Hightech-Kreaturen: Die Biester aus Googles neuer Roboterschmiede
Aktualisiert

Hightech-KreaturenDie Biester aus Googles neuer Roboterschmiede

Es ist nicht bekannt, wie viel Google für Boston Dynamics gezahlt hat. Das Geld scheint aber gut angelegt zu sein, denn die Schöpfungen der Roboterfirma beeindrucken.

von
J.-C. Gerber

Roboter drängen langsam, aber sicher in alle Lebensbereiche vor. Während sie in der Industrie bereits seit Jahrzehnten ihren Platz haben, nehmen auch die Streitkräfte verschiedener Länder vermehrt ihre Dienste in Anspruch. In der Form von Drohnen sind sie bereits im tödlichen Einsatz, als Packesel dagegen noch ein ungewohnter Anblick.

Experten sagen Robotern mit Beinen allerdings eine grosse Zukunft voraus und zwar nicht nur im Krieg, sondern auch bei der Katastrophenhilfe und besonders bei der Altenpflege. Um für diesen Markt gerüstet zu sein, hat Google in den vergangenen Monaten mehrere spezialisierte Unternehmen aufgekauft. Der spektakulärste Einkauf dürfte dabei die Firma Boston Dynamics gewesen sein. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit bereits mehrfach mit seinen Entwicklungen für Aufsehen gesorgt.

Ausgeprägter Gleichgewichtssinn

Am eindrücklichsten ist Big Dog, ein Transportroboter, den nichts so schnell aus der Fassung beziehungsweise aus dem Gleichgewicht bringt. Obiges Video zeigt seine Entwicklung über die Jahre 2004 bis 2010. Der martialisch daherkommende Automat wurde in Zusammenarbeit mit dem Jet Propulsion Laboratory der Nasa entwickelt. Finanziert wurde diese Kreation wie die meisten anderen von den US-Streitkräften.

Big Dog kann inzwischen auch schwere Gegenstände bewegen. Dabei benutzt er nicht nur den Greifarm, sondern auch die Kraft seines Torsos und seiner Beine – genau wie es ein Mensch macht. Bei Tests konnte er einen 15 Kilogramm schweren Backstein fünf Meter weit werfen.

(Video: Youtube/BostonDynamics)

Auf den mit Big Dog gewonnenen Erkenntnissen basiert das Legged Squad Support System, kurz LS3, zu Deutsch etwa das Mannschafts-Unterstützungssystem, mit Beinen. Zwar gewinnt der Roboter mit seinem staksigen Gang keine Stilpunkte, doch im Gelände kann ihn kaum etwas aufhalten. Er trägt bis zu 90 Kilo und hat eine Reichweite von 35 Kilometern. Dabei läuft er automatisch bei einem Trupp mit, braucht also keinen speziellen Lenker.

(Video: Youtube/BostonDynamics)

Schneller als Usain Bolt

Deutlich schneller – wenn auch mit viel Getöse – unterwegs ist Wildcat. Dieser Roboter ist auf Tempo optimiert. Momentan erreicht der Vierbeiner auf flachem Untergrund Geschwindigkeiten von bis zu 25 Kilometer pro Stunde.

(Video: Youtube/Henry Madersen)

Noch schneller ist Cheetah, ein katzenartiger Roboter, der sogar Usain Bolt hinter sich lassen würde. Im Labor erreichte er 45 km/h. Zum Vergleich: Der jamaikanische Rekordsprinter bringt es über 100 Meter auf eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 43,5 km/h.

(Video: Youtube/karlakara74)

Vier Räder statt Beine hat der Sandflea Jumping Robot. Auf ebenem Gelände fährt er wie ein ferngesteuertes Auto. Wenn er an ein Hindernis kommt, verwandelt er sich in den namensgebenden Sandfloh und springt bis 10 Meter hoch. Ausgeklügelte Sensoren sorgen dabei dafür, dass er jederzeit weiss, wo er ist.

(Video: Youtube/ArmedForcesUpdate)

Beeindruckende Zweibeiner

Auch zweibeinige Roboter hat das neue Google-Unternehmen im Programm. Da wäre zum Beispiel Petman, der gebaut wurde, um Schutzkleidung zu testen. Der anthropomorphe Roboter simuliert menschliche Bewegungen perfekt und soll helfen, Schwachstellen bei Schutzanzügen gegen chemische Stoffe aufzudecken.

(Video: Youtube/BostonDynamics)

Deutlich ausgeklügelter ist Atlas. Er kann sich auf zwei Beinen durch das Gelände bewegen. So bleiben seine Arme frei, um Gegenstände aufzuheben, zu tragen oder Arbeiten auszuführen. Sollte es der Untergrund verlangen, kann Atlas auch auf allen Vieren klettern. Im Kopf trägt er eine Stereokamera und weitere Sensoren. Wie das Video zeigt, hält er sein Gleichgewicht verblüffend gut. Bei so viel geballter Roboterkraft ist es beruhigend zu wissen, dass Atlas noch auf eine externe Energieversorgung angewiesen ist. Das schränkt seinen Bewegungsradius empfindlich ein.

(Video: Youtube/BostonDynamics)

Japaner gewinnen Wettbewerb

Auch eine weitere Google-Akquisition im Bereich der Roboterforschung kann sich sehen lassen. Das Tokioter Start-up-Unternehmen Schaft, das sich der Suchmaschinenkonzern vor einigen Wochen einverleibt hatte, beeindruckte vergangene Woche an einem Roboterwettbewerb in Miami. Ihr Wettbewerbsteilnehmer mit der nüchternen Bezeichnung HRP-2 setzte sich gegen die Kreationen von 16 weiteren Roboterteams aus aller Welt durch.

Zum Wettbewerb hatte Darpa, die Rüstungsagentur des US-Verteidigungsministeriums, geladen, die auch einen Hauptteil der Forschung von Boston Dynamics bezahlt. Die Roboter sollten zeigen, ob sie bei Katastrophen als Unterstützung der Hilfskräfte taugten. HRP-2 meisterte die Aufgaben am besten: Er lenkte ein Fahrzeug, überwand einen Hindernisparcours und kletterte rückwärts eine Leiter hoch. Dabei agierte er halbautomatisch, wurde also zum Teil ferngesteuert. Schliesslich siegte er mit 27 von 32 möglichen Punkten. Platz 2 und 4 gingen übrigens an Teams, die mit einem Atlas angetreten waren.

(Video: Youtube/Schaft Inc.)

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