Lambda-Variante des Coronavirus – Die brennendsten Fragen zur Gefährlichkeit der Mutante und die Antworten darauf
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Grosse Gefahr oder nicht?Die brennendsten Fragen zur Lambda-Variante – und die Antworten darauf

Ist die Lambda-Mutation noch gefährlicher als die Delta-Variante, wie Forschende aus Japan befürchten? Das ist der aktuelle Stand.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Eine japanische Vorab-Studie, die die Lambda-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 als «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» darstellt, hat für Aufregung gesorgt. 

Eine japanische Vorab-Studie, die die Lambda-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 als «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» darstellt, hat für Aufregung gesorgt.

Wikimedia Commons/CDC/PD
Die Autorinnen und Autoren fordern darin, die zunächst in Peru nachgewiesene Coronavirus-Mutante als «besorgniserregend» («variant of concern») einzustufen. Aktuell steht sie lediglich unter Beobachtung («variant of interest»).

Die Autorinnen und Autoren fordern darin, die zunächst in Peru nachgewiesene Coronavirus-Mutante als «besorgniserregend» («variant of concern») einzustufen. Aktuell steht sie lediglich unter Beobachtung («variant of interest»).

Reuters
So könnte sie laut den japanischen Forschenden einerseits dem Immunschutz besser entkommen und ansteckender sein als die Delta-Variante. 

So könnte sie laut den japanischen Forschenden einerseits dem Immunschutz besser entkommen und ansteckender sein als die Delta-Variante.

Kunal Patil/PTI/dpa

Darum gehts

  • Laut einer japanischen Vorab-Studie könnte die Lambda-Mutante «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» darstellen.

  • Andere Fachleute ordnen die Erkenntnisse aus Japan ein und geben – zumindest für jetzt – Entwarnung.

Keine guten Neuigkeiten vermelden japanische Forschende zur Lambda-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2, die auch schon in der Schweiz nachgewiesen wurde. Demnach weist sie Mutationen auf, die ihr möglicherweise dabei helfen, den Immunschutz von Geimpften oder von Infektionen mit anderen Coronavarianten Genesenen abzuschwächen. Zudem könnte sie noch ansteckender sein als die Delta-Mutante. Davor warnten jüngst japanische Forschende in einer noch nicht von Fachkolleginnen und Fachkollegen begutachteten und damit vorläufigen Studie. Sie rufen dazu auf, Lambda als «besorgniserregende Variante» (variant of concern, VOC) einzustufen. Lambda könne «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» darstellen. Das ist bislang über die Mutante und ihre Mutationen bekannt.

Wie ansteckend ist Lambda tatsächlich?

Die Variante ist deutlich ansteckender als das Ursprungsvirus und die Varianten Alpha, Beta und Gamma. Aber sie ist – Stand jetzt – nicht, beziehungsweise nicht nennenswert infektiöser als Delta (siehe Bildstrecke). Das ist sowohl das Ergebnis der vorläufigen Laborstudie aus Japan als auch von einer kurz zuvor publizierten Studie aus den USA. Allerdings handelt es sich in beiden Fällen um Laboruntersuchungen. Ob sich die Daten eins zu eins auf die reale Welt übertragen lassen, muss sich erst zeigen.

Wie gut – oder schlecht – wirken die Impfstoffe gegen die Lambda-Variante?

Aufgrund von Mutationen im Spike-Protein des Virus könnte die Mutante den nach der Impfung gebildeten Antikörpern ausweichen, so die japanischen Forschenden. Das hiesse: Die Antikörper können Lambda nicht so gut neutralisieren wie andere Varianten von Sars-CoV-2. Entsprechend sei der Immunschutz gegen diese Variante reduziert.

Weniger düster ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der NYU Grossman School of Medicine in New York. Laut dieser wirken zumindest die mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna weiterhin gut gegen Lambda. Einen nennenswerten Unterschied zwischen der Delta- und der Lambda-Variante gebe es nicht. Die Schlussfolgerung ist jedoch ebenso mit Vorsicht zu betrachten wie die der Japaner. Denn auch diese Arbeit wurde bislang nur als Pre-Print veröffentlicht und noch nicht von an der Forschung unbeteiligten Fachleuten begutachtet.

Die Fokussierung auf Antikörper erlaubt jedoch nur bedingt Rückschlüsse auf die Schutzwirkung der Impfung im wahren Leben. Denn neben den Antikörpern gibt es auch noch die Gedächtniszellen, die dafür sorgen, dass das Abwehrsystem des Körpers einen Erreger auch lange Zeit nach einer Infektion wiedererkennt und schnell eine Immunantwort einleiten kann. Vor diesem Hintergrund bleibe wahrscheinlich selbst im Fall vermehrter Infektionen durch die Lambda-Variante der Schutz vor schweren Verläufen erhalten, erklärte Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unlängst bei einem Pressegespräch des Kölner Science Media Centers.

Wird Lambda Delta verdrängen?

Das lässt sich anhand der aktuellen Datenlage noch nicht eindeutig sagen. Fest steht nur: Die beiden Varianten ähneln sich punkto Infektiosität und Abfall der Immunwirksamkeit. Der Blick auf die Entwicklungen in Südamerika deutet jedoch Beruhigendes an: Lambda breitet sich weniger stark aus als Delta. «Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde», zitiert Tagesschau.de Maria van Kerkhove, Covid-19-Expertin bei der WHO. Nach Angaben aus Peru werde die Lambda-Variante dort von der Gamma-Variante verdrängt. Insgesamt aber scheint sich auch in Südamerika vor allem die Delta-Mutante auszubreiten, hält der österreichische Molekularbiologe Martin Moder fest.

Müssen wir uns wegen Lambda also Sorgen machen?

Nach derzeitigem Kenntnisstand nicht, sagen Experten wie Carsten Watzl. Der Professor für Immunologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie hält die Daten aus Japan für überinterpretiert, wie die Deutsche Presse-Agentur schreibt. Lambda könnte demnach auch dem Immunschutz «etwas entkommen, aber nicht so stark wie Delta». Insofern beunruhige ihn diese Variante anhand der aktuell vorliegenden Daten noch nicht. Eine Meinung, mit der Watzl nicht alleine dasteht. Auch Physiker und Datenwissenschaftler Cornelius Römer gibt Entwarnung: «Gamma und Delta waren immer übertragbarer. Das ist der Punkt, wo man aufhören sollte, sich Sorgen zu machen.»

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