Luzerner lassen sich Määs nicht nehmen  – «Die Bevölkerung wurde brandschwarz angelogen» 

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Luzerner lassen sich Määs nicht nehmen «Die Bevölkerung wurde brandschwarz angelogen»

Für den Stadtrat dürfte es ungemütlich werden, weil das «grüne Inseli» das Ende für die Määs am Inseliquai bedeutet. Jetzt gehen die Parteien auf die Barrikaden und erinnern an Versprechen, welche im Vorfeld der Abstimmung gemacht wurden.

von
Daniela Gigor
Nathan Keusch
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Das Karussell vor dem KKL während der Määs könnte schon bald nicht mehr dort zu sehen sein. 

Das Karussell vor dem KKL während der Määs könnte schon bald nicht mehr dort zu sehen sein.

20min/Community
Geht es nach dem Luzerner Stadtrat könnten die Määs und der Lunapark in Zukunft nicht mehr auf dem Inseli stattfinden. 

Geht es nach dem Luzerner Stadtrat könnten die Määs und der Lunapark in Zukunft nicht mehr auf dem Inseli stattfinden.

20 Minuten
Grund ist, dass es nicht mehr genügend Platz gibt, um alles unter einen Hut zu bringen. 

Grund ist, dass es nicht mehr genügend Platz gibt, um alles unter einen Hut zu bringen.

20 Minuten

Laut der Stadtluzerner Baudirektorin Manuela Jost können die Määs und der Lunapark in Zukunft nicht mehr auf dem Inseli stattfinden, wie das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie an den Tag brachte. Grund ist, dass es nicht genügend Platz gibt, um alles unter einen Hut zu bringen. «Der Stadtrat hat sich deshalb für die Variante ‹grünes Inseli› entschieden», fasste die Baudirektorin die Situation auf Anfrage von 20 Minuten zusammen. Dumm nur, dass Stadtrat Adrian Borgula (Grüne), Leiter der Umwelt- und Mobilitätsdirektion, im September 2017 versprochen hatte: «Die Määs und der Lunapark werden auf dem Inseli bleiben.» Darum kommt die neuste Entwicklung bei den Parteien gar nicht gut an.

Präsidentin der Mitte fordert zum Erhalt von Traditionen auf

So teilte etwa die Mitte Stadt Luzern am Donnerstag mit, «die Zusicherung des Stadtrates im Vorfeld der Abstimmung entbehrte offensichtlich jeglicher Grundlage. Demokratiepolitisch ist das unverantwortlich.» Gleichzeitig kündigte die Mitte gemeinsam mit der Jungen Mitte an, eine Online-Petition zu starten. Präsidentin Karin Stadelmann sagte auf Anfrage: «Als Stadtluzernerin erwarte ich vom Stadtrat, dass Traditionen erhalten bleiben.» Ihr ist bewusst, dass andere politische Mittel stärker wären als eine Online-Petition, doch die Mitte wollte so rasch wie möglich auf die Absage reagieren. So sei etwa auch noch möglich, eine Initiative zu lancieren oder eine Stimmrechtsbeschwerde einzureichen. Doch diese Mittel würden mehr Zeit benötigen. Stadelmann fragt sich auch, warum die Machbarkeitsstudie nicht vor der Abstimmung in Auftrag gegeben wurde und warum noch viele Workshops folgten, wenn die Stadt wusste, dass die Määs so oder so nicht auf dem Inseli bleiben könne.

Für SVP kommt es nicht infrage, die Määs zu verändern

Noch deutlicher wird Dieter Haller, Präsident der SVP Stadt Luzern: «Die Bevölkerung wurde brandschwarz angelogen und die Abstimmung «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» knapp gewonnen.» Tatsächlich sagten am 24. September 2017 51,61% der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen Ja zur Juso-Vorlage. Haller will nun die bürgerlichen Parteien ins Boot holen und gemeinsam die Initiative gegen das Vorhaben des Stadtrats ergreifen. Haller: «Es kommt nicht infrage, die Määs zu verändern. Es ist auch unvorstellbar, mit der Määs über die Stadtgrenze zu gehen.»

FDP will, dass Stadt Versprechen einhält

Auch die FDP hat keine Freude an den Nachrichten des Stadtrats: «Der Stadtrat wird aufgefordert, Alternativen zu präsentieren», sagt Co-Präsidentin der FDP, Marija Bucher-Djordjevic. Für die FDP ist es unverständlich, warum der Stadtrat seine Versprechen bricht. Weil es Varianten gibt, mit welchen die Määs und die Anhalteplätze gesichert werden könnten, «wird der Stadtrat dringend aufgefordert, eine Variante weiterzuverfolgen, mit welcher er seine Versprechen einhalten kann», so Bucher-Djordjevic weiter.

«Es ist aber nie das Ziel gewesen, die Määs vom Inseli zu vertreiben»

Die Umgestaltung des Inselis geht auf eine Initiative der Juso zurück, die eine Vergrösserung des Grünbereichs auf dem Areal forderte. «Es ist aber nie das Ziel gewesen, die Määs vom Inseli zu vertreiben», sagt der heutige SP-Grossstadtrat Yannick Gauch: «Wir haben uns immer zur Määs bekannt und waren der Ansicht, dass sie bei Möglichkeit weiterhin auf dem Inseli bleiben soll.» Gauch war im Initiativkommitee und an der Machbarkeitsstudie zur Umsetzung der Initiative beteiligt. «Für mich wäre auch die Variante ‹Platz Süd› denkbar gewesen.» Dabei wäre eine kleine befestigte Fläche auf dem Areal verblieben. «Die Entscheidung zum grünen Inseli traf schlussendlich der Stadtrat», so Gauch weiter. Für ihn ist es ein grosses Anliegen, dass man eine Lösung für die Määs findet. Dazu müsse die Stadt direkt auf die Schausteller zugehen. Gauch: «Ich bin mir sicher, dass die Määs weiterhin auf einem passenden Platz in der Innenstadt stattfinden kann.» Dazu werde er, falls nötig, auch politisch aktiv.

Laut Baudirektorin ist der Entscheid nicht leicht gefallen

Die Stadt habe einiges zu hören bekommen, bestätigt Baudirektorin Manuela Jost auf Anfrage schriftlich: «Einerseits werden viele Nachfragen gestellt, wieso der Stadtrat diesen Entscheid gefällt hat. Dabei gibt es auch einige kritische Rückmeldungen, die diesen Entscheid nicht verstehen können. Andererseits gibt es auch Rückmeldungen, die den Mut des Stadtrates für diesen Entscheid betonen und dankbar dafür sind, dass nun ein Entscheid vorliegt.» Laut Jost wurde in der Machbarkeitsstudie auch eine Variante mit dem Verbleib des Lunaparks geprüft. «Diese zeigt jedoch, dass der Spielraum für eine Neugestaltung des Inselis sehr stark eingeschränkt ist», so Jost weiter. Der Entscheid sei nicht leicht gefallen, doch für die Baudirektorin entspricht die Variante ‹grünes Inseli› dem Volkswillen am besten. «Hätten wir uns für die andere Variante entschieden, wäre spätestens beim Wettbewerb klar geworden, dass sich beim Inseli nur wenig verändern würde.»

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