergführer und Sekretär des Walliser Bergführerverbands. Die Konditionen seien in den Südalpen zurzeit nämlich phänomenal: «Ich bestieg heute Morgen den Gipfel der Jungfrau: Die Bedingungen am frühen Morgen waren super, das Eis stabil.»

Wie man am Fall von Grand Combin sehen könne, bleibe aber immer ein gewisses Restrisiko, sobald man sich in die Berge begebe, so Schupbach: «Solche Eisstürze geschehen normalerweise erst am späteren Nachmittag, wenn sich der Schnee von der Sonne erwärmt hat. Sie gehören im Frühling zu den Bergen dazu: In Gletscherregionen bricht das Eis, welches sich steil am Hang angestaut hat, irgendwann weg.» Wenn die Eisbrocken herunterdonnern, höre man das kilometerweit. «Dass eine so grosse Menge Eis wie heute am Grand Combin am frühen Morgen herunterbricht, ist sehr selten.»

«Eine Garantie, dass alle unversehrt hinunterkommen, gibt es nicht»

Schupbach nimmt an, dass die verunglückten Berggänger keine unnötigen Risiken eingehen wollten und deswegen bereits früh aufbrachen: «Doch nicht einmal der erfahrenste Bergsteiger kann jede Route mit hundertprozentiger Sicherheit planen.» Schupbach bietet als Bergführer selber auch Touren an. Seinen Gästen mache er immer bewusst, dass er ihnen kein endgültiges Versprechen geben kann, dass alle wieder unversehrt vom Berg hinunterkommen – das stehe auch so in den AGBs geschrieben: «Jeder Unfall, der in den Bergen passiert, ist wahnsinnig traurig. Aber es ist wie beim Autofahren: Man versucht natürlich alles, um Unfälle zu vermeiden, aber eine Garantie dafür gibt es einfach nicht.»

Schupbach wird morgen früh bereits wieder vom Jungfrau-Gipfel auf seine nächste hochalpine Tour zum Mönch aufbrechen. Ob er wegen des Unglücks vom Grand Combin mit anderen Gedanken losziehen wird? «Nein, ich habe meine Route bereits gut geplant und werde mich an diese halten.» Für viele sei es schwierig, dies zu verstehen, so der Bergführer: «Die Berge sind unsere Passion, unsere Leidenschaft. Die Freiheit, die einem das Bergsteigen gibt, ist unvergleichlich: Es ist ein Abenteuer, auf das man nicht verzichten kann und das die Risiken überwiegt.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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