Ob scharf oder nicht: Die Bombe vom Bodensee ist gehoben

Aktualisiert

Ob scharf oder nichtDie Bombe vom Bodensee ist gehoben

Jahrzehntelang schlummerte das möglicherweise explosive Geschoss auf dem Grund des Bodensees. Nun wurde die Bombe von Tauchern gehoben. Am Nachmittag soll sie gesprengt werden.

von
A. Hirschberg
Staad

Am Freitagmorgen früh ist die völlig überwachsene, alte Bombe aus dem schlammigen Grund des Bodensees gezogen worden. Explosionsgefahr bestand keine mehr. Bereits am Donnerstag hatten Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung der Schweizer Armee (Kamir) den Zünder der Bombe entfernt.

Man hatte bis zuletzt Angst, dass die Bombe hätte hochgehen können, auch weil ganz in der Nähe des Fundorts eine Gasleitung den See quert. Einsatzleiter Andreas Brunner von der Kantonspolizei St. Gallen hat um die Taucher «gebibbert», die am Seegrund den Zünder entfernten. «Als sie hochkamen, war ich sehr erleichtert», sagt er gegenüber 20 Minuten Online. Zur Sicherheit war der Flugverkehr am Flughafen Altenrhein während dieser Zeit gesperrt.

Tauchgang um acht Uhr

Zwei Taucher der Kamir sprangen um 8 Uhr von einem Boot der St. Galler Seepolizei in den Bodensse. Kurze Zeit später tauchten sie wieder auf. Sie holten Material, um die Bombe zu heben. Ein aufblasbares Kissen wurde an den Seegrund gebracht, um die Bombe anzuheben. Spezialisten der Kampfmittelbeseitigung Baden-Württemberg waren ebenfalls an Bord und überwachten die Bergung.

Die Bergungsaktion dauerte eine knappe Stunde. Die Bombe wurde mit Gurten am Luftkissen, dass an der Wasseroberfläche schwamm, fixiert und dann ganz langsam in den Hafen von Staad gezogen. Dort wurde sie per Kran aus dem Wasser geholt und auf einen speziell gefederten und gesicherten Gefahrengut-Lastwagen der Armee verladen. Der Lastwagen ist für eine Bombe von 200 Kilogramm ausgelegt. Der Lastwagen ist so gebaut, dass er nicht in Brand geraten kann.

Die Bombe wird nun auf einen unbekannten Schiessplatz der Armee, vemutlich in den Bergen, transportiert. Dort soll sie im Laufe des Nachmittags gezielt gesprengt werden.

Scharf oder nicht?

Noch ist nicht klar, was da genau für eine Bombe auf dem Seegrund lag. Sicher ist mittlerweile aber, dass es sich nicht um eine Fliegerbombe der US-Streitkräfte aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Der am Donnerstag demontierte Zünder der Bombe wurde seit 1949 von den Schweizern nachgebaut. Deshalb wäre es möglich, dass es sich um ein Schweizer Geschoss handelt, mit dem Schweizer Piloten «Fliegerschiessen» geübt haben. Diese

wäre vermutlich aus Zement oder Gips und würde keine Explosivstoffe enthalten. Allerdings war der Bodensee nie Ziel solcher Testabwürfe. Die Verantwortlichen gehen deshalb davon aus, dass die Bombe wohl versehentlich im Bodensee gelandet ist.

Die Schweizer Armee dokumentiert jede Schweizer Munition: Dieses Objekt im Bodensee war allerdings nie erfasst. Der Körper der Bombe besteht aus einem Metallmantel und ist 120 Zentimeter lang. Die Bombe weist einen Durchmesser von 40 Zentimeter auf. Der Zünder war an der Bombe fest montiert, aber ohne den zugehörigen Sprengsatz, der eine solche Bombe zünden könnte. Immer noch unklar ist, ob sich in der Bombe selber Sprengstoff befindet. Das wird man aber spätestens nach der gezielten Zerstörung der Bombe auf dem abgelegenen Armeeschiessplatz wissen.

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