Hilflos in Homs: Die Blauhelme können in Syrien wenig ausrichten

Aktualisiert

Hilflos in HomsDie Blauhelme können in Syrien wenig ausrichten

In Syrien versucht die Beobachter-Mission der UNO, dem Regime, das seine eigene Bevölkerung terrorisiert, Einhalt zu gebieten. Das Blutvergiessen geht dennoch weiter.

Das Vorauskommando der UNO-Beobachter bemüht sich in Syrien um eine Überwachung der Waffenruhe. Dennoch geht das Blutvergiessen weiter. Aktivisten meldeten, am Dienstag seien bis zum Nachmittag 13 Menschen von den Regierungstruppen getötet worden.

Unter den Toten seien zwei Frauen aus der Ortschaft Al-Kusair: Den beiden 70 und 102 Jahre alten Frauen seien die Kehlen durchgeschnitten wurden. Am Vortag sollen landesweit mehr als 60 Menschen von den Truppen des Regimes getötet worden sein.

UNO-Untergeneralsekretär Lynn Pascoe hatte am Montag im Weltsicherheitsrat erklärt, die schweren Menschenrechtsverletzungen in Syrien hielten trotz der Einigung über eine «Waffenruhe» an. Der russische Aussenminister Sergej Lawrow betonte dagegen, das Vorauskommando spiele bereits kurz nach Beginn seiner Mission eine positive Rolle. Er sprach sich dafür aus, die Zahl der Beobachter aufzustocken.

Zwei Beobachter dauerhaft in Homs stationiert

Bislang sind in Syrien acht Beobachter im Einsatz, von denen zwei dauerhaft in der Protesthochburg Homs stationiert sind. Die anderen UNO-Militärbeobachter fuhren am Dienstag nach Angaben von Augenzeugen in die Provinz Idlib, ins Umland von Damaskus und in die Provinz Aleppo.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen besuchten UNO-Beobachter nach Angaben der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA am Dienstag Duma. Der Aktivist Mohammed Said sagte aus dem Vorort von Damaskus, es seien auch dort erneut Schüsse und Granatexplosionen zu hören.

Am Abend wurden drei weitere unbewaffnete Beobachter erwartet. In den kommenden Tagen soll ihre Zahl auf 30 ansteigen, wie ein UNO- Sprecher in Damaskus sagte. Wann die endgültige Zahl von 250 bis 300 Beobachter erreicht sein wird, ist noch nicht klar.

Bombenexplosion in Damaskus

Mitten in der Hauptstadt Damaskus detonierte am Dienstag eine Bombe, die in einem zivilen Geländewagen der Armee platziert worden war. Der Fahrer und zwei weitere Menschen seien in ein Spital gebracht worden, verlautete aus Kreisen der Sicherheitskräfte. Ein Spitalarzt sagte, der Fahrer des Wagens sei lebensgefährlich verletzt worden.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, ein hochrangiger Funktionär des Geheimdienstes sei in Damaskus ermordet worden. Staatliche Medien berichteten zudem von einem dritten Angriff, bei dem ein pensionierter Oberstleutnant und dessen Bruder von «Terroristen» getötet worden seien.

Im Vorort Sajjida Zeinab habe es ein Gefecht zwischen den Regierungstruppen und Deserteuren gegeben. 15 Soldaten sollen am Dienstag zudem in der Provinz Idlib gemeinsam desertiert sein. Seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad im März 2011 sind nach Schätzungen der UNO mehr als 9000 Menschen getötet worden.

Lebensmittelhilfe läuft an

Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilt derzeit nach eigenen Angaben Nahrungsmittelhilfe an 100 000 Menschen in Syrien. In den kommenden Wochen soll die Hilfe 500 000 Menschen vor allem in den Städten Homs, Hama, Idlib und Damaskus zugutekommen.

Voraussetzung sei allerdings, dass die Helfer Zugang zu den Bedürftigen erhielten, erklärte eine WFP-Sprecherin. Dennoch gebe es selbst dann noch etwa eine Million Menschen in Syrien, die nicht genug zu essen hätten. Nach UNO-Angaben hatten bereits vor Ausbruch des jüngsten Konflikts vor mehr als einem Jahr 1,4 Millionen Syrer Schwierigkeiten, sich ausreichend zu ernähren. (sda)

Aktivisten melden mehr als 30 Tote in syrischer Stadt Hama

In der zentralsyrischen Stadt Hama sind am Montag nach Angaben von Aktivisten mehr als 30 Menschen von Regierungstruppen getötet worden. Wie das Syrische Observatorium für Menschenrechte mitteilte, wurde zum Teil mit schweren Maschinengewehren geschossen. Insgesamt seien 33 Menschen ums Leben gekommen, sagte Rami Abdul-Rahman, der Vorsitzende der in Grossbritannien ansässigen Organisation. Andere Aktivisten gaben abweichende Opferzahlen an. In einem Online-Video war zu sehen, wie Rauchschwaden über Wohnblocks aufstiegen. Erst am Sonntag hatte eine Gruppe UN-Beobachter die Stadt besucht, um die Einhaltung eines Waffenstillstandsabkommens zu überprüfen. (dapd)

Satellitenaufnahmen belegen brüchige Waffenruhe

Satellitenbilder und weitere glaubwürdige Quellen liefern nach Angaben der Vereinten Nationen einen Beleg für die brüchige Waffenruhe in Syrien. Trotz der Zusage aus Damaskus sei der vom Sondergesandten Kofi Annan ausgehandelte Abzug schwerer Waffen und Truppen aus Wohngebieten nicht erfolgt, sagte sein Sprecher Ahmad Fawzi am Dienstag in Genf. Annan habe den UN-Sicherheitsrat bei einem Vortrag in Schweden über die derzeitige Lage informiert und die syrische Regierung aufgerufen, dem Waffenstillstandsabkommen voll und ganz nachzukommen. Auch wisse Annan, dass es mit dem Eintreffen von UN-Beobachtern in den Konfliktgebieten zu kurzen Gefechtspausen komme. «Wenn sie da sind, schweigen die Waffen. Wir haben glaubwürdige Berichte, wonach der Beschuss wieder beginnt, wenn sie weg sind», erklärte Fawzi. (dapd)

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