Food-Test: Die beste Wurst kostet gerade mal 1.25 Franken
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Food-TestDie beste Wurst kostet gerade mal 1.25 Franken

Fünf Karnivoren war die Wurst nicht wurst. In einem Blindtest bewertete die Jury zehn Bratwürste. Das Ergebnis: Geschmack gibts auch zu kleinem Preis.

von
F. Voegeli/M. Bangerter/D. Galka

Der Wursttest wurde am 9. Juni 2011 durchgeführt. (Kamera: Marion Bangerter/Debby Galka, Schnitt: Marion Bangerter)

Würste sind das Top-Grillgut schlechthin, wie die Tendenz einer Umfrage von 20 Minuten Online zeigt. Jetzt fragt sich nur: Wo gibts die beste Wurst? Beim SC Brühl, meinen die Autoren des Buches Stadionwurst. Beim Vorderen Sternen, meinen viele Zürcher. Und schon geht die Diskussion los, welcher Metzger denn nun wirklich das beste Würstchen herstellt.

20 Minuten Online hat die Bratwürste der Grossen unter die Lupe genommen. In einem Blindtest wurden insgesamt zehn verschiedene Würste, die in der gesamten Schweiz bei den Grossverteilern Migros, Coop, Volg, Denner, Globus, Aldi und Lidl zu kaufen sind, getestet. Ein Fachmann vom Ausbildungszentrum für die Schweizer Fleischwirtschaft (ABZ) stand am Grill, und eine unabhängige Jury machte sich über die Test-Exemplare her. Darunter zwei Fleischfachmänner, ein Fussballfan, der schon die beste Stadionwurst kürte, sowie zwei Normalverbraucher.

Gewinner nach Punkten: Aldi

Nach drei Stunden intensiver Wurstkunde stand der Gewinner fest. Das Rennen machte die Kalbsbratwurst, die für 1.25 Franken pro Stück im Aldi zu haben ist. Mit 31 von maximal 40 Punkten ging sie als Siegerwurst hervor. Nur bei dieser Wurst wurden in der Kategorie «Geschmack» einmal die vollen zehn Punkte vergeben.

Bei Aldi freut man sich natürlich über das gute Abschneiden der Kalbsbratwurst, ist sich aber der Grenzen eines Jury-Tests bewusst. «Sensorische Tests darf man nicht überbewerten. In erste Linie müssen natürlich die Qualitäts-Tests stimmen, und wenns den Leuten dann auch noch schmeckt – umso besser», so Sven Bradke, Sprecher von Aldi Suisse. Was denn die Aldi-Wurst so gut mache, wollen wir wissen. «Dafür sorgt die traditionelle Rezeptur sowie die professionelle Herstellung der Bratwurst, die im Auftrag von Aldi von der Bigler AG hergestellt wird,» so Bradke. Zudem seien es die guten sensorischen Eigenschaften wie Bratfarbe, Konsistenz und Geschmack, die die Gewinner-Wurst zu dem machen, was sie ist.

Dass die beste Bratwurst beim Billig-Händler im Regal liegt, das erstaunt die Experten weniger als die Normalverbraucher. «Das Fleisch kommt von Bigler, das ist ein guter Hersteller», so die Fleischfachmänner. «Damit hätte ich gar nicht gerechnet», tönt es dennoch von der anderen Seite des Tisches.

Nur knapp hinter der Aldi-Wurst lag die St. Galler Olma-Bratwurst aus der Migros mit 30.4 Punkten. Und mit noch weniger Abstand findet sich eine weitere Billig-Wurst auf Platz drei: Die M-Budget Kalbsbratwurst, die im 4er-Pack für 5 Franken zu haben ist. Ihr Punktedurchschnitt: 30.2.

