23,84 Grad Celsius: Die Berner Aare knackt den  Temperaturrekord 

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 23,84 Grad CelsiusDie Berner Aare knackt den  Temperaturrekord 

In der Aare und im Thunersee steigen die Wassertemperaturen rasant an. Ein Experte warnt vor irreparablen Schäden. Sollte das Baden und Böötle verboten werden?

von
Dominique Dussling
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Die Berner Aare überbietet den Temperaturrekord. Beim Marzili wurden am Mittwoch um 14 Uhr 23,84 Grad gemessen.

Die Berner Aare überbietet den Temperaturrekord. Beim Marzili wurden am Mittwoch um 14 Uhr 23,84 Grad gemessen.

Tamedia
Die Aare ist nicht das einzige «heisse» Gewässer. Im Strandband Thun wurden am Dienstag 24,4 Grad Seetemperatur gemessen.

Die Aare ist nicht das einzige «heisse» Gewässer. Im Strandband Thun wurden am Dienstag 24,4 Grad Seetemperatur gemessen.

World High Diving Federation
Besonders Kaltwasserfische, wie Forellen, ziehen gegen die hohen Temperaturen den Kürzeren.

Besonders Kaltwasserfische, wie Forellen, ziehen gegen die hohen Temperaturen den Kürzeren.

20min/Simon Glauser

Darum gehts:

  • Die Aare bricht die Rekordmarke von 23,8 Grad Celsius.

  • Auch der Thunersee ist ungewöhnlich warm.

  • Beim Strandbad Thun wurden am späten Dienstagnachmittag sagenhafte 24,4 Grad gemessen.

  • Ein Gewässerökologe klärt über die Gefahren der hohen Temperaturen auf, gibt aber auch Entwarnung.

Die Wassertemperaturen der Aare kletterten am Mittwochnachmittag auf 23,84 Grad – der höchste Wert  aller Zeiten. Die Aare knackte somit den Rekord von 2018, als dieselbe Messstation flussaufwärts vom Marzilibad 23,8 Grad verzeichnete. Die Höchsttemperatur des Hitzesommers 2003 war bereits am Dienstag überboten worden. Ebenfalls historische Werte verzeichneten Messungen im Thunersee. 24,4 Grad betrug die Wassertemperatur im Thuner «Stramü» kurz vor 16 Uhr am Dienstagnachmittag. 

Besorgniserregende Entwicklung?

Der Gewässerökologe Mathieu Camenzind von Aquaplus warnt vor den Folgen für Tier und Umwelt. Die erhöhten Wassertemperaturen würden einem Grossteil der Wasserorganismen schaden, Kaltwasserfische, wie Forellen und Äschen, würden jedoch besonders unter dem warmen Wasser leiden. «Ab einer Wassertemperatur von 25 Grad sinken die Überlebenschancen dieser Fische drastisch», sagt der Biologe. Unter anderem sinke der Sauerstoffgehalt im Wasser. Dies trage dazu bei, dass die Fische dort nicht mehr leben können.

Die Folge: Die Kaltwasserfische verschwinden. «Ihr angestammter Lebensraum schrumpft durch die hohen Temperaturen», so Camenzind. Ihren Platz würden dann andere Arten einnehmen, die besser mit den neuen Bedingungen zurechtkommen. «Vor allem Karpfenartige sind besser an höhere Wassertemperaturen und niedrigere Sauerstofflevels angepasst und somit toleranter in Bezug auf Hitzeereignisse.» Camenzind schliesst aber nicht aus, dass exotische Arten sich vermehrt ausbreiten. Er ist überzeugt: «Die Zusammensetzung der verschiedenen Organismen in der Aare wird sich hin zu wärmetoleranten Arten verschieben.»

Biologe empfiehlt Ruhezonen für Fische

Mit der globalen Erwärmung nimmt die Gefahr von sogenannten «Dead Zones» auch in Schweizer Seen zu. Im warmen und nährstoffreichen Wasser vermehren sich Algen und Bakterien schneller. Im Zuge dessen fällt der Sauerstoffgehalt so stark ab, dass andere Lebewesen, wie zum Beispiel Fische, ersticken. Diese Problematik trete jedoch primär in flachen und nährstoffreichen Seen, wie etwa dem Sempachersee oder dem Hallwilersee, auf. Tiefe Gewässer, wie der Thunersee, seien weniger anfällig auf kurzfristige Temperveränderungen wie Hitzeereignisse. Doch spiele die Wassertemperatur letztlich nur eine untergeordnete Rolle, sagt Camenzind: «Es ist mehr ein Problem des hohen Nährstoffgehaltes, verursacht durch Abwasser und Landwirtschaft.» 

Trotzdem  würde der Gewässerökologe spezielle Ruhezonen für Fische begrüssen. Die Böötler und Badenden seien nicht gerade fördernd für das Wohlbefinden der Fische. «Man kann den Bernern ihre geliebte Aare kaum verbieten», so Camenzind, «aber man könnte lokale Badeverbote dort einrichten, wo das Wasser etwas kälter ist und sich bedrohte Fische zu ihrem Schutz zurückziehen.»

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