Hanfdiebe: «Die brauchen unseren Hanf zum Strecken»
Aktualisiert

Hanfdiebe«Die brauchen unseren Hanf zum Strecken»

Sind Hanfdiebe zu dumm, um den Unterschied zwischen Cannabis und Industriehanf zu kennen? «Die wissen genau, was sie tun, und verdienen damit gutes Geld», widerspricht ein Hanfbauer.

von
Annette Hirschberg
THC-Gehalt von Marihuana ist zehnmal höher: Ein Feld mit Industriehanf.

THC-Gehalt von Marihuana ist zehnmal höher: Ein Feld mit Industriehanf.

«Das musste ja so kommen», sagen die Mitglieder des Vereins Schweizer Hanffreunde. Jede Woche zwei bis drei Mal sei der Bauer Alfred E. in Schwarzenburg BE von Hanfdieben angegriffen worden, bis er in der Nacht auf Dienstag einen Dieb erschoss. «Der Angriff in jener Nacht war der 37. dieses Jahr», sagt Vereinssprecher Peter Brunner, der in engem Kontakt mit dem schiesswütigen Bauern stand.

Für Brunner ist klar, wer hinter den Angriffen steht. Es seien ausschliesslich Ausländer aus dem Balkan, die es auf Hanfbauern abgesehen hätten. «Jeder Schweizer weiss, dass auf unseren Feldern Industriehanf wächst, der sich nicht rauchen lässt», so Brunner.

«Eine richtige Belagerung»

Die Berner Polizei wollte noch nicht bestätigen, ob es sich beim Hanf des Bauern in Schwarzenburg tatsächlich um legalen Industriehanf handelt. «Das ist alles Teil der laufenden Ermittlungen», sagt Mediensprecherin Ursula Stauffer. Auch über mögliche Täter äussert sich die Kapo Bern nicht.

Für Hanffreund Brunner ist aber klar: In Schwarzenburg wuchs nur Industriehanf, und die Angriffe auf den Bauern überstiegen jedes bisher gekannte Mass. «Das war eine richtige Belagerung», sagt er und ergänzt: «Die glauben offenbar, dass sich mit unserem Hanf das dicke Geschäft machen lässt.»

Diebesbande schlug zu

Gerade das ist vermutlich der Fall. Der Toggenburger Hanfbauer Roman R. ist überzeugt, dass die Hanfdiebe sehr genau wissen, was sie tun. «Die verwenden unsere Blüten, um ihr Marihuana zu strecken und machen damit viel Geld», sagt er.

Auch ihm wurden diesen Herbst 30 Kilo Hanfblüten gestohlen. «Die Pflanzen waren bereits geerntet und die Blüten zu einem Teil von den Stauden getrennt», erzählt der Hanfbauer. Sie hätten bald an eine Kosmetikfirma geliefert werden sollen, die Hanfblüten zu Tee, Salben und Ruhekissen verarbeitet. Roman R. ist überzeugt, Opfer einer Diebesbande geworden zu sein. «Die kamen mit dem Lieferwagen, haben meine Scheune aufgebrochen und alles mitgenommen.»

«Die Diebe sind frech und rücksichtslos»

Optisch und vom Geruch her seien die Blüten des Industriehanfs für den Laien kaum von Marihuana zu unterscheiden. «Der THC-Gehalt von Marihuana ist aber zehnmal höher.» Roman R. weiss, dass viele Bauern, die Industriehanf anbauen, von Banden heimgesucht werden. «Nicht alle sind gleich betroffen, aber es ist ein zunehmendes Problem.» Heute sei kein Hanfbauer mehr vor solchen Dieben sicher. «Sie sind saumässig frech und rücksichtslos.»

Dass gerade der Schwarzenburger Bauer Alfred E. so belagert wurde, erstaunt P. nicht. «Er baut schon seit Jahren Hanf an und ist deshalb weitherum bekannt. Ausserdem ist sein Hof abgelegen und eignet sich darum besonders für Überfälle.»

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