Aktualisiert 22.04.2014 11:40

Milliarden-UmbauDie Börse jubelt über den Novartis-Deal

Novartis kauft und verkauft Geschäftssparten für total mehr als 25 Mia. Dollar. Das Tauschgeschäft kommt an der Börse gut an, weil der Pharma-Multi wenig rentable Bereiche abstösst.

von
Yves Hollenstein
Nach Bekanntgabe des Deals legten die Novartis-Aktien einen Kurssprung hin.

Nach Bekanntgabe des Deals legten die Novartis-Aktien einen Kurssprung hin.

Das sei ein historischer Moment, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez am Dienstagmorgen an einer Telefonkonferenz. Der Basler Pharmakonzern will sich in Zukunft auf die Bereiche Pharma, Eye Care und Generika konzentrieren. Dazu kauft er den Onkologie-Bereich des Konkurrenten Glaxo Smith Kline GSK und verkauft im Gegenzug den Impfstoff-Bereich an die Briten. Die Division Animal Health veräussert Novartis an die US-Firma Eli Lilly.

An der Börse wird der Deal gefeiert: Die Papiere des Basler Pharmariesen lagen am Dienstagmorgen teilweise über drei Prozent im Plus. Noch begeisterter zeigten sich die Anleger von GSK. Die Aktien des britischen Pharmariesen stiegen um über vier Prozent.

Problemkinder weg

Auch in Analystenkreisen kommt das Tauschgeschäft der Pharma-Multis gut an. Mit der Portefeuille-Bereinigung habe Novartis eine Lösung für praktisch alle Problemkinder gefunden, schrieb die Bank Notenstein in einem Marktkommentar.

Laut den Notenstein-Kommentatoren wird der Basler Pharmariese praktisch alle wenig lukrativen Bereiche los. Mit der Krebssparte von GSK erwerbe Novartis hingegen einen zukunftsträchtigen und hochmargigen Pharmazweig. Doch das geht ins Geld: Novartis zahlt dafür 14,5 Milliarden Dollar.

Hoher Kaufpreis

Für den UBS-Analysten Stefan Schneider ein stolzer Preis: «Für mich ist nicht ersichtlich, warum Novartis für das Krebsgeschäft von GlaxoSmithKline so viel zahlt», sagt er zu 20 Minuten. Im Gegenzug bekämen die Basler aber auch einen guten Preis für das Impfgeschäft und die Tiergesundheit bezahlt (7,1 Milliarden).

Grundsätzlich begrüsst Schneider jedoch das Tauschgeschäft: «Novartis hat angekündigt, die Geschäftseinheiten zu analysieren und restrukturieren. Damit hat sie dies auch gemacht.» Wie der Konzern am Dienstag mitteilte, sollen die Transaktionen einen leicht positiven Einfluss auf den Gewinn haben. Ob dies wirklich gelingen wird, ist noch eine offene Frage, meint der UBS-Analyst. «Aus unserer Sicht gehen wir vorerst von einem neutralen Effekt auf den Gewinn aus», so Schneider.

Warten auf Wettbewerbsbehörden

Novartis rechnet mit dem Abschluss der Deals in der ersten Hälfte 2015. Die GSK-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Der Novartis-Verwaltungsrat steht einstimmig dahinter.

1500 Novartis-Angestellte in der Schweiz betroffen

Vom Umbau des Pharmakonzerns Novartis sind in der Schweiz rund 1500 von 15'000 Beschäftigten betroffen. Ob es auch zur Verschiebung von Stellen ins Ausland oder zu Entlassungen kommt, liess Novartis am Dienstag offen. Am stärksten von der am Dienstag angekündigten Transaktion betroffen ist in der Schweiz der Standort Nyon VD mit rund 900 Angestellten. Diese Produktionsstätte für rezeptfreie Medikamente geht in ein neues Gemeinschaftsunternehmen von Novartis und GlaxosSmithKline (GSK) über. Novartis wird an diesem Joint Venture einen Anteil von 36,5 Prozent halten.

Die Tiergesundheitssparte wird vollständig vom US-Konzern Eli Lilly übernommen. Betroffen sind von dieser Transaktion 90 Vollzeitstellen in St. Aubin FR und 240 in Basel. Zur Stellenzahl in der Schweiz des Impfstoffsektors waren von Novartis keine Angaben erhältlich. Dieses Geschäft wird von GSK übernommen.

Nach Angaben von Novartis-CEO Joe Jimenez wechseln die von der Transaktion betroffenen Mitarbeitenden mit ihren Einheiten zu den neuen Besitzern. Ob auch Stellen wegfallen und ob es zu Entlassungen oder zur Verschiebung von Arbeitsplätzen ins Ausland kommt, liess Novartis am Dienstag offen. Für Angaben dazu sei es noch zu früh, hiess es bei Novartis. Der Deal werde ja erst im ersten Halbjahr 2015 vollzogen, also erst in rund einem Jahr. (sda)

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