Tiefer Herstellungspreis kommt dem Geschmack zugute

Die beiden zweitbilligsten Würste, M-Budget und Aldi, stehen auf dem Podest. Grillmeister Silvan Stöckli weiss: «Für den Konsumenten zählen zwei Dinge: der Geschmack und der Preis. Speck, Kalbsschwarte oder auch Kalbskopfblock, was für Würste verwendet wird, sind sowohl günstiger als Fleisch und obendrein noch ein Geschmacksträger. Da kommt der günstige Herstellungspreis zum Zug.» Natürlich gibt es eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, denn eine Triefwurst will schliesslich auch niemand in der Hand halten. Der Blick auf die Etikette mit den Zutaten zeigt: In der Aldi-Kalbsbratwurst stecken 40 Prozent Kalbfleisch. Das ist gemäss Stöckli vergleichsweise viel, das Minimum bei der Kalbfleischwurst liegt bei 36 Prozent (mehr als 50 Prozent der Trockenmasse). Auch hier spielt es bei der Geschmacks- und Preisentwicklung eine Rolle, was für Kalbfleisch verwendet wird, beziehungsweise wie hoch der Fettanteil des Fleisches ist.

Die Jury bewertete die Würste anhand eines offiziellen Kriterienbogens vom Ausbildungszentrum für die Schweizer Fleischwirtschaft. Insgesamt waren 40 Punkte möglich. Bewertet wurden das Aussehen, das Schnittbild, die Verarbeitung und der Geschmack. Die Punkte wurden laufend zusammengerechnet und anschliessend der Durchschnittswert ermittelt. Die Endresultate reichten von 23,2 bis zum Top-Ergebnis von 31 Punkten.

«Ist das ein Kebab?!»

Dass Wurst nicht gleich Wurst ist, wurde beim Blindtest mehr als deutlich. Während manche Exemplare nach dem Aufschneiden und einem kleinen Bissen mit «Wow, eine der Besten!» gelobt wurden, fielen durchaus auch andere Worte: «He, ist das ein Kebab?!», fragte sich Zellweger beim Biss in die zweitletzte Wurst laut.

Die Jury war bewusst durchmischt gewählt, damit sowohl die Meinung von Fachleuten wie auch die des ganz normalen Fleischkonsumenten in den Testergebnissen vertreten war. Während die Fachmänner Thomas Peterhans und Stefan Zellweger ihre Würste zielstrebig schnitten, betrachteten und schmeckten, fiel die Beurteilung der «normalen Wurstesser» etwas zögerlicher aus. Was schmeckt oder gar nicht passt, kristallisierte sich schnell heraus. Doch bei der Feinbeurteilung brauchte es auch nach dem Briefing und mit Hilfeleistung der Fachleute etwas Mut zur Punktverteilung.

Die Top 5

Alle Würste, die im Blindtest getestet wurden, finden Sie hier. Wo erhältlich, wurden Kalbsbratwürste gewählt, ansonsten die «normale» Bratwurst als Alternative.

Wer diesen Sommer also wieder einmal in der Fleischabteilung steht und Proviant für den Grill besorgt, weiss nun, dass man auch problemlos eine gute Wurst aus dem Regal holen kann, ohne dabei tief in die Tasche zu greifen. Wem sie trotzdem nicht schmeckt, der soll seinen Senf dazu geben.

Grillmeister-Tip

Nicht nur beim Reinbeissen, sondern auch auf dem Grill unterscheden sich die zehn Bratwürste des Blindtests. Silvan Stöckli, der Fachmann am Grill, gibt sein Fazit zur Grillqualität der verschiedenen Exemplare:

«Die M-Budget Kalbsbratwurst und die Volg Bratwurst eignen sich gut für Grill-Einsteiger. Es ist einfach, sie gleichmässig auf die gewünschte Stufe zu grillen.»

«Die Bratwurst von Lidl bekommt eine schnelle, schöne Bräunung. Man muss allerdings auf der Hut sein: Bei zu viel Hitze wird sie wohl sehr schnell verbrennen.»

«Die fettreduzierte WeightWatcher Bratwurst ist eine Herausforderung und eindeutig nichts für Leute, die zum ersten Mal den Grillmeister machen.»

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