Arbeitsstelle, Lohn, Chefsessel – Die Berufslehre bietet dir mindestens so viele Chancen im Job wie das Gymi
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Arbeitsstelle, Lohn, ChefsesselDie Berufslehre bietet dir mindestens so viele Chancen im Job wie das Gymi

Wie Sergio Ermotti von der Lehre zur Top-Position. Lehrlinge haben meist die besseren Aussichten auf Arbeitsplätze und Kaderstellen als Gymi-Schülerinnen und -Schüler.

von
Fabian Pöschl
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Mit der Berufslehre hast du das Rüstzeug für den Arbeitsmarkt und für mögliche Weiterbildungen.

Mit der Berufslehre hast du das Rüstzeug für den Arbeitsmarkt und für mögliche Weiterbildungen.

imago/Westend61
Prominente Beispiele gibt es viele in der Schweiz, die es vom Lehrling zum Chef geschafft haben wie Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti, aktuell Präsident des Swiss-Re-Verwaltungsrats.

Prominente Beispiele gibt es viele in der Schweiz, die es vom Lehrling zum Chef geschafft haben wie Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti, aktuell Präsident des Swiss-Re-Verwaltungsrats.

Tamedia/Urs Jaudas
Auch Schoggi-König Ernst Tanner (l.) von Lindt und Sprüngli machte zuerst die Lehre.

Auch Schoggi-König Ernst Tanner (l.) von Lindt und Sprüngli machte zuerst die Lehre.

Tamedia/Moritz Hager

Darum gehts

  • Die Lehre ist besser als ihr Ruf.

  • Sie ist sogar in vielen Fällen besser als das Gymi.

  • Das zeigt eine neue Studie.

Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti und Schoggikönig Ernst Tanner von Lindt & Sprüngli teilen die Berufslaufbahn vieler Schweizer Kaderangestellten: Sie lancierten ihre Karriere nicht mit dem Gymi, sondern begannen mit der Berufslehre.

Die Schweizer Berufslehre ist ein Erfolgsmodell und besser als ihr Ruf: Jugendliche treten früh und gut ausgebildet in den Arbeitsmarkt ein und haben das Rüstzeug für weiterführende Ausbildungen, wie Experten sagen. Die Lehre könnte gar ein Schweizer Exportschlager für andere Länder sein.

USA am Schweizer Erfolgsmodell interessiert

Bundespräsident Guy Parmelin reist diese Woche in die USA und wird mit seinen amerikanischen Ministerkollegen über die Vertiefung der Zusammenarbeit in der Berufsbildung diskutieren, wie die «NZZ» berichtet. Im Gepäck könnte er auch eine neue Studie haben, die zeigt, wie gut die Berufslehre wirklich ist.

Denn die Lehre bietet mindestens so gute Chancen wie das Gymi, um im Job durchzustarten. Das ist das Fazit der Studie der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft.

Weniger häufig arbeitslos als mit Gymi-Abschluss

Die Forscher werteten dafür die Arbeitsmarktdaten der vergangenen zwanzig Jahre aus und verglichen die Berufslaufbahnen von Gymi- und Lehrabsolventen. Dabei registrierten sie keine grossen Veränderungen im Lauf der Jahrzehnte. Aber Lehrabgänger haben generell um ein paar Prozentpunkte höhere Erwerbsquoten als jene mit Gymi-Abschluss. Letztere sind denn auch häufiger unfreiwillig arbeitslos gemeldet.

Die Lehre bietet auch die bessere Chance für künftige Kaderpositionen, insbesondere dann, wenn nach der Berufsbildung noch eine weitere Ausbildung folgt. Mit der höheren Position steigt auch der Lohn. Die Studienautoren stellen zwar keine grossen Unterschiede zwischen Absolventen einer Berufsbildung und von Gymnasien fest. Ex-Lehrlinge haben aber seltener Tieflöhne.

«Ein Uniabschluss garantiert keinen hohen Lohn»

Studienautor Jürg Schweri von der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung.

Studienautor Jürg Schweri von der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung.

Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung

Warum haben Lehrlinge die höhere Erwerbsquote als Gymi-Absolventen?

Es zeigt sich, dass Personen mit beruflicher Grundbildung generell auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind. Es scheint sich zu bewähren, dass die Ausbildungen der Berufsbildung gezielt auf die Kompetenzen zugeschnitten sind, die im Arbeitsmarkt benötigt werden, und zudem mit allgemeinbildendem Unterricht an der Berufsfachschule ergänzt werden.

Warum komme ich als Lehrling mit weiterer Ausbildung eher in eine Kaderposition?

Weil Personen mit Lehrabschluss meist schon einige Jahre im Betrieb tätig sind und dann konkrete Karriereoptionen vor sich sehen. Gerade in der höheren Berufsbildung unterstützen die Betriebe gezielt bestimmte Mitarbeitende mit Zeit und Geld, um sie auf eine Führungsposition vorzubereiten.

Wie erklären Sie sich die geringen Unterschiede bei den Löhnen?

Es gibt durchaus erhebliche Unterschiede, in den höchsten Bildungsabschlüssen sind die Löhne nach gymnasialem Weg höher. Allerdings garantiert ein Uniabschluss keinen hohen Lohn. Im Speziellen gilt das für Studienfächer, wo man seltener eine Stelle findet, die dem Abschluss entspricht. Das betrifft vor allem die Geisteswissenschaften. Die Berufsbildung beugt hingegen dank dem guten Berufs- und Arbeitsmarkteinstieg Tieflöhnen besser vor.

«Mit der Berufsbildung gibt es gute Löhne»

Isabelle Zuppiger, Präsidentin des Verbands der Fachleute für Laufbahnentwicklung Profunda-Suisse.

Isabelle Zuppiger, Präsidentin des Verbands der Fachleute für Laufbahnentwicklung Profunda-Suisse.

Profunda-Suisse

Ist die Lehre besser als das Gymnasium?

Ich würde die beiden nicht gegeneinander ausspielen. Es kommt auf die Fähigkeiten und Interessen an. Wer lieber praktisch arbeitet und etwas umsetzen will, für den eignet sich die Lehre besser als für jemanden, der lieber einer Theorie auf den Grund geht.

Warum habe ich laut Studie mit der Lehre die besseren Kaderaussichten?

Weil Jugendliche in der beruflichen Grundbildung und mit den entsprechenden Weiterbildungen viel Berufserfahrung und arbeitsmarktnahe Fachkenntnisse erwerben können. Für Kaderpositionen sind aber auch überfachliche Kompetenzen wichtig. Personen mit einem akademischen Ausbildungsweg ohne berufliche Grundbildung können sich diese etwa durch Übernahme von Verantwortung in einer Vereinstätigkeit oder in einem Praktikum aneignen.

Wo habe ich die besseren Lohnaussichten?

Das lässt sich nicht generell sagen. Es kommt auf das Lohnniveau in der Branche und auf das Studienfach an. Mit der Berufsbildung gibt es gute Löhne, das zeigt sich schon in der Lehre etwa bei Maurern. Dank unserem hervorragenden Bildungssystem kann man sich auch immer weiterbilden, etwa vom Maurer zum Bauführer oder Bauingenieur. Es gibt sehr viele Wege in der beruflichen Weiterbildung und dadurch auch immer die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und mehr zu verdienen.

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