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Europa-Park-Chef«Die Blue-Fire kann ich zehnmal am Tag fahren»

Er ist der Herr über 14 Länder und 100 Attraktionen: Europa-Park-Chef Roland Mack über Schweizer Gäste, die neue Wasserwelt und seine Ambitionen in der Politik.

von
S. Spaeth
Rust
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«Mit den Bahnen, die schnell drehen, habe ich heute aber etwas Mühe. Je älter man wird, desto schlechter kann man den Drehimpuls ertragen», sagt Europa-Park-Chef Roland Mack im Interview mit 20 Minuten.

«Mit den Bahnen, die schnell drehen, habe ich heute aber etwas Mühe. Je älter man wird, desto schlechter kann man den Drehimpuls ertragen», sagt Europa-Park-Chef Roland Mack im Interview mit 20 Minuten.

Die Eurpopa-Park-Besitzerfamilie: Thomas Mack, Roland Mack, Jürgen Mack und Michal Mack (v.l.n.r.). Roland Mack will sich aus dem opperativen Geschäft zurückziehen und gibt seinen Söhnen Thomas und Michael mehr Verantwortung.

Die Eurpopa-Park-Besitzerfamilie: Thomas Mack, Roland Mack, Jürgen Mack und Michal Mack (v.l.n.r.). Roland Mack will sich aus dem opperativen Geschäft zurückziehen und gibt seinen Söhnen Thomas und Michael mehr Verantwortung.

Die Hotels im Europa-Park haben eine Auslastung von 98 Prozent. Zum Europa-Park-Ressort gehören 5700 Betten.

Die Hotels im Europa-Park haben eine Auslastung von 98 Prozent. Zum Europa-Park-Ressort gehören 5700 Betten.

Herr Mack, zu Ihrem Europa-Park-Reich gehören Themenbereiche zu vielen Ländern – und Sie sind der Chef dieses Mini-Europas. Sind Sie mehr König oder Europa-Politiker?

Die Politik hat mit dem Europa-Park relativ wenig zu tun. Wir als Park sind zuständig für den Spassfaktor, die Politik hingegen sorgt für Dinge, die den Leuten eher nicht so gefallen. Was wir besser machen als das richtige Europa, ist, dass unsere Länder nur einen Finanzminister haben.

Dann plädieren Sie auch im richtigen Europa für eine einheitliche Finanzpolitik?

Ich finde die europäische Idee noch immer grandios. Und eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik würde Europa viel helfen. Als Europa-Park-Chef sollte ich aber nicht zu viel Politik machen und einlösen, was ich meinem Vater versprach. Er hatte immer die Sorge, ich würde mal als Politiker oder gar als Wirtschaftsminister enden.

Jetzt, wo Sie die Verantwortung übergeben, hätten Sie Zeit für die Politik.

Ich wäre vielleicht kein schlechter Politiker, aber mir würde vieles zu langsam gehen. Zudem bin ich kein Parteimitglied, habe keine Plakate geklebt und mich in einer Partei hochgearbeitet. Grundsätzlich ist mir Politik meist zu opportunistisch und ich fühle mich in meinem Europa wohler.

Wann mögen Sie Ihren Park am liebsten?

Wenn der Park die Besucherzahl hat, die er am besten verkraften kann. Dann kommen die Gäste voll auf ihre Kosten, weil die Wartezeiten nicht zu lang sind, aber auch für uns geht es wirtschaftlich auf. Dieser Auslegepunkt liegt bei rund 25'000 Gästen. Es gab aber schon mal 50'000 Besucher an einem Tag. Aber diese Zahl Besucher war nicht gleichzeitig im Park, da hatten wir einen zweiten Einlass am Abend und waren bis Mitternacht geöffnet.

Ihr Büro befindet sich im Park. Kommt es vor, dass Sie in einer Pause Achterbahn fahren gehen?

Es ist eher so, dass ich mit Kunden und Gästen im Park unterwegs bin. Wenn ich aber längere Zeit nicht auf einer Indoor-Fahrt wie der Piratenbahn war, gehe ich auf Kontrollfahrt. Ausser auf den Kinderbahnen bin ich monatlich mehrmals auf jedem unserer Fahrgeschäfte. Mit den Bahnen, die schnell drehen, habe ich heute aber etwas Mühe. Je älter man wird, desto schlechter kann man den Drehimpuls ertragen. Die Blue-Fire-Achterbahn kann ich aber immer noch zehnmal am Tag fahren.

Wenn Sie als Chef durch den Park gehen, werden Sie von den Leuten erkannt und angesprochen?

Ja, wobei das einerseits schön, andererseits manchmal – wenn man es eilig hat – eine Belastung ist. Es ist wie bei einem Popstar. Wenn einer anfängt, ein Selfie mit mir zu machen, dann kommen plötzlich enorm viele solcher Wünsche. Aber das gehört einfach dazu. Ich musste auch schon Kleidungstücke oder Unterarme signieren. Es macht aber auch Spass, es ist eine Wertschätzung.

