Hoselupf auf der Schützenmatte: Die Berner Reitschule hat jetzt ein eigenes Schwingfest
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Hoselupf auf der SchützenmatteDie Berner Reitschule hat jetzt ein eigenes Schwingfest

Vom Brienzer bis zum Wyberhaken: In der Berner Reithalle wird es anfangs Juli richtig urchig. Das alternative Kulturzentrum veranstaltet am 9. Juli ein «Reitgenössisches Schwingfest».

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Im kommenden Juli findet in Bern ein Schwingfest statt. Organisiert wird der Anlass aber nicht von einem offiziellen Schwingerverband, sondern von einer Gruppe der Berner Reitschule.

Im kommenden Juli findet in Bern ein Schwingfest statt. Organisiert wird der Anlass aber nicht von einem offiziellen Schwingerverband, sondern von einer Gruppe der Berner Reitschule.

Reitschule Bern
Reitgenössisch statt eidgenössisch: Beim Schwingen in der Reithalle ist alles etwas anders. Dennoch kommen auch urchige Gäste auf ihre Kosten:  Nebst dem Schwingbetrieb gibt es ein Bürinnenzmorge, auch werden vor Ort Bassgeige und Handorgel gespielt.

Reitgenössisch statt eidgenössisch: Beim Schwingen in der Reithalle ist alles etwas anders. Dennoch kommen auch urchige Gäste auf ihre Kosten:  Nebst dem Schwingbetrieb gibt es ein Bürinnenzmorge, auch werden vor Ort Bassgeige und Handorgel gespielt.

Tamedia AG
Jakob Aeschbacher, Präsident des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes BKSV,  ist skeptisch: «Entweder haben die Reitschüler wirklich Interesse am Schwingen bekommen, oder aber sie machen sich über uns und den traditionellen Schwingsport lustig.»  

Jakob Aeschbacher, Präsident des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes BKSV,  ist skeptisch: «Entweder haben die Reitschüler wirklich Interesse am Schwingen bekommen, oder aber sie machen sich über uns und den traditionellen Schwingsport lustig.»  

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Im  Schwingsport herrscht derzeit Hochbetrieb – landauf, landab finden aktuell Wochenende für Wochenende diverse Schwingfeste statt. Ein Bubeschwinget hier, ein Kantonales da. In diese vollgefüllte Agenda hat sich nun auch ein kleiner Exot eingenistet: Am 9. Juli veranstaltet die Berner Reithalle das «Reitgenössische Schwingfest». Die Berner Schützenmatte verwandelt sich an diesem zweiten Juli-Samstag vom urbanen Hotspot in eine kleine Schwingarena. Das Anschwingen ist um zwölf Uhr mittags, den ganzen Nachmittag über herrscht Schwingbetrieb.

«Schwinge und Schwofä» – Schwingen und Tanzen – ist das Motto des «Reitgenössischen». So tritt nach dem Schlussgang auch ein Trio mit Handorgel, Bassgeige und Klarinette auf. Nach diesem Konzert können die Berner Bösen bei einer Afterparty mit DJs weiter das Tanzbein schwingen. Der Festakt geht gar noch weiter: Am Sonntagvormittag findet zum Abschluss ein «Bürinnäzmorge» statt. 

Skepsis vonseiten der offiziellen Bösen

Trotz dieses aufwändigen Programmes ist am Fest wohl kaum mit Schweizer Schwing-Prominenz zu rechnen: Beim Anlass handelt es sich nämlich um ein Amateurinnen- und Amateur-Schwingturnier. Das Fest wird unabhängig von den Schweizer Schwingverbänden durchgeführt.

In der offiziellen Schwing-Szene hat man vom sogenannten «Reitgenössischen» aber dennoch Wind bekommen. Gegenüber dem Vorhaben ist man vorerst etwas skeptisch. Jakob Aeschbacher, Präsident des Bernisch Kantonalen Schwingerverbandes BKSV, sagt gegenüber 20 Minuten: «Entweder haben die Reitschüler wirklich Interesse am Schwingen bekommen, oder aber sie machen sich über uns und den traditionellen Schwingsport lustig.»

Die tatsächlichen Beweggründe für ein eigenes Schwingfest bleiben an dieser Stelle offen; die Reitschule liess eine Anfrage von 20 Minuten unbeantwortet. Ein allfälliges Lustig-Machen würde dem Vorhaben der Organisatoren indes vehement widersprechen: Auf dem Plakat fürs «Reitgenössische Schwingfest» wird in Grossbuchstaben Respekt und Sensibilität gefordert. 

Schwingtalent gesucht

Während Jakob Aeschbacher selber noch über die Motivationsgründe der unbekannten Stadtberner Organisatoren rätselt, ist für ihn jedoch eines sonnenklar: «Es handelt sich hier um einen inoffiziellen Schwinganlass, der überhaupt nichts mit unserem Verband zu tun hat.» Ganz egal, wie gut auf der Schützenmatte geschwungen werde – «die Resultate haben keinerlei Einfluss auf unsere Rangliste», so Aeschbacher. Sollte am 9. Juli aber ein interessiertes Schwingtalent unter den Teilnehmenden entdeckt werden, stünden ihr oder ihm die Schwingkeller offen, zeigt sich der Präsident schliesslich versöhnlich. Das Oberhaupt des BKSV mahnt gleichzeitig auch zur Vorsicht: «Schwingen ist ein Kampfsport. Wenn dabei zwei Laien aufeinandertreffen, kann das verletzungstechnisch auch ungut ausgehen.»

Doch ganz so unerfahrene Böse scheinen die Stadtbernerinnen und -berner gar nicht zu sein: Schon in der Vergangenheit soll es in der Hauptstadt zu privaten Schwingfesten gekommen sein. Dies zeigt auch ein Bericht der Zeitung «Der Bund» aus dem 2014: Damals fand in Bern, organisiert von einer örtlichen Wohngemeinschaft, ein alternatives Schwingfest mit rund 200 Personen statt. Wie ein Organisator des Festes gegenüber der Zeitung damals verriet, habe man sich mit tüchtiger Recherche in die Kunst des Schwingens eingelesen – zudem habe in der Vorbereitungszeit ein allwöchentliches Training stattgefunden. 

Seither sind viele Jahre verstrichen, und die «Untergrund-Szene» des Schweizer Schwingsports hätte weiter Zeit gehabt zu üben. Wer weiss – vielleicht reicht der eine oder andere Wyberhacke, Hüfter oder Kreuzgriff inzwischen ja gar fürs offizielle Sägemehl.

(miw)

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