Das Verrückteste, was es derzeit im Park gibt, sind die Bahnen Blue Fire und Silver Star. Geht es noch extremer?

Ja, auf jeden Fall. Extremere Bahnen sind aber nicht erfolgreicher, ausser in den Medienberichten. Ein Looping schliesst die Hälfte der Gäste aus. Wir haben gerade ein Kinderland eröffnet, was für unsere Kernzielgruppe der Familien mehr bringt als die spektakulärste Achterbahn. Dort will vielleicht der 16-Jährige mehrmals drauf, den Eltern ist es aber zu wild. Unseren Ingenieuren sage ich jeweils: Wir müssen Bahnen so bauen, dass man nachher gleich wieder drauf möchte. Nach zehn Loopings brauchen die Leute aber eine Pause.

Der Europa-Park zählt 21 Prozent Besucher aus der Schweiz. Unterscheidet sich diese Gästegruppe von den anderen?

Schweizer schätzen die Qualität noch mehr als vielleicht die Deutschen und die Franzosen. Zudem sind die Schweizer wegen der längeren Anfahrtswege die am besten vertretene Nation in den Hotels. Wir hatten schon grosse deutsche und Schweizer Firmen, die den Park exklusiv für ihre Kunden gemietet hatten. Dort zeigte sich: Die Schweizer geben pro Kopf in der Gastronomie mehr aus. Seit der Europa-Park existiert, waren schon über 25 Millionen Schweizer bei uns.

Derzeit bauen Sie einen grossen Wasserpark. Was geben Sie dafür aus?

Es ist die grösste einzelne Investition seit der Gründung des Parks. Wir geben über 100 Millionen Euro für den Wasserpark und ein neues Hotel aus. Der Wasserpark soll uns wettermässig mehr Unabhängigkeit bringen und wird auch abends und im Winter geöffnet sein. Zudem hoffen wir, mit dem Wasserpark die Auslastung unserer Hotels im Winter steigern zu können.

Bei den Wasserparks ist die Konkurrenz aber viel grösser ...

Der Wasserpark ist auf tiefere Nutzerzahlen ausgelegt als der Europa-Park. Für uns ist die Kombination interessant. Ziel ist es, dass die Leute wegen des Wasserparks einen Tag länger im Hotel bleiben. Wir werden die Wasserpark-Tickets vermutlich überwiegend online auf Reservation verkaufen und nicht in erster Linie auf Tagesgäste zielen. Unsere Befragungen haben gezeigt: 70 Prozent der Gäste wünschen sich als Erweiterungsschritt einen Wasserpark.

Sie kündigten kürzlich an, sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen zu wollen und die Söhne stärker in die Verantwortung zu nehmen. Warum?

Ich habe von meinem Vater früh viel Verantwortung erhalten und habe stark davon profitiert. Zudem wollte ich den letzten Abschnitt meiner beruflichen Laufbahn mit einer eigenen Entscheidung starten. Ich bin 67 Jahre alt, meine Söhne sind 35 und 38 Jahre alt. Ich setze mich jetzt auf den Co-Piloten-Sitz. Wenn es dem Captain allerdings schlecht werden sollte, sitze ich gleich nebenan. Das war schon bei mir und meinem Vater so.

Das heisst, insgeheim bleiben Sie der Chef?

Ich bin weiterhin Geschäftsführer. Das operative Geschäft verantworten aber vollständig meine Söhne. Ich bin in der neuen Rolle zuständig für Investitionen. Sich aus dem Operativen rauszuhalten, ist aber nicht einfach, wenn man gleich beim Park wohnt. Wenn ich jetzt Fehler sehe, sollte ich diese aber nicht mehr direkt abstellen.

Was können Ihre Söhne besser als Sie?

Sie haben ein besseres Gefühl für die neue Zeit. Die ganze Virtual-Reality-Entwicklung finde ich toll, ich habe aber nicht die hundertprozentige Leidenschaft dafür. Zudem arbeiten Thomas und Michael viel teamorientierter als ich. Ich habe jeweils alles selbst durchgezogen und kontrolliert. Ich finde diesen Führungsansatz noch immer richtiger und gebe zu, dass es mir mitunter schwerfällt, mich allein auf mein Team zu verlassen. Ich muss aber lernen, dass wir in einer anderen Zeit leben.

Dann misstrauen Sie der moderneren Art der Führung?

Ja. Das ist aber nicht verwunderlich, weil ich seit Jahren meinen Führungsstil gepflegt habe. Ich bin im Vergleich zu meinem Vater aber schon recht diskussionsorientiert. Bei meinem Vater galt nur seine Meinung. Richtig ist wohl die Mischung aus beiden Führungsstilen. Zudem ist es für die heutige Grösse des Europa-Parks besser, wenn wir anders aufgestellt sind. Der Park hat mittlerweile solche Dimensionen angenommen, dass nicht mehr einer allein alles entscheiden sollte.